Neuer Fall im Datenskandal

Verbraucherschützer: "Unternehmen werden immer dreister"

20. August 2008 | 13:18 Uhr | Von shz.de

Welche neuen Kreise wird der Datenskandal noch ziehen? "Heute morgen wurde uns eine neue Masche gemeldet", sagt der Kieler Verbraucherschützer Thomas Hagen.

"Eine Verbraucherin aus Neumünster entdeckte auf ihren Kontoauszügen sechs illegale Abbuchungen, die sie wie von der Verbraucherzentrale empfohlen sofort bei ihrer Bank stornierte und rückbuchen ließ", berichtet Thomas Hagen, Pressesprecher der Verbraucherzentrale in Kiel. Die Rückbuchungen blieben nicht lange unbemerkt. Die Firma meldete sich telefonisch und erklärte sich "großzügig" mit der Rückbuchung einverstanden "jedoch nur, wenn die Geschädigte ein Zeitschriftenabonnement ordert", so Hagen. "Das ist schlichtweg Erpressung."

Wie das Unternehmen an die Kontodaten kam? Hagen: "Nach Aussage der Neumünsteranerin kommt die Beteiligung an einer Lotterie als einzige Möglichkeit in Betracht."

Unternehmen haben offenbar keine Angst vor Konsequenzen

Der Verbraucherschützer ist erstaunt über die "Dreistigkeit dieser Unternehmen, die klare datenschutzrechtliche Vorgaben missachten und offenbar keine Angst davor haben, für diese illegalen Machenschaften zur Verantwortung gezogen zu werden."

Bernd Carstensen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat am Montag gefordert, bei Unternehmen unangemeldete Datenprüfungen einzuführen - ähnlich wie Steuerprüfungen. "Das wird in Behörden schon gemacht, müsste aber auch auf den privatwirtschaftlichen Bereich ausgedehnt werden", fordert Carstensen. Rechtlich sei das auch heute bereits möglich, erklärt Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert. Das Problem sei aber die enge Personallage. Deshalb würden ohne Anfangsverdacht derartige Kontrollen nicht durchgeführt.


 

Leserkommentare

 
JÖRG 21.08.2008 08:09
Datenskandal

Das eigentliche Problem ist im Text genau enthalten: Diese dreisten Unternehmen haben keine Angst vor Konsequenzen !!! Was ja nichts weiter aussagt als die Tatsache, dass diese Konsequenzen aus den Straftaten so lächerlich und milde sind, dass man diesen kriminellen Tätigkeiten beruhigt weiter nachgehen kann.
Hier ist der Staat gefordert, endlich einmal Gesetze und damit Strafen zu schaffen, die den Tätern auch mal weh tun.
Aber wir leben in Deutschland, Täter werden milde behandelt, die Opfer allein gelassen, neue Gesetze werden debattiert, debattiert und debattiert bis in alle Ewigkeit. Und NICHTS geschieht.
Bin mal gespannt, ob bei dieser bundesweiten Posse irgend jemand bestraft wird oder ob unsere verantwortlichen Politiker nur reden und reden, bis die Sache wieder weitgehend "vergessen" ist.



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