Sie liebt leere, karge Landschaften

17. August 2010 | 06:40 Uhr | Von Gabriele Vaquette;

Neumünster. Wenn Monika Rathlev von Island erzählt, kommt sie ins Schwärmen: "Nur Lava und Wasser, eine herrliche Landschaft. Als ich Island sah, war das ein Schlüsselerlebnis." Sie liebe leere, karge Landschaften, das "Fast-Nichts", gesteht die Neumünsteranerin, die Urgestein der Kunstszene ist. Aus Anlass ihres 60. Geburtstags präsentiert der Verein Art & Vielfalt ab Freitag, 27. August, ab 19 Uhr eine Ausstellung im Caspar-von-Saldern-Haus.

Wo sich der Blick ins Weite verliert, greift Monika Rathlev zum Bleistift und erschafft kleine Bilder, auf denen hauchzarte Horizonte liegen oder Elfen unter dräuendem Dunkel wohnen. Das ist auf Island, den Lofoten, der Halbinsel Eiderstedt, an der Westküste; in Tönning hat sie ihren zweiten Wohnsitz. "Ich sitze auf dem Deich und zeichne. Mich faszinieren die Lichtstimmungen, der weite Himmel, das Unberührte der Natur." Beim Betrachter wolle sie mit ihren sphärisch wirkenden Bildern Konzentration hervorrufen, Verharren: "Zeichnen an sich ist schon meditativ, das will ich weitergeben." Ihre Kunst sieht sie als "Kontrapunkt zur Reizüberflutung" der heutigen Zeit.

Monika Rathlev experimentiert gerne, ihre Kunst ist auch großformatig und farbig, wenn sie Acrylfarben und Linoldruck einsetzt. Auch hier sind abstrakt reduzierte Landschaften ihr Lieblingsmotiv: Die "Katinger-Watt-Serie" sind bunte, waagerechte Linien, eine Anspielung auf das Flimmern am Watt-Horizont, wie eine Fata Morgana. "Man weiß nicht, wo hört das Land auf, wo fängt der Himmel an? Das ist faszinierend", sagt sie.

Seit über 30 Jahren setzt Monika Rathlev viele Impulse - als Mit-Initiatorin des Kunstfleckens, Gründungsmitglied der Malschule, ist Mitglied im Landesverband des Bundes Bildender Künstler (BBK) und im Eiderstedter Kunstverein "Kunst-Klima". Durch Pop-Art à la Andy Warhol sei sie zur Kunst gekommen, sagt die verheiratete Mutter zweier Söhne, die seit 1978 freischaffende Künstlerin ist und so richtig loslegte, als ihre Kinder größer waren. Nach einem Stipendium der Dr. Hans-Hoch-Stiftung kam 1992 die erste Einzelausstellung und die Teilnahme an der BBK-Landesschau; zahlreiche weitere Ausstellungen folgten.

Warum ist Kunst wichtig? "Sie ist für mich wichtig, weil sie einen zweckfreien Blick ermöglicht in einer Zeit, in der alles sehr zweckorientiert ist. Und: Wenn man sich mit Kunst beschäftigt, tut das der Seele gut."


 

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