Stadt ist Vorreiter bei der Jugendarbeit

17. März 2010 | Von Christian Lipovsek


Sie diskutierten angeregt über Jugendarbeit: Ingrid Scholz (von links) von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugendsozialarbeit, Renate Wegner (Diakonisches Werk Schleswig-Holstein), Landespastorin Petra Thobaben, Prof. Melanie Groß (Fachhochschule Kiel) und Reinhard Arens, Einrichtungsleiter des Ausbildungsverbundes Neumünster. Foto: lipovsek

Ein zufriedenes Gesicht machte gestern Reinhard Arens, Einrichtungsleiter des Ausbildungsverbundes. Von Landespastorin Petra Thobaben, die auch Sprecherin des Vorstandes des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein ist, gab es ein dickes Lob für die Jugendarbeit in der Stadt. Mit Kiel und Lübeck nehme Neumünster eine Vorreiterrolle im Land bei der Hilfe für benachteiligte Jugendliche im Übergang von Schule zu Beruf ein. Insgesamt sei die Situation auf diesem Gebiet in Schleswig-Holstein aber dramatisch, stellten die 60 Teilnehmer von Bildungseinrichtungen, Trägerverbänden und der Agentur für Arbeit bei einer Fachtagung im Kiek In fest: Die Jugendsozialarbeit im Land müsse besser vernetzt werden.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugendsozialarbeit (EJSA), das Diakonische Werk Schleswig-Holstein und der Ausbildungsverbund als Organisatoren hatten die Veranstaltung unter den Titel "Jetzt schlägt's 13" gestellt - in Anlehnung an den Paragrafen 13 im Sozialgesetzbuch VIII. Dort ist geregelt, dass "jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern". Viel zu selten geschehe das allerdings in Schleswig-Holstein. Vor allem in den Kreisen gebe es Nachholbedarf, meinte Landespastorin Petra Thobaben.

Neumünster sei dagegen mit dem seit 2001 laufenden Projekt "Kompass" (Abkürzung für "Kompetenzen, Assessment, Schulabschluss mit Berufsorientierung"), an dem die Wichern- und die Hans-Böckler-Schule teilnehmen, auf dem richtigen Weg. In der "Kompass-Klasse" können benachteiligte Jugendliche aus den Förder- und Hauptschulen im Verlauf eines Schuljahres einen Schulabschluss erreichen und ihre Einstiegsmöglichkeiten in das Berufs- und Erwerbsleben verbessern.

"Wer aus armen Familien

kommt, wird in der Regel arm"


Prof. Melanie Groß von der Fachhochschule Kiel machte in ihrem Vortrag deutlich, wie eng der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Zukunfts-Chance ist. "Wer aus einer armen Familie mit wenig Bildung kommt, wird in der Regel auch arm und bleibt ungebildet. Diese Abhängigkeit existiert in keinem vergleichbaren Land der Erde so stark wie in Deutschland", betonte sie. Benachteiligung sei dabei kein persönliches , sondern ein gesellschaftliches Problem. Ausgelöst werde die Entwicklung durch den seit Jahren anhaltenden Rückgang der Vollzeitarbeit. "Es wird für junge Menschen immer schwieriger, einen dauerhaften Vollzeit-Job zu bekommen. Teilzeit-Arbeit überwiegt", so die Professorin. Zudem arbeite heute kaum noch jemand 30 Jahre in einem Betrieb.

Ergebnisse der Tagung werden

dem OB präsentiert


Die Ergebnisse der landesweit einmaligen Tagung sollen in der kommenden Woche im "Regionalen Berufsbildungsdialog" der Stadt, einem Beirat, dem unter anderem Vertreter von Industrie- und Handelskammer, Kreishandwerkerschaft und Schulleiter angehören, diskutiert werden. Eingeladen ist zu dem Treffen auch Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras.

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