HOLSTEINISCHER COURIER

 

Stadt muss beim Lokschuppen passen

17. März 2010 | Von Rolf Ziehm

Dieser prächtige Anblick der Dampflok-Veteranen an der Brückenstraße ist vielleicht schon bald Geschichte. Foto: hc

Neumünster. Die Zukunft des historischen Lokschuppens und ihrer Lokomotiven ist ungewisser denn je. Nach gut einem Jahr stecken die Verhandlungen zwischen der Stadt, der Bahn und der Immobiliengesellschaft Aurelis in der Sackgasse. Der Stadt ist die Preisvorstellung der Aurelis über 25 000 Euro Pacht pro Jahr schlicht zu teuer. Damit dürften auch die Tage der Rendsburger Eisenbahnfreunde (REF) an der Brückenstraße gezählt sein.

"Wir können uns ein Engagement in einer weiteren Kulturstätte - und das wäre der Lokschuppen - in der derzeitigen Haushaltslage nicht leisten", sagte Fachbereichsleiter Detlev Schulz zum Courier. Die Stadt werde bei den Gesprächen zur Haushaltskonsolidierung alle freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand stellen. Da sei nicht vorstellbar, dass man sich zusätzliche Ausgaben aufbürde. Mit der Aurelis sei vereinbart, weitere Gespräche über die Nutzung des gesamten Areals zu führen. "Aber dabei steht nicht der Lokschuppen im Vordergrund", sagte Schulz.

Der Ringlokschuppen macht mit 11 600 Quadratmetern Größe nur einen kleinen Teil der Gesamtfläche von 12,3 Hektar aus, betonte die Aurelis-Sprecherin Susanne Heck auf Anfrage. Das Eschborner Unternehmen legt Wert auf die Feststellung, keine Bahn-Tochter (mehr) zu sein, sondern der "Hochtief Projektentwicklung" und der "Redwood Grove International" zu gehören. Susanne Heck: "Wir haben das Areal an die DB Museum als Hauptmieter vermietet, die wiederum einen Untermietvertrag mit den Rendsburger Eisenbahnfreunden hatte. Die DB Museum hat ihren Vertrag mit uns gekündigt." Da die Stadt ihr Interesse geäußert hatte, das Gelände weiter als Ort für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen, habe Aurelis ein Angebot unterbreitet. "Ein direkter Mietvertrag mit den Eisenbahnfreunden ist für uns aber keine Option", machte Susanne Heck klar.

Ähnlich äußerte sich Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis: "Die Bahn steht weiter zum Angebot, der Stadt - aber nur der Stadt - die historischen Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen." Vo raussetzung sei aber, dass die Stadt den Lokschuppen von der Aurelis miete. Doch was passiert, wenn der Vertrag offenbar nicht zustande kommt? Dazu mochte sich Meyer-Lovis nur verklausuliert äußern. "Wenn uns das Grundstück weder gehört noch gemietet ist, muss man sich über die Verwendung der Fahrzeuge Gedanken machen", sagte er.

Für Ende März ist ein Gespräch zwischen der Bahn und den REF vereinbart. Letztere hatten nach jahrelangem Streit mit der Bahn im Herbst ein Vergleichsangebot angenommen und wollen die Schnellzugdampflok 012 100-04 kaufen. Eike Snoyek, 2. Vorsitzender der REF, hatte große Hoffnungen in die Gespräche mit Stadt, Bahn und Aurelis gesetzt, doch die sind verflogen. "Nach unseren Informationen sollen Ende März mit einem großen Aufgebot an Bahn-Sicherheitskräften die alten Loks abgezogen werden", sagte er und nannte die Konsequenz: "Das wäre das Ende des Standorts. Wir müssten uns eine andere Bleibe suchen."


 

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