Stiller Protest: Künstler wehren sich

10. Juli 2010 | 06:40 Uhr | Von Lasse Wißmann

Das Feuer brennt: Die Künstlerin Birgit Rautenberg-Sturm präsentiert ihre kritische Radierung "Sparflamme". Foto: Wissmann (2)

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Rendsburg. "Kultur ist Chefsache", sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen 2005 in einem Interview. In einer besonderen Ausstellung greift der Künstlerbund Rendsburg diese Worte auf: Unter dem Motto "Chefsache oder die Versuchung, die Kultur verschwinden zu lassen..." zeigen 25 Künstler des Landes politkritische Werke in den Rendsburger Museen im Kulturzentrum. Sie sind von heute an bis zum 5. September zu sehen.

Anlass sind die Einsparungen im Kulturbereich, die die Landesregierung als Teil ihres Sparplans beschlossen hat. Die Kürzungen, die den Etat für Sachkosten um 30 Prozent verringern sollen, betreffen den Künstlerbund unmittelbar, wie Museumsleiter Dr. Martin Westphal erklärt: "Der Finanzplan der Rendsburger Museen ließ diese Ausstellung eigentlich nicht zu."

Um sie dennoch zu verwirklichen, habe der Künstlerbund Rendsburg-Eckernförde viel Eigenarbeit leisten müssen. "Die Künstler haben den Aufwand privat getragen", erklärt Kerstin Mempel, deren Werke ebenfalls gezeigt werden. "Organisation, Finanzierung, Auf- und Abbau - wir erledigen alles alleine." Laut Dr. Martin Westphal belaufen sich die Kosten auf etwa 3000 Euro. Für Aussteller werde es daher zunehmend schwieriger, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

Jeder Künstler stellt zwei Werke aus: Eines zeigt sein aktuelles Schaffen, das andere widmet sich ganz dem Thema der Ausstellung. Der politkritische Unterton ist eine Premiere für den Künstlerbund. "Wir wollten das Geschehen nicht unkommentiert lassen", erklärt Kerstin Mempel. "Von den Einsparungen waren wir völlig geschockt." Ihre persönliche Einstellung stellt sie in ihrem Werk "Beweisstück No. 365" dar. Ein zerstörter Rettungsring zeigt die Hilflosigkeit, die die Künstlerin in der politischen Debatte verspürt. "Wir sollten uns der Kunst widmen können", findet sie. "Stattdessen plagen wir uns fast zwei Drittel der Zeit mit der Organisation herum."

Auch Museumsleiter Dr. Martin Westphal äußert sich kritisch: "Kunst ist eine öffentliche Aufgabe." Die Künstler könnten die zusätzliche Last auf Dauer nicht tragen, meint er. "So wird Rendsburg eine schlafende Stadt." Dennoch ist er beeindruckt vom Engagement des Künstlerbundes: "Eine solche Ausstellung privat zu finanzieren und zu organisieren - vor dieser Leistung ziehe ich den Hut."

Die Vernissage findet heute um 17 Uhr statt. Die Eröffnung soll laut Angaben der Veranstalter unorthodox sein. "Es wird eine Menge kleiner Aktionen geben", erzählt Mempel. Mehr wollte sie nicht verraten.


 

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