Prozess gegen Thomas Langkau

"Wenn es um Geld ging, gab es keine Nachsicht"

20. Januar 2010 | 16:51 Uhr | Von Anja Werner / dpa

Thomas Langkau muss sich vor dem Flensburger Landgericht verantworten. Foto: Polizei

Im Prozess um das Familiendrama von Harrislee hat ein Zeuge Drohungen gegen den Angeklagten bestätigt.

Es war nicht die erste Messer-Attacke. Mit 150 Stichen soll Thomas Langkau (38) am 16. Februar 2009 seine Ehefrau Ricarda und die kleine Tochter Marie in Harrislee ermordet und das Haus der Familie in Brand gesetzt haben, um das Verbrechen zu vertuschen. Auf seiner Flucht hatte er das Verbrechen in einer E-Mail an shz.de gestanden und als Motiv Bedrohungen von Geschäftspartnern genannt. Vor Gericht hat Langkau bisher keine Aussage gemacht. Einen Freund lehrte Langkau schon zuvor mit Messern in der Hand das Fürchten. So schildert es zumindest der Zeuge am Mittwoch im Doppelmordprozess vor dem Landgericht Flensburg.

"Auf einmal wurde es laut, Geschrei, Gepolter", beschreibt der junge Geschäftsmann, der mit Thomas Langkau und einem weiteren Partner eine Investmentfirma gegründet und über Jahre geleitet hatte, die brenzlige Situation. Ereignet hat sie sich bei einem USA-Urlaub, den der Zeuge mit Langkau und einem Freund aus Bremen verbringt. Auf diesen Freund geht Thomas Langkau laut Aussage an einem Abend wütend, aggressiv und mit Messern los. Der Angegriffene flüchtet und schließt sich in einem Zimmer ein. Thomas Langkau traktiert die Tür. "Als er merkt, dass er sie nicht öffnen kann, fängt er laut zu lachen an", beschreibt der Firmenpartner. Für den Richter steht fest: "Den Angegriffenen müssen wir vor Gericht hören."

"Langkau wurde cholerisch, beleidigend"

Der ehemalige Geschäftspartner beschreibt Thomas Langkau auch im Alltag nicht gerade als sympathischen Zeitgenossen: "Er brauste - besonders wenn es um Geld ging - in einer Sekunde von Null auf 180 auf, wurde cholerisch, beleidigend, schmiss mit Blumentöpfen um sich und trat die Tür ein."  Der Zeuge beschrieb seinen angeklagten Geschäftspartner zudem als aggressiv. "Wenn es um Geld ging, gab es keine Nachsicht", sagte er. Die meisten Entgleisungen sollen durchaus gezielt erfolgt sein. "Thomas hat uns manipuliert und geblendet, er machte uns nieder und baute uns auch wieder auf - wie es ihm gerade passte." Warum gründet man mit so einem Typen eine Firma? "Thomas war die Bank", sagt der Geschäftspartner. Auch ihm habe Langkau persönlich 250.000 Euro geliehen.

Der Zeuge bestätigte, dass Langkau am Tag der Tat von einem Geschäftspartner mit Nachdruck aufgefordert worden sei, Schulden von 380.000 Euro kurzfristig zurückzuzahlen.  Der Familienvater hatte daraufhin Messer, Grillanzünder, Streichhölzer und Pfefferspray gekauft und war nach Hause gefahren. Nach einem Streit mit seiner Frau soll er das Verbrechen begangen haben. Als die Polizei ihn wenige Tage nach der Tat in Berlin aufspürte, hatte er Schnitt- und Stichwunden an Hals und Oberkörper, mit denen er ins Krankenhaus gebracht wurde.

Das Mitwirken der "Hells Angels", zu denen Langkau überdies selbst engen Kontakt gepflegt haben soll, wollte der Zeuge dabei auch nicht ausschließen. Doch von drohenden Repressalien gegen Langkaus Familie, vor denen der Angeklagte Frau und Kind durch seine Tat angeblich schützen wollte, oder auch gegen den Zeugen selbst oder den dritten Partner war nichts zu hören. "Ich wurde nicht bedroht", sagt der Geschäftspartner. Am Abend des Doppelmords saßen die beiden Firmenpartner von Thomas Langkau sogar mit dem Gläubiger in seinem Haus in einer kleinen Gemeinde westlich von Flensburg über Stunden nett zusammen.

Der Prozess wird am 2. Februar um 13.30 Uhr fortgesetzt. Dann soll ein weiterer Geschäftspartner noch einmal aussagen. Ein Urteil wird nicht vor Mai erwartet.


 

Leserkommentare

 


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!

 

SHZ.DE MOBIL

Auch unterwegs bestens informiert!

Mit der iPhone-App und dem Mobilportal von shz.de haben Sie die neuesten Nachrichten aus Schleswig-Holstein immer zur Hand.

Weitere Informationen...

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 
HÄUFIG GELESEN

Zum Wegschmeißen der Lebensmittel verdammt

Das Kreisveterinäramt Nordfriesland macht es den Tafeln schwer: Sie sollen Lebensmittel wegwerfen, ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ