Singen im Chor: Klassik statt Coldplay

25. Mai 2010 | 06:45 Uhr | Von Sophie Höffer und Kathrin Hansen


Konzentriert bei der Sache: Katharina Petersen, Pia Frank und Laura Plath (von links) bei der Chorprobe im Haus der Kirche. Foto: hansen

"S, S, SSSS" klingt es durch den Raum. Und gleich darauf ertönt aus mehr als 80 Kehlen "Señora". Der Kantatenchor St. Marien singt sich ein. Zur klareren Aussprache und Sprechübung der Konsonanten wird das "S" angestimmt. Stimmt die Haltung, ist das "S" hervorragend und sind die Notenhefte heraus gekramt, kann es losgehen. Jeder ist an seinem Platz: links der Sopran, rechts der Alt und in der Mitte die Männerstimmen.

"Die Lieder, die wir hier singen, sind ein schöner Gegensatz zu dem, was man sonst so hört", sagt Laura Plath. Die 15-Jährige, die in ihrer Freizeit gerne Coldplay und andere Musik aus den Charts hört, ist Mitglied des Kantatenchores. Hier steht Klassik auf dem Programm - Musik von Haydn, Bach und Mozart. Unter den Chormitgliedern sind drei Jugendliche: Laura, und ihre zwei Freundinnen Pia und Katharina. "Singen war schon vor der Teilnahme im Kirchenchor mein großes Hobby", sagt Katharina Petersen. Sie kam durch den Schulchor zum Kantatenchor.

Dass klassische Musik oder lateinische Texte kein Tabu für Jugendliche sind, ist auch an der regen Beteiligung in der Jugendkantorei zu sehen. Ist man noch nicht konfirmiert, fängt man dort an und steigt später zu den "Großen" auf.

Donnerstagabends um halb acht treffen sich die Mitglieder des Kantatenchors mit ihrem Chorleiter Volker Linhardt im Haus der Kirche in Rendsburg. Im Moment probt der Chor die "Krönungsmesse" von Mozart, die am 6. Juni im Rahmen des Schleswig-Holstein Tages präsentiert werden soll.

Der Beginn einer großen Sängerkarriere für die Jugendlichen? "Ich möchte auch nach der Schule noch weiter singen, aber als Beruf wäre es eher nichts für mich", ist sich Pia Frank, Schülerin des Helene-Lange-Gymnasiums, sicher. Für sie ist Singen vor allem ein wichtiges Hobby.

Besonders die Mischung der Generationen, die sich gegenseitig weiterhelfen und mit Rat und Tat zur Seite stehen, macht den besonderen Reiz aus, ein Teil der Gruppe zu sein. "Wo findet man so etwas sonst noch heutzutage?", fragen Peter Lensch und Dieter Sprenger, zwei alt gediente Sänger. "Dieser Chor ist eine Lerngemeinschaft, in der Jung und Alt miteinander kooperieren müssen." Und das funktioniert gut. Eine harmonische Atmosphäre, in der man Spaß haben kann, das ernsthafte Singen aber auf keinen Fall zu kurz kommt, trägt zu einem positiven Ergebnis bei. Denn neben allen Späßen sind es doch Disziplin und hohe Konzentration, die die verschiedenen Stimmen miteinander vereinen, so dass ein inbrünstiger Gesang entsteht.

Die jugendlichen Sängerinnen seien ein belebendes Element, das den Klang auffrische und eine Entwicklung für den Chor, die nur zu begrüßen sei, sagt der Chorleiter. Pia, Katharina und Laura singen im Sopran. Ihre jungen Stimmen bereichern die hohe Stimmlage. Weiteren solchen Zuwachs wünschen sich alle im Chor. Eine der Herausforderungen für den neuen Chorleiter Volker Linhardt, der erst Anfang diesen Jahres Friedemann Wieland vom Posten des Kantors ablöste.

Für die drei Mädchen ist das Singen im Kantatenchor eine große Bereicherung, weil sie so viele Erfahrungen sammeln können. Und auch, wenn sie eines Tages nicht mehr im Kantatenchor singen können - eins ist klar: " Das Singen wird unser Leben immer begleiten."



Nächster Auftritt:

Sonntag, 6. Juni, 17 Uhr,

Konzert zum Schleswig-Holstein-Tag

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