Stiller Protest gegen Tierfänger
Die Tierliebhaberinnen haben die Körbe vor der St.-Nicolai-Kirche aufgebaut. Sie wollen nicht erkannt werden, weil sie wegen Diebstahls belangt werden könnten. Foto: Peters
Sie sind leise und schnell - Voraussetzung für ihre Art des Protestes. Vier Tierliebhaberinnen haben am Donnerstagabend in Windeseile einige hundert Plastikkörbe auf dem Nicolai-Platz verteilt und ein Schild mit der Aufschrift "Stoppt den Katzenklau" aufgestellt. Die Körbe hatten sie zuvor in verschiedenen Ortschaften des Landes eingesammelt - "gestohlen", geben sie selbst zu. Nach wenigen Minuten war die Aktion beendet, die Frauen verschwunden, die Körbe blieben da.
Diese waren zuvor von einem Unternehmen aus Harsefeld zumeist auf Privatgrundstücken aufgestellt worden. Auf Informationszetteln werden die Anlieger gebeten, gebrauchte Kleidung und Schuhe zu spenden. Das Unternehmen ist gewerblich. Es verdient mit dem Weiterverkauf der Spenden sein Geld und hat nichts mit den Altkleidersammlungen des Roten Kreuzes zu tun.
Hintergrund für die Protestaktion ist nicht die Sammlung selbst, sondern die Überzeugung der Frauen, dass in diesem Zusamenhang Katzen und andere Haustiere gestohlen werden. Gerüchte gibt es viele, Beweise aber keine. "Die Unternehmen stellen die Körbe meistens nachts in Wohngebieten vor den Haustüren auf und spionieren dabei aus, ob es dort Haustiere gibt", sagt eine der Frauen, die selbst ihre Katze vermisst. Dieses Wissen würden die Unternehmen nutzen, um im Anschluss gezielt Haustiere zu stehlen. Eigene Statistiken würden zeigen, dass 75 bis 80 Prozent der Tiere immer dann spurlos verschwinden, wenn zuvor eine dieser gewerblichen Altkleider- oder Sperrmüllsammlung stattgefunden hat. Was die Tierfänger mit ihren Opfern machen, gehört ins Reich der Vermutungen: Versuchslabore, Fellproduktionen, Hundeabrichtung - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dass diese Kleidersammlungen unseriös seien, könne man daran erkennen, dass die auf den Körben angegebenen Telefonnummern meist nicht vergeben seien.
In diesem Fall: Fehlanzeige. Bei Anruf meldet sich Deniz Akgül, nach eigenen Angaben Vorarbeiter der Chahrour-Tex GmbH in Buxtehude. "Wir sind umgezogen", sagt er, "auf den Körben steht noch unsere alte Anschrift." Den Vorwurf des Tierdiebstahls kennt er bereits und bezeichnet ihn als "Schwachsinn". "Wir stehen nicht morgens um 5 Uhr auf, um Tiere zu stehlen, sondern um Altkleider einzusammeln." Seit 20 Jahren sei das bundesweit tätige Unternehmen am Markt. Allein in Schleswig-Holstein würden täglich 200 Körbe - unter anderem von Tierschützern - gestohlen. Dennoch, auch Deniz Akgül schenkt den Geschichten von Tierfängern Glauben: "Ich denke, dass es Firmen gibt, die so etwas machen. Sonst würde es diese Gerüchte wohl nicht geben." Er empfiehlt skeptischen Menschen, sich bei der Polizei über das Unternehmen zu erkundigen, das seine Adresse auf den Körben angibt.
Dem Tierschutzverein Eckernförde und Umgebung sind die Gerüchte um Tierfänger nicht bekannt. "Uns wurden auch keine
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verschwundenen Tiere gemeldet", sagt Christel Horn. Dennoch: Die Frauen haben erreicht, was sie wollten: Aufmerksamkeit. "Das geht am besten auf diesem Wege", sagen sie. Um die Körbe muss sich nun das Ordnungsamt kümmern. Sollten sie von dem Unternehmen nicht abgeholt werden, werden sie entsorgt.
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