Bestechungs-Vorwürfe

THW Kiel: Die Akte wird geschlossen

04. März 2009 | 20:08 Uhr | Von Franko Koitzsch und Heinz Büse, dpa

"Wir werden in dieser Angelegenheit nicht mehr tagen. Uns liegen keine belastenden Fakten vor", sagte HBL-Präsident Reiner Witte. Damit sind die Bestechungs-Vorwürfe gegen den THW Kiel vorerst vom Tisch.

Die angebliche Bestechungsaffäre um den deutschen Meister THW Kiel hat sich nach Einschätzung der Handball-Bundesliga (HBL) als Sturm im Wasserglas entpuppt. Im Anschluss an eine Sitzung des HBL-Präsidiums am Mittwoch erklärte Reiner Witte das Thema für beendet. "Wir hatten es in der Tat mit Spekulationen zu tun", sagte der HBL-Präsident nach dem dreistündigen Gespräch in Dortmund.

Demnach haben die in den vergangenen drei Tagen durchgeführten Untersuchungen und Befragungen keine neue Erkenntnisse ergeben. Dem THW Kiel war vorgeworfen worden, seit dem Jahr 2000 Europapokal- Spiele manipuliert zu haben, darunter auch das 2007 gewonnene Finale in der Champions League gegen die SG Flensburg-Handewitt. THW-Manager Uwe Schwenker reagierte mit Erleichterung auf die Erklärung der HBL-Spitze: "Ich habe immer gesagt, dass an den Vorwürfen nichts dran war. Aber dem Handball ist durch die Schlagzeilen der vergangenen Tage ein beträchtlicher Imageschaden entstanden."

"Wir wollen Ruhe und Frieden"

Schon im Vorfeld der Sitzung in Dortmund waren die Gerüchte über eine angebliche Bestechungsaffäre beim Meister THW Kiel deutlich leiser geworden. Nach und nach hatten sich die "Ankläger" zurückgezogen: Erst sah Dieter Matheis, Beiratsvorsitzender des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, seine auf Gerüchten basierenden Fragen an THW-Manager Uwe Schwenker zu möglichen Manipulationen beantwortet, dann schwächte Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen seine Vorwürfe erheblich ab. "Wir wollen wirklich Ruhe und Frieden. Der Seegang ist für den deutschen Handball ein bisschen zu heftig im Moment," sagte Nielsen.

Matheis hatte mit einem Brief an Schwenker die vermeintliche Korruptionsaffäre ins Rollen gebracht und um schnelle Aufklärung gebeten, der Däne Nielsen sich als Mitwisser geoutet. Seine noch am Vortag im dänischen Fernsehen aufgestellte Behauptung, von Bestechungen durch den THW in Champions-League-Spielen zu wissen, wollte der Geschäftsführer von Löwen-Hauptsponsor Kasi-Group in dieser deutlichen Form nicht wiederholen. "Daran haben wir auch mit Blick auf unsere eigenen geschäftlichen Aktivitäten kein Interesse."

"Alle Möglickeiten der Befragung ausgeschöpft"

Ungeachtet dieser verbalen Kehrtwende von Nielsen kam die HBL nach umfangreicher Prüfung der Lage zu dem Entschluss, die dreitägige Affäre für beendet zu erklären. "Wir haben alle Möglichkeiten der Befragung ausgeschöpft. Alle Befragten konnten keine tragfähigen Angaben machen oder Beweise vorlegen", sagte Witte.

Für den THW und seinen Manager Schwenker geht damit eine schwierige Zeit zu Ende. "Dieses Thema hat langsam gewaltig genervt. Vor allem wenn man bedenkt, was die Leute dem Handball mit solchen unbedachten Vorwürfen antun", klagte Schwenker, der die Anschuldigungen schon am Vortag mit einem Ehrenwort zu entkräften versucht hatte. Angesichts der Schlagzeilen über die wirtschaftliche Schieflage einiger Bundesligisten in den vergangenen Wochen und über die Bestechungsaffäre seien die positiven Wirkungen der Handball-WM 2007 in Deutschland mit dem Triumph des DHB-Teams mittlerweile nahezu verpufft: "Das haben wir wirklich prima hingekriegt", so der THW-Manager voller Sarkasmus am Mittwoch.


 

Leserkommentare

 
FLENSBURGER JUNG 05.03.2009 08:07
Wir wollen endlich Ruhe

Das jetzt auf einmal alle zurückrrudern zeigt doch, dass kein Interesse besteht diesen Fall lückenlos aufzuklären. In den letzten Tagen hat man gemerkt, was für ein Sturm losgebrochen ist und das diese Vorwürfe, wenn denn etwas dran sein sollte, einen nicht mehr gutzumachenden Schaden anrichten würden. So ist es allen beteiligten eher Recht die Bestechungsvorwürfe unter den Tisch zu kehren. Ganz klar ist doch, dass der THW wohl kaum Buch geführt haben wird über eventuelle Bestechnungsgelder. Meiner Meinung nach ist das ganze eine riesen Farce und zeigt einmal wieder, dass es im Profisport eben nicht immer nur um den Sport geht. Ich bin mir sicher, dass das letzte Kapitel in Sachen Kooruption im deutschen Handball noch nicht geschrieben ist ...

MATZE 05.03.2009 10:56
Gängige Taktik

Das war eigentlich zu erwarten. Etwas unter den Tisch zu kehren ist im Handball ja gängige Taktik. Man denke nur mal an die Olympia-Quali oder die Vergabe der WM 2005...

HEINO STUEVE 05.03.2009 11:04
THW Kiel

Moin, ich empfinde die Beiträge zu der sogenannten Affäre, die auf blossen Gerüchten beruhte und insbesondere die dazugehörige Kommentierung als schlicht einem seriösen Journalismus abträglich, ja es stellt aus meiner Sicht übelsten Bouilevard dar, zumal damit insbesondere nicht so Finanzstarke Clubs unter derartigen Berichterstattungen am meisten leiden.

LENA G. 05.03.2009 11:30
HBL-Funktionäre haben Handballsport geschadet!

Es ist doch absolut verantwortungslos von den Herren Matheis und Werner als HBL-'Offizielle" so mit "Gerüchten " in die Öffentlichkeit zu gehen. Nur eine große Naivität kann als Erklärung dafür dienen, dieses "Medienspektakel" nicht vorhergesehen zu haben. Manfred Werner hätte sich dabei selbst weniger "in Szene" setzen sollen und eher die Sachverhalte - ohne (!) Fakten und Belege - entsprechend intern anpacken müssen und erst bei konkreten Aufhängern die (seine!) Auftritte in den Medien suchen sollen. Und wie das Schreiben an die Presse gesteuert wurde, ist ja (angeblich) immer noch nicht geklärt...
Aber Fynn Holpert zeigt gegenüber Manfred Werner eine offenkundige Distanz, die sich mit konkreten Vorwürfen gegen die Rhein-Neckar Löwen zeigt. Das ist auch gut so, weil der Handballkenner den Funktionär Manfred Werner automatisch in Verbindung mit der SG Flensburg-Handewitt sieht.
Da haben sich am Ende zwei hochrangige HBL-Funktionäre aufgrund von "Gerüchten" (!) sehr weit aus dem Fenster gelehnt und "nebenbei" ihre "Plattform", den Handballsport, ganz gewaltig in Misskredit gebracht. Dieser Aktionismus wird mit Sicherheit sehr nachhaltig wirken.
Die "wichtigen" Offiziellen aus der gesamten Bundesliga sollten sich auf ihre Aufgaben konzentrieren, um den Handball wieder "flott" zu machen. Die Chance "WM 2007" scheint aufgrund eigener, interner Unzulänglichkeiten jedenfalls nicht genutzt worden zu sein.

UWE HENSEN 05.03.2009 12:53
Diese Leute müßen zur Rechenschaft gezogen werden!

@FLENSBURGER JUNG@ der Ordnung halber - Korruption -
Gerüchte in die Welt zu setzen ist eine Methode unaufgeklärte Leute zu blödsinnigen Kommentaren aufzufordern
Diese so genanten HBL-'Offiziellen" sollten darüber Rechenschaft ablegen warum sie Gerüchte in die Welt setzen und hinterher dieses als absurdum abhaken. Auch die sich an den Gerüchten beteiligten Vereine sollte sich wegen der Verbreitung dieser Gerüchte erklären. Es ist nicht nur eine grobe Unsportlichkeit was hier wohl gelaufen ist.
Falsche Beschuldigungen sind in der Regel Strafrechtlich zu verfolgen. Und hier sollte einmal die Staatsanwaltschaft bei den Leuten hinterfragen die dafür die Verantwortung tragen.
Es ist ein Übel was aus NEID teilweise im Wettkampfsport abläuft. Verdächtigungen sind an der Tagesordnung.
Anscheinend treten die Wettkämpfe in den Hintergrund. Funktionäre machen den Sport kaputt und hier sollte schnell gehandelt werden. Rücktritt ist hier die einzige Lösung!!!
Oder ist es wieder keiner gewesen?

KIELER JUNG 05.03.2009 13:02
In der Not rückt man enger zusammen

Als sehr angenehm empfinde ich (ein Kieler THW-Fan, der seit vielen Jahren glücklich mit einer Flensburger Deern (SG-Fan!) verheiratet ist) es, daß in dieser vermeintlichen "Affäre" auch von den SG-Fans nicht schadenfroh draufgehauen wird (was ja zum Teil verständlich wäre), sondern überwiegend sehr sachlich kommentiert wird.
In der Not, so scheint es, rückt man wieder enger zusammen.
Das ist gut so und macht Mut.

Das eigentliche Übel, soviel dürfte in den vergangenen Tagen auch dem fanatischsten Anhänger klargeworden sein, lauert in Mannheim, ist sowohl beim THW als auch der SG mehr oder minder kläglich gescheitert und sieht dort jetzt seine Felle massiv davonschwimmen.

Aber auch die Herren Werner und Rudolph werden sich erklären müssen.

So vorbei, wie die HBL das gerne möchte, ist diese Sache m. E. noch lange nicht.

FLENSBURGER JUNG 05.03.2009 22:32
Endlich Ruhe die 2.

Natürlich stimme ich damit überein, dass die Verantwortlichen, wie Werner und Co., die diese Gerüchte erst öffentlich gemacht haben sich dazu erklären. Aber genau das ist der Grund, weshalb ich glaube, dass mehr an der Sache ist, als jetzt behauptet wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das Menschen in deren Position so naiv mit so einem Thema umgehen. Sollte nur aufgrund von nicht bestätigten Gerüchten diese Affäre an die Öffentlichkeit getragen worden sein, müssen sich Werner und Co. auch dafür verantworten. Aber wie schon gesagt, dass letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben. P.S. Auch wenn ich ein SG-FL Fan bin hoffe ich für den THW und dem deutschen Handball, dass nichts an den Korruptionsvorwürfen dran ist ...



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