Rückenstärkung für suspendierten Pastor
Die erste Frage aus der voll besetzten Bünsdorfer Kirche lautete: "Können wir irgendwie helfen?" Rund 120 Männer und Frauen, auch junge Leute, hatten sich zur außerordentlichen Gemeindeversammlung am Donnerstagabend eingefunden. Seit bekannt und öffentlich geworden war, dass Pastor Thies F. vom Dienst suspendiert ist, weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch ermittelt, herrscht große Aufregung in den sieben Kirchdörfern rund um den Wittensee (siehe auch Seite 6).
"Es gibt kein Thema, das emotional so aufwühlt wie sexueller Missbrauch", stellte Dietrich Waack (Kirchenkreis Schleswig-Flensburg) fest, der die Moderation des Abends übernommen hatte. Die Vorwürfe lägen auf dem Tisch, aber es gelte die Unschuldsvermutung - "auf diesem schmalen Grat bewegen wir uns", beschrieb Waack den Spannungsbogen. In diesem Rahmen blieb die Diskussion weitgehend. Kritisiert wurde eine "reißerische Berichterstattung" in den Medien, unter anderem auch durch den Rechtsanwalt von Thies F., Peter Boysen: "Wir hoffen auf schnelle Aufklärung, damit die Gerüchteküche aufhört zu brodeln."
Anja Fedder, 2. stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, erklärte: "Uns ist an dieser Stelle wichtig, deutlich zu machen, dass es hier nicht um eine Vorwegnahme der Verurteilung, sondern um ein rechtliches Verfahren geht, das für solche Fälle vorgesehen ist, um allen Schutzbedürfnissen gerecht zu werden." Propst Sönke Funck, zuständig für den Nordbezirk des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde, stellte fest, dass die Kirche ihre disziplinarrechtlichen Ermittlungen erst wieder aufnehmen werde, wenn das staatliche Verfahren abgeschlossen sei. "Das müssen wir in Ruhe abwarten", fügte Funck hinzu, aber das könne dauern. Der Kirchengemeinde mit ihren rund 2500 Mitgliedern in den Gemeinden Bünsdorf, Bistensee, Borgstedt, Groß Wittensee, Holzbunge, Klein Wittensee und Neu Duvenstedt sicherte er die Unterstützung des Kirchenkreisvorstandes zu.
"Wir konzentrieren uns jetzt auf die Fortführung der kirchlichen Arbeit, sagte Anja Fedder, räumte aber ein, dass die Ferienzeit erhebliche Probleme bereite. Daher zeigte sie sich erfreut über das eingangs geäußerte Angebot aus der Gemeinde. Der Kirchenvorstand berate sich zurzeit wöchentlich, und es werde eine Zusammenkunft geben, um alle Möglichkeiten zu berücksichtigen. Funck versicherte, dass die Gottesdienste und Amtshandlungen sichergestellt seien, der Wunsch nach einer Seelsorge-Präsenz in der Kirchengemeinde "in dieser schweren Zeit" konnte noch nicht erfüllt werden. "Wir sind intensiv bemüht", sagte der Propst.
Aus der Versammlung kam der Wunsch, dem Pastor, der sich zur Zeit mit seiner Familie nicht im Ort aufhält, Rückhalt zu geben. Etliche reihten sich ein, um Botschaften und guten Wünsche auf einen großen Bogen schreiben. Bärbel Dahms, Prädikantin in der Gemeinde bietet Gebete am Ende der Woche an - das erste heute (18 Uhr) in der Borgstedter Kapelle. Auch die Frage, wie die Gemeinde den Seelsorger begrüßen könnte, wenn er - entlastet von den Vorwürfen - zurückkehrt, wurde aufgeworfen. Kirsten Voß vom Nordelbischen Kirchenamt in Kiel: "Wir müssen es jetzt aushalten, dass diese Vorwürfe im Raum sind."
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