Weißt du noch...?
"Och, das bin ja ich" - Beim Diavortrag von Siegfried Mevs über 100 Jahre Kirche in Schinkel kürzlich im Redderkrug waren überraschte Ausrufe, spontanes Klatschen und Juchzen der Besucher nicht selten. Denn auf den Fotos, die Mevs zum großen Teil auch aus der Sammlung von Hans Görschens, dem ehemaligen Schulleiter, Bürgermeister und Hobbyfotograf, zur Verfügung gestellt bekam, waren nicht nur die Schule, der Kapellenanbau und später die Kirche zu sehen, sondern zahlreiche Schulklassen und Konfirmanden aus Schinkel und Umgebung.
Zur Unterstützung hatte sich Mevs Ernst-Otto Hoffmann aus Revensdorf ins Boot geholt. Der 83-Jährige war Schulleiter in Revensdorf, 16 Jahre im Kirchenvorstand in Gettorf tätig und sollte aushelfen, falls Fragen offen blieben. Aber der Abend wurde interaktiv und viele der rund 90 Besucher hatten eigene Informationen zur Klärung von Fragen zu den Fotos beizutragen.
Auf den älteren Bildern wurde noch niemand erkannt - höchstens mal eine Großmutter vermutet, aber je jünger das Datum der Fotografien wurde, desto mehr Gesichter konnte Mevs benennen und die Zwischenrufe nahmen zu. Da wurden Thea, Willy, Ida, Anita und Erna identifiziert. "Das da ist mein Bruder Wilhelm", erklärte Mevs und fragte: "Hanni, büs´ du dat?". "Mut ick dichter ran, mol kieken!", sagte Hanni und erkannte Elke und Lisa beim Vogelschießen.
"Weißt du noch...?" hieß es überall im Saal. Viele Schinkeler waren gekommen, einige leben heute in Neuwittenbek und Osdorf, in Flensburg, Kaiserslautern oder Berlin. An zahlreiche Lehrer und Pastoren konnte Mevs erinnern. Besonders Pastor Klaus Bremer und seine Frau "mit dem berühmten Haarkranz und dem VW in Himmelblau" waren vielen in guter Erinnerung. "Das war ein ganz lieber Mensch", sagte Annemarie Fricke. Die 67-Jährige hatte sich selbst auf einem Bild entdeckt. "Das war ungefähr in der siebten Klasse", berichtete sie und zeigte auf einen Teenager.
Extra aus Flensburg angereist war Ingeburg Zietz, geborene Böttcher. Ihre Familie war im Zweiten Weltkrieg ausgebombt worden und zog 1944 für zehn Jahre nach Schinkel. Als sie vor drei Wochen zu Besuch in ihre alte Heimat kam, sah sie in der Bäckerei den Flyer ausliegen und beschloss zum Diavortrag zu kommen. "Ich fand es wunderschön und habe Bilder von mir, meiner Mutter und meinen Schwestern, den Zwillingen, gesehen, die ich selber noch nicht kannte", sagte die 70-Jährige hoch erfreut. Mit ihr gekommen war Dorit Rose, geborene Hohmann (72), die heute in Kiel lebt und ebenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg einen Teil ihrer Kindheit in Schinkel auf Gut Rosenkrantz verbracht hat. "Die alten Bilder zu sehen - das hat viel Spaß gemacht", fand sie.
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