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Insolvenz

Tiefe Einschnitte bei Hertie

28. Januar 2009 | 07:28 Uhr | Von lno

Bald zu? Die Hertie-Filiale in Niebüll. Foto: Wrege

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Mehr als 300 Arbeitsplätze in Gefahr - und ein Stück Attraktivität der Innenstädte: Die insolvente Warenhauskette Hertie plant, Filialen in Schleswig-Holstein zu schließen.

Die insolvente Warenhauskette Hertie plant tiefe Einschnitte in ihr Filialnetz und will 19 ihrer 73 deutschen Filialen schließen. Betroffen sind 650 der derzeit noch rund 3400 Mitarbeiter des Unternehmens.   

Schwerpunkt der Schließungen ist Nordrhein-Westfalen. Doch auch in Schleswig- Holstein stehen die Standorte vor dem Aus: Niebüll und Mölln stehen auf der Liste, in Hamburg soll das Hertie-Warenhaus in Langenhorn geschlossen werden. Die Schließungen sollen voraussichtlich bis Ende März abgewickelt werden. In der Essener Zentrale des Warenhausunternehmens werden nach den Informationen 30 von 125 Arbeitsplätzen gestrichen.

Betriebsversammlungen in allen Filialen

Das Unternehmen hat die Beschäftigten für den Dienstagabend an allen 73 Standorten sowie in der Essener Zentrale zu Betriebsversammlungen eingeladen. Zu den Inhalten wollte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage bisher keine Stellung nehmen.

Wenn bis Ende Februar keine Lösung mit einem Investor gefunden werde, sei das gesamte Unternehmen bedroht, hieß es. Dies könne das Aus auch für die derzeit noch verbleibenden 54 Filialen bedeuten. Verhandelt werde derzeit vor allem über die Warenhaus-Immobilien, die der britische Investor und Eigentümer Dawnay Day von dem operativen Warenhausgeschäft abgetrennt hatte.

Rote Zahlen seit 2007

Im vergangenen Jahr habe die Warenhauskette einen Verlust von rund 50 Millionen Euro gemacht, hieß es. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise sei der Konsum in den vergangenen Monaten eingebrochen. Auch im Jahr 2007 hatte Hertie bei einem Umsatz von rund 450 Millionen Euro bereits rote Zahlen geschrieben.

Das Unternehmen hatte vor knapp einem halben Jahr Insolvenz angemeldet. Erst im November hatte das Unternehmen eine weitere Filiale im bayerischen Straubing eröffnet. Hertie war 2005 von britischen Finanzinvestoren von dem ums Überleben kämpfenden damaligen KarstadtQuelle-Konzern (heute Arcandor) übernommen worden.

Rendsburgs Bürgermeister fordert Auffanggesellschaft

Als Sprecher der Bürgermeister der Städte mit Hertie-Standorten in Schleswig-Holstein forderte Andreas Breitner (Rendsburg) die Landesregierung auf, eine Auffanggesellschaft zu gründen.

Damit sollen die Arbeitsplätze in allen betroffenen Standorten gerettet werden. "Hertie ist nicht irgendwer. Es geht um über 300 Arbeitsplätze und die Attraktivität unserer Innenstädte", sagte Breitner. "Wir brauchen diese Kaufhäuser, um die Versorgungstrukturen in unseren Mittelzentren zu erhalten."


 

Leserkommentare

 
WERNER S. 28.01.2009 10:42
Ruinöser Einzelhandel

Das größte Problem von Hertie sind sicherlich die extrem hohen Mietforderungen der britischen Eigentümer bzw. Insolvenzverwalter. Man darf aber auch nicht über den teilweise ruinösen Einzelhandel hinwegsehen der sich in der momentanen Wirtschaftskrise natürlich verschärft. Die Bevölkerungszahlen und Reallöhne stagnieren oder sind rückläufig. Ständig neue Verkaufsflächen führen an anderer Stelle zum Wegfall. Jeder Arbeitsplatz der in einem neuen Shoppingcenter geschaffen wird fällt woanders weg. Die Probleme der Innenstädte sind dann auch ähnlich: Alteingesessene Einzelhändler verschwinden und Seitenstraßen veröden.
Beispiel Kiel: Seit Eröffnung des Cittiparks hat die Holstenstr. massiv Kaufkraft und Geschäfte verloren. Dazu ist der Cittipark darauf angelegt möglichst viel Kaufkraft aus NMS, RD, ECK, SL und PLÖ abzuziehen. Da ist auch die Politik gefordert Kannibalismus zu verhindern.



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