Sylt-Party
Viel Alkohol und wenig Party
Die jungen Partyfans hatten am Sonnabend nach einem Internet-Aufruf die Nordseeinsel geentert und das Zusammentreffen am Strand mit viel Alkohol begossen. "Viele sind betrunken und die Musik fehlt", sagt die 21 Jahre alte Claudia aus Süderlügum. Ihre Freundin Carina pflichtet ihr bei. "Ich habe mir was anderes vorgestellt." So machten sich die ersten bereits gegen 22.00 Uhr auf den Rückweg. Der Großteil der Besucher fuhr dann mit den letzten Zügen zurück.
Auch im Internetportal, in dem zu der Party aufgerufen worden war, machten viele ihrer Enttäuschung Luft: "Supii Idee, aber für rumstehen bzw. rumsitzen, "was trinken und durch die Gegend ziehen muss ich nicht dahin", schreibt Steffi Dohme nach ihrer Rückkehr. "Party is' was anderes", konstatiert Jannik Hansen noch in der Nacht. Dagegen war der User "Malte Schwein Rolfs" begeistert: Er sei "gerade nach Hause getorkelt. Es war voll cool", schreibt er um 2.32 Uhr.
Glasflaschenverbot ignoriert
Die meisten Sylter nahmen den Auflauf der jungen Menschen gelassen. "Wir haben früher auch gefeiert. Hauptsache, sie machen nichts kaputt", sagte eine 66 Jahre alte Sylterin noch am Abend. Ihr Wunsch wurde nicht erhört. Trotz vielfacher Aufrufe zum Verzicht auf Glasflaschen mussten am Sonntag dutzende Aufräumer und Helfer bereits in den frühen Morgenstunden den Strand und den Bahnhofsvorplatz von unzähligen Glasscherben und Müll befreien - darunter auch der Initiator der Party, Christoph Stüber. Auch die Polizei hatte viel tun. Der Alkohol habe viele aggressiv gemacht, sagte ein Beamter.
Nachdem sich seine Freundin von ihm getrennt hatte, hatte der 26-Jährige aus Busdorf bei Schleswig eigentlich nur eine Party mit 100 Bekannten feiern wollen. Dazu startete er einen Aufruf auf einer Internet-Seite - 13.000 meldeten sich dazu an. Die Party folgte dem Prinzip des "Flashmob", es gibt also keinen Veranstalter und jeder kann spontan teilnehmen. Dennoch könnte Stüber ein Nachspiel drohen. Das Ordnungsamt der Gemeinde Sylt will ihm die Kosten von 20.000 Euro und mehr auferlegen. "Wir werden sie ihm in Rechnung stellen. Das muss dann ein Gericht klären", sagt Ordnungsamtsleiter Hans Wilhelm Hansen am Sonntag.
Dafür war Stüber auch Star für eine Nacht. Immer wieder gab es "Stüber Stüber"-Sprechchöre, viele der Partygänger trugen ein "Danke, Stübi"-T-Shirt. "Jeder kennt mich. Ich bin Klein-Dieter-Bohlen heute", sagte er. Doch im Gegensatz zu vielen anderen hatte der Initiator bis zum Abend noch keinen Tropfen Alkohol getrunken. Und obwohl es Angebote der Frauenwelt gab, wollte er seinen "Prominenten-Status" nicht nutzen, um nach einer neuen Beziehung Ausschau zu halten. "Ich fühle mich wohl so."




Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!