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SMS-Betrug

Razzia: Der Stich ins Wespennest

04. Dezember 2008 | Von Holger Ohlsen

Razzia: Eine Verdächtige wird zur Vernehmung abgeführt. Foto: iwe

"Es ist, als hätten wir in ein Wespennest gestochen", sagt Oberstaatsanwalt Uwe Wick. Einen Tag nach der Großrazzia in Flensburg sichten die Kieler Staatsanwälte ihre Beute.

Flensburg. Medienberichte hatten Kunden der im Flensburger und Kieler Raum angesiedelten Firmen aufgeschreckt. "Wir haben viele Anrufe von Leuten, die sich betrogen fühlen", bestätigt Wick. "Das sind natürlich alles sehr interessante Zeugen für uns." In einer massiven Aktion hatten Tags zuvor die Anwälte der Kieler Schwerpunktstaatsanwaltschaft über 40 Objekte bei MintNet und anderen SMS- und Internet-Dienstleistern durchsucht, Unterlagen und Rechner als Beweismittel gesichert. Fünf leitende Mitarbeiter des undurchsichtigen Firmendickichts um MintNet herum wurden verhaftet - am Abend kam noch eine sechste Festnahme hinzu. Parallel pfändeten Beamte Geld und geldwerte Sicherheiten - aus der Garage des MintNet-Geschäftsführers einen Aston Martin Vantage, Dienstwagen von 007 Daniel Craig.

Gestern liefen in Kiel die richterlichen Anhörungen, parallel richtete sich die Staatsanwaltschaft auf die Sichtung des Beweismaterials ein: Daten, Akten, Festplatten in 100 Kartons. "Das wird noch Monate in Anspruch nehmen", sagte Wick.

Der Oberstaatsanwalt bestätigte, dass die gestrige Razzia auf einem vergleichbaren Einsatz im Januar vergangenen Jahres aufbaut. Schon damals hatte ein etwas kleineres Aufgebot Büroräume und Objekte durchsucht. Die anschließenden Ermittlungen, so Wick, hätte schließlich den dringenden Tatverdacht begründet, der gestern zum Zugriff führte. Den Schaden, der durch die betrügerischen Machenschaften des Flensburger SMS-Imperiums entstanden ist, bezifferte Wick im hohen fünfstelligen Bereich, mit stark steigender Tendenz zum Sechsstelligen.

1,99 Euro für jede SMS

Das Geschäft mit den unbedarften einsamen Seelen, die von Animateuren in teure SMS-Chats gelockt werden, wurde in Flensburg perfektioniert. MintNet versteht sich als Dienstleister, der Hardware und Programme entwickelt bzw. bereit stellt, mit denen Chat-Dienstleistungen professionell und effektiv erbracht werden können. Ausgestiegene Animateure berichten, dass sie mit mehreren Alias-Namen und Identitäten in Partnerbörsen oder mittels gekauften Mobilrufnummern auf die Jagd geschickt wurden. Die Ziele breit gestreuter Lockruf-Aktionen wurden von - nur scheinbar - interessanten Frauen um Kontaktaufnahme gebeten. Bei dem sich in vielen Fällen entwickelnden Schreibverkehr wurden die Opfer mit jeder SMS 1,99 Euro los. Dass sie in Wirklichkeit mit gelangweilten Studenten, Schülern, Arbeitslosen in Kontakt standen, die ein reines Profitinteresse verfolgten, dürfte vielen nicht bekannt gewesen sein. Ziel sei stets gewesen, die Opfer auszuquetschen, so ausgestiegene Animateure. Reale Treffen wurden stets verheißungsvoll angedeutet, seien aber nie zustande gekommen. Kurz vor dem entscheidenden Treffen, sei das Objekt der Begierde einfach aus dem Geister-Chat verschwunden.

MintNet hatte eine Beteiligung an diesem Geschäft stets verneint - aber die Behörden legen ihren Ermittlungen ein perfekt organisiertes Netz schnell wechselnder Firmen mit wechselseitigen gesellschaftsrechtlichen Beteiligungen stets derselben Akteure zugrunde.


 

Leserkommentare

 
H-ANDRESEN1@WEB.DE 04.12.2008 17:41
Die Abzocker sitzen nicht nur bei der jetzt aufgeflogenen Firma

Die Abzocke per SMS mit Handy und über das Internet blüht schon lange. Jeden Tag und jede Nacht sind in Flensburg andere Firmen auf der Jagd nach Opfern. Ich hoffe, dass die Behörden sich nicht mit diesem einen Fall zufrieden geben.



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