Universität Hamburg
Präsidium droht Besetzern
Seit fast drei Wochen besetzen Studenten Hochschulgebäude auf dem Campus der Universität Hamburg. Sie protestieren gegen die ihrer Meinung nach schlechten Studienbedingungen, eine gescheiterte Umsetzung der Bologna-Reform und die Wahl Dieter Lenzens zum neuen Präsidenten der Uni Hamburg.
Jetzt macht das Präsidium der Universität überraschend Druck. In einem Schreiben, dass über das elektronische Mailsystem am Montagabend an alle Studenten verschickt wurde, fordert die Universitätsspitze die sofortige Beendigung der Besetzung. Bisher habe man die Aktionen, unter anderem die Besetzung des Audimax, toleriert. Mittlerweile häuften sich aber Beschwerden, da Veranstaltungen ausfielen und Kommilitionen sich in ihrem Studium gestört fühlten.
"Es ist schade, dass keiner das direkte Gespräch mit uns sucht"
Zudem könne die Uni gewisse Sicherheitsstandarts in den besetzen Gebäuden nicht einhalten. Außerdem entstünden hohe Kosten zum Beispiel durch die Anmietung von Ersatzräumen für Lehrveranstaltungen, heißt es in dem Schreiben weiter. Deshalb denke die Leitung jetzt auch über "Handlungsalternativen" nach, bringt auch rechtliche Konsequenzen ins Spiel. Konkret beginge jeder Student bei anhaltener Besetzung ab sofort Hausfriedensbruch. Dies könne mit Geld- und Freiheitsstrafen geahndet werden. Zudem hafte jeder Einzelne für eventuell entstandene Schäden, heißt es in dem Schreiben.Die Studenten kritisierten die Äußerungen des Präsidiums und die Art und Weise der Kommunikation: "Es ist schade, dass keiner das direkte Gespräch mit uns sucht", sagt Simon Stülcken, einer der Studenten, die das Audimax besetzt halten. "Wir empfinden das Schreiben als Provokation, bleiben aber gelassen und besetzen das Gebäude weiter", so Stülcken weiter. "Wir bleiben hier so lange, bis wir beschließen zu gehen", sagte er shz.de. Er brachte aber auch einen möglichen Räumungstermin ins Gespräch - das nächste Treffen der Hochschulrektorenkonferenz.
Zudem spürten die Studenten weiter starken Rückhalt für ihre Aktion. "Wir haben hier die größte Vollversammlung seit 1996 geschafft - die Stimmung ist super", argumentiert der Student. Indes weiteten Studenten ihre Protest am Montag sogar noch auf einen weiteren Gebäudekomplex, den sogenannten "Pferdestall", ein Teil der Fakultät Sozial - und Wirtschaftswissenschaften, aus. Man wolle diese Besetzung bis einschließlich Mittwoch fortsetzen und mit einem großen Protestmarsch beenden, kündigten die Besetzer an. Uni-Sprecherin Birgit Kruse hob indes hervor, dass Studierende die ehemalige HWP wieder freigaben und von dieser neuerlichen Besetzung kaum eine Signalwirkung ausgehe.Die Uni-Leitung bot den Studenten in dem Schreiben aber weiter einen Dialog über die Missstände an der Universität an. Man freue sich über "konstruktive Vorschläge", die in den Gremien weiter besprochen und diskutiert werden. "Grundsätzlich ist die Universität Hamburg aber verpflichtet, sich im Rahmen der geltenden Gesetzgebung zu bewegen."




Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!