PANORAMA
Insolvenz
Positive Signale für Hertie-Filialen im Norden
Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner sieht gute Chancen für Schleswig-Holsteins Hertie-Filialen. Foto: dpa
Der Insolvenzverwalter der Warenhauskette Hertie, Biner Bähr, sieht positive Signale für die schleswig- holsteinischen Hertie-Filialen. Darauf hat Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner (SPD) am Mittwoch nach einer Konferenzschaltung mit seinen Kollegen aus Husum, Niebüll, Mölln und Itzehoe sowie dem Insolvenzverwalter hingewiesen.
"Bähr sieht nach eigener Aussage gute Chancen für die sieben schleswig-holsteinischen Hertie- Filialen", sagte Breitner. Die Warenhauskette hatte am vergangenen Donnerstag wegen Finanzproblemen des britischen Haupteigentümers Dawnay Day Insolvenz angemeldet.
"Hertie hat in unseren Städten weiter eine Zukunft"
Seine Aufgabe sei es, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, gemeinsam mit einem Investmentberater Kaufinteressenten zu suchen und ein Sanierungskonzept für die deutschlandweit 72 Hertie-Filialen zu entwickeln, erklärte Breitner als Sprecher der schleswig- holsteinischen Bürgermeister-Initiative. Geplant sei ein Gesamtverkauf der Warenhausbetreibergesellschaft und keine Zerstückelung des Unternehmens, hieß es.
"Wir sind uns nach dem Gespräch sicher: Hertie hat in unseren Städten weiter eine Zukunft", sagte der Bürgermeister. "Nach unserer Einschätzung wird es Bähr gelingen, eine tragfähige Lösung für das Unternehmen zu finden". Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hatte am Dienstag die Hertie-Filiale in Husum (Kreis Nordfriesland) besucht und den Mitarbeitern den Rücken gestärkt. Dabei hatte er auch eine Landesbürgschaft nicht ausgeschlossen. "Sobald ein nachhaltiges Konzept steht, werden wir Gespräche führen, hatte er erklärt.
"Wir freuen uns darüber, dass die Landesregierung unseren Vorschlag aufgreift und gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen über finanzielle Hilfen, beispielsweise in Form einer Landesbürgschaft für potenzielle Investoren, nachdenkt", sagte Breitner. Das gemeinsame Ziel von Landesregierung und Kommunen sei es, die 316 Arbeitsplätze zu erhalten und die Filial-Standorte in den Städten zu sichern.
Leserkommentare
Also mein Rücken braucht auch Stärkung. Wann kommen Sie herr MP Carstensen?
Und dann noch Landesbürgschaften, also auf Deutsch Steuergelder, zum Erhalt der Kaufhäuser.
Herr Carstensen, auch wenn Sie dies hier nicht lesen:
Hunderte kleine Einzelhändler in S-H haben tragbare Konzepte gegen den seit Jahren sinkenden Konsum. Leider kämpfen diese aber gegen die Banken/Sparkassen, gegen die konsummüden Bürger.
Wann bekommen die immer gern zitierten Läden des Branchenmixes Landesbürgschaften, Besuche und gestärkte Rücken?
Sorgen Sie dafür Herr Carstensen, daß die Bürger Arbeit mit Löhnen bekommen, die auch wieder zu Einkauf animieren. Dann braucht Hertie/Karstadt und Co. auch nicht geschlossen werden.
Schade wäre es, wenn Hertie in Itzehoe verschwinden würde. So war der Kommentar der meisten befragten Itzehoer in der NR vom 07.07.08.
Auch ich fände es schade, wenn das Geschäft schließen würde und eine Investitionsruine in der Innenstadt von Itzehoe entstehen würde. Natürlich gönne ich auch den vielen Angestellten, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten könnten bzw. vom neuen Investor übernommen würden. Als gelegentlicher Kunde würde ich natürlich auch das umfangreiche Angebot behalten wollen, dass wesentlich günstiger angeboten wird als z. B. bei B&H.
Herr Thomsen schildert in seinem Kommentar die Managementfehler der jetzigen Hertie-Geschäftsleitung. Würde ein neuer Investor diese Fehler beseitigen und mit neuen Ideen das Geschäft übernehmen, wäre es doch schon eine Grundlage für die Weiterführung des Geschäftes.
Dem Personal gönne ich, dass die Übernahme ohne härtere Einschnitte für sie gelingen würde. Wenn jedoch ein Personalüberschuss bestehen sollte, müsste der Personalbestand dem Bedarf angepasst werden. Sollten die Gehälter überhöht sein, wäre auch dafür eine Anpassung erforderlich. Im Fall von Möbel Kraft wurde durch den neuen Investor vor wenigen Jahren das Personal verringert und die Gehälter um 30 % reduziert.
Bei Hertie kenne ich jedoch die Personalverhältnisse nicht und gönne dem Personal, dass es ohne große Veränderungen übernommen wird.
Ansonsten wären geringfügige Veränderungen günstiger als die Schließung des Geschäftes.
Wenn der neue Investor für das übernommene Hertie-Geschäft (oder für alle Geschäfte) ein glaubwürdiges Zukunftkonzept vorlegen kann, müsste es ihm gelingen, die Banken oder Sparkassen davon zu überzeugen, ihm dafür auch ohne eine Landesbürgschaft Kredite zu gewähren. Möbel Kraft wurde auch ohne Landesbürgschaft saniert.
Wenn die Kreditgewährung nur von einer Landesbürgschaft abhängig gemacht würde, wäre das Konzept untauglich und die nächste Insolvenz absehbar.
Ansonsten gehören die Sparkassen den Gemeinden. Würden die Sparkassen leichtsinnig Kredite gewähren, wären anschließende Kreditverluste auch ein Schaden für die Gemeinden, da dadurch das Eigenkapital der Sparkassen verringert würde, das den Gemeinden als Eigentümer gehört.
Ich wohne seit einigen Jahren nicht mehr im Kreis Steinburg, würde den Itzehoern (als Kunden oder Angestellten) jedoch wünschen, dass die Übernahme/Weiterführung des Geschäftes gelingt. Die Einwohner der anderen Standorte haben sicherlich dieselben Wünsche.
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Hertie hat Riesenverluste angehäuft, der Besitzer - eine Finanzgesellschaft - hat kräftig bezuschußt und steckt wegen der Kreditkrise nun bis über die Ohren in einer Existenzkrise. Immobilien wurden abgespalten und gesondert verwaltet, die Filialen zahlen an die Gesellschaft saftige Mieten.
Mit Getöse wurde der Name präsentiert - Hertie wurde mal von Karstadt geschluckt und dann wiederbelebt.
Dann folgten artig schöne Worte und Bürgermeister standen stramm und freuten sich.
Am Beispiel von Hertie in Itzehoe läßt sich das folgende Elend gut aufzeigen.
Ein neuer Geschäftsführer trat an, sprach schöne Worte und arbeitet nun woanders - es ist eben von Vorteil wenn man die echten Zahlen kennt.
Im Geschäft selbst wurde etwas Deko verändert und das Sortiment gestrafft (alles etwas weniger und teuerer).
Phantasie und Sonderaktivitäten? Nicht erkennbar.
Eine Lebensmittelabteilung, die auch als Schlaflabor gut geeignet wäre.
Kampf ums Überleben und neue Power?
Fehlanzeige.
Nun stehen die Bürgermeister wieder stramm - Rettung bitteschön mit Staatsgeldern!
Begründet wird es mit der überragenden Bedeutung für die Zentren, die sowieso zunehmend verwahrlosen und verfallen.
Kann das ein Argument sein?
Nein!
Die Inhaber gut geführter Häuser wie B&H in Itzehoe müßten sich sehr dumm vorkommen - was dort gelang aus unternehmerischer Kraft, muß Hertie auch schaffen, sonst hat es keine Existenzberechtigung.
Es gäbe ja die Möglichkeit, dass die Kommune die Immobilie übernimmt und dann vermarktet - aber das dürfte in Itzehoe kaum real zu machen sein.
Auf jeden Fall muß sich Hertie wie jedes ander Geschäft in der Stadt selbst am Markt bewähren - alles andere wäre Erpressung und ein übler Eingriff in den Markt.
Die Innenstadt kann auch ohne Hertie leben - wenn da mal ernsthaft etwas unternommen wird.