Rettet das Landestheater
"Verlieren Sie gute Manieren!"
Flensburg / Flensburg.
Der Intendant in spe sprach Klartext: "Wenn nicht etwas passiert, ist das Eigenkapital in zwei Jahren aufgebraucht. In diesem schlimmstmöglichen Fall ist das Landestheater nicht pleite oder insolvent. Es ist schlicht nicht mehr existent. Deckel drauf, geht alle nach Hause!" Man konnte das Schlucken zahlreicher Besucher der Kleinen Bühne des Flensburger Theaters förmlich hören - so still war es geworden.
Peter Grisebach nahm teil an einer öffentlichen Talkrunde der noch jungen Bürgerinitiative "Rettet unser Theater". Das geschilderte Szenario - das Aufzehren des Eigenkapitals - sei der "worst case", den es zu verhindern gelte. Im November werde sich entscheiden, ob das Landestheater "amputiert" werde - ob man das Standbein Musiktheater zu großen Teilen absägen muss.
Die neue Bürgerinitiative will versuchen, die Menschen im gesamten nördlichen Landesteil zu mobilisieren - für den Kampf um den Erhalt des Landestheaters mit allen seinen Sparten. Von überall sollen die Appelle nach Kiel gehen, doch noch die dritte Säule der Finanzierung sicher zu stellen. Dabei geht es um die sogenannten FAG-Mittel: Geld aus dem Länderfinanzausgleich, dessen ureigener Zweck es ist, einen Ausgleich zu schaffen zwischen den unterschiedlichen Regionen in Deutschland - zum Beispiel bei der Ausstattung mit Kulturinstitutionen. "Es geht letztlich um das Geld, das den Gemeinden zusteht", sagte Flensburgs Zweiter Bürgermeister Jochen Barckmann in der Talkrunde.
"Das Bewusstsein, das hier in Flensburg für das Thema herrscht, das gibt es noch nicht im ganzen Land", sagte Wolfgang Raube, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Rettet das Theater". Beim Schleswig-Holstein-Tag am kommenden Wochenende in Rendsburg werde man für die Sache werben.
Der scheidende Intendant Michael Grosse wies darauf hin, dass man zum Ende der laufenden Spielzeit wieder eine Auslastung von über 70 Prozent erreichen werde. Zur Lösung der Krise regte er an, die Träger aller Theater in Schleswig-Holstein an einem Tisch zusammen zu bringen. Theater müsse effizient wirtschaften, "und das tun wir auch", bekräftigte Grosse. Zuvor hatte der Betriebsratsvorsitzende Heiko Constien verdeutlicht, dass über kurz oder lang auch in Kiel und Lübeck die Scheinwerfer ausgehen, wenn bei der Theaterfinanzierung nichts passiere.
Grosses Nachfolger Grisebach forderte die Zuschauer auf, beim Einsatz für das Theater "die guten Manieren zu verlieren" und immer wieder auf die politischen Entscheidungsträger einzuwirken - bis die Einstimmen-Mehrheit brüchig werde. "Ich lebe die Hoffnung, dass wir dieses Schiff noch weiter schwimmen lassen können. Tragen Sie das bitte weiter - so weit es geht!", schloss Grisebach sein flammendes Plädoyer für den Erhalt der Theaterlandschaft unter anhaltendem Applaus der Besucher.




