Berliner Spezialisten bereiten Restaurierung vor

25. März 2009 | 04:50 Uhr | Von dj

Die 410.000 Euro teure Restaurierung der Domorgel wirft ihre Schatten voraus. Experten haben damit begonnen, das Gehäuse des Instruments zu vermessen.

Akribisch vermisst Hartmut Jaenicke das Instrument. Das Gehäuse soll weiter verwendet werden. Fotos: Jennert

Wenn Kantor Rainer Selle von seinem neu zu gestaltenden Arbeitsplatz schwärmt, fällt es Laien gelegentlich schwer, ihm inhaltlich zu folgen. Da ist von Registern, Pedalen und Manualen die Rede, von Klangspitzen und Windanlagen. Man muss Orgelfachmann sein, um diese Begriffe einordnen zu können - so wie Ekkehard Fehl von der Firma Schuke aus Berlin. Seit gestern ist er gemeinsam mit seinem Kollegen Hartmut Jaenicke im Dom zu Gast, um die Marcussen-Orgel zu vermessen. Die Firma Schuke hat von der Domgemeinde den Auftrag erhalten, das prächtige Instrument zu sanieren und zu ergänzen. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 410 000 Euro.

Die Orgelbauer haben die schwierige Aufgabe, neue Elemente mit vorhandenen perfekt zu verknüpfen. Weiter verwendet werden zum Beispiel die Orgelpfeifen, die mechanische Verbindung der Pfeifen mit dem Spieltisch sowie das Gehäuse. Neu angefertigt werden der Spieltisch des Organisten, die Windanlage sowie ein hinter der Orgel positioniertes Gehäuse, das 1000 neue Pfeifen aufnehmen soll - in Ergänzung zu den 3500 bestehenden Pfeifen. Im Sommer will die Firma Schuke damit beginnen, die Elemente in ihrer Berliner Werkstatt anzufertigen. Der Einbau soll Anfang 2010 erfolgen. Drei Monate muss die Domgemeinde dann auf die Klänge der Orgel verzichten. Pastor Jochen Weber: "Das wird unsere große Fastenzeit."

Was wird sich durch die neue Orgeltechnik verändern? Experte Fehl ist sicher: "Der Klang wird wärmer, die Klangfülle größer." Die neu abgestimmte Orgel werde in der Lage sein, Orgelmusik der Romantik weitaus besser zu reproduzieren. Auch für den Organisten wird vieles besser, zum Beispiel sein Spieltisch. Dieser ist künftig ergonomisch geformt. Selle: "Am bisherigen Spieltisch musste man immer den Rücken krumm machen."

Das Einzige, was die Vorfreude der Domgemeinde auf die neukonzipierte Orgel trübt, sind die Kosten. Von den erforderlichen 410 000 Euro hat die Kirche erst 250 000 Euro zusammen. Zwar hat Nordelbien eine Bürgschaft übernommen, dennoch will die Domgemeinde die Last nicht anderen aufbürden, sondern sie selbst schultern. Daher bitten Pastoren und Kantor bei jeder Gelegenheit um Spenden. Die Dom-Kollekten sind seit geraumer Zeit allesamt für die Orgel bestimmt. Wer gezielt spenden will, kann zudem eine Patenschaft übernehmen (siehe Kasten rechts). Das jeweilige "Patenkind" ist aus Zinn oder Holz und bis zu 5,40 Meter lang: Es handelt sich um die 1000 zusätzlichen Pfeifen der neuen Domorgel.

Patenschaften

Wer die Restaurierung der Domorgel unterstützen möchte, kann eine Patenschaft für eine der 1000 neuen Orgelpfeifen übernehmen. Die Pfeifen sind in sechs Preiskategorien eingeteilt. Eine Patenschaft für ein Element in der Größe eines Bleistiftes kostet 30 Euro, für die größten Orgelpfeifen werden 600 Euro aufgerufen. Wer die Windanlage oder den Spieltisch sponsern möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Hier werden 25 000 Euro beziehungsweise 45 000 Euro fällig. Jeder Spender wird in ein Patenschaftsbuch eingetragen, das nach der Einweihung der Orgel ausgestellt und verwahrt wird. Ansprechpartner ist Kantor Selle, Pastorenstraße 11.


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