Familientragödie im Kreis Plön
Polizei findet fünf Kinderleichen - Mutter unter Tatverdacht
Um kurz nach 21 Uhr treffen zwei Leichenwagen am Ort der Tragödie ein. Ihr Ziel ist ein unscheinbares Einfamilienhaus im Ortsteil Darry der Gemeinde Panker (Kreis Plön). Dort, hinter weißem Klinker, hat sich am Mittwoch eine der grausamsten Gewalttaten der vergangenen Jahre in Schleswig-Holstein abgespielt. Fünf Jungen im Alter von drei bis neun Jahren wurden vermutlich von ihrer eigenen Mutter (31) umgebracht. Die mutmaßliche Täterin gab selbst Hinweise auf die Tat - am Nachmittag meldete sie sich in einer psychiatrischen Fachklinik in Heiligenhafen bei Fehmarn. Mit den Worten "Ich habe meine Kinder umgebracht" soll sie sich in dem Krankenhaus gestellt haben. Die tatverdächtige Mutter sei mittlerweile in eine psychiatrische Klinik gebracht worden. "Nach derzeitigem Erkenntnisstand dürfte das Motiv in einer psychischen Erkrankung zu suchen sein", teilte die Kripo offiziell mit.
Als die erste Nachricht gegen 20 Uhr am Mittwochabend die Runde macht, wird das Haus sofort weiträumig abgeriegelt. Nicht einmal die schockierten Nachbarn dürfen sich ihm nähern. Dutzende Kamerateams und Journalisten treffen ein. Nach und nach werden neue, schockierende Einzelheiten der unfassbaren Tat bekannt. Viele werden von der Polizei zunächst nicht bestätigt.
Furchtbarer Tod der fünf kleinen Jungen
Das ZDF berichtet, die Mutter sei alleinstehend und die Kinder stammten von mehreren Vätern - einer davon soll Amerikaner sein. Wo er sich am Mittwoch aufhielt, war unklar. Ein Kind war angeblich autistisch. Die Familie soll erst seit wenigen Monaten in dem Ort gewohnt und nach Aussage von Nachbarn ausgesprochen zurückgezogen gelebt haben. Dem Jugendamt war die Familie offenbar bekannt.
Nach Informationen unserer Zeitung wurden die Kinder mit Tabletten vergiftet und danach mit einer Plastiktüte erstickt. Polizei und der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick wollten dies zunächst nicht bestätigen. "Wir wollen die Obduktion am Donnerstagmorgen abwarten", sagte Wick.
Landesregierung bestürzt über die grausame Tat
Nach Informationen von "Spiegel Online" soll Lehrern der örtlichen Grundschule ein verwahrloster Zustand der beiden älteren Kinder aufgefallen sein. So seien sie ohne Jacke oder mit alten Pausenbroten in der Schule aufgetaucht. Wie die Internet-Seite weiter berichtet, sei das Jugendamt informiert gewesen. Es habe die Familie am Mittwoch aufsuchen wollen, weil die Kinder nicht in die Schule gekommen waren.
Mit Trauer und Betroffenheit reagierte die Landesregierung auf die Tragödie. "Die furchtbare Tat wirft viele Fragen auf, die wir zurzeit nicht beantworten können. Wir stehen mit Fassungslosigkeit vor fünf jungen Menschen, die jetzt tot sind", sagten Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Innenminister Ralf Stegner.
Einwohner von Darry fassungslos
Darry, ein ländlich geprägtes beschauliches Dorf mit kaum 500 Einwohnern nahe Lütjenburg unweit der Ostseeküste, steht unter Schock. Einige Ferienwohnungen gibt es hier, eine Grundschule, eine Gaststätte nicht.
Eine 64 Jahre alte Frau steht weinend in der Nähe des Hauses: "Hoffentlich haben sie nicht so gelitten." Ein 14 Jahre alter Schüler ist mit seinem Vater bei dem Tatort. "Es ist einfach nur schrecklich, dass so etwas in unserem kleinen Dorf passieren kann", sagt der Junge.
Mutter offenbar Zugezogene
"Meine Kinder gingen mit zwei der toten Kinder zur Schule, es waren nette, artige Jungen", sagt Michael Wiesner (49). "Mein Sohn schläft schon, dem muss ich morgen früh erzählen, dass seine Spielkameraden nicht mehr leben."
"Sowas haben wir hier noch nicht erlebt, das ist schlimm", sagt der 66-jährige Anwohner Horst Milkereit. Eigentlich sei Darry ein ruhiger Ort, wo fast jeder jeden kennt. "Bei der Mutter soll es sich um eine Zugezogene handeln, die im Sommer nach Darry gekommen ist", sagt der Rentner. "Ich habe das noch nicht gerafft", sagt Nachbar Stefan Sachau. "Ich kann das überhaupt nicht begreifen." Auch Bürgermeister Olaf Arnold zeigte sich tief betroffen.
Tragische Dublizität der Ereignisse: Nur Stunden zuvor war im sächsischen Plauen eine 28-jährige Frau verhaftet worden, die ihre drei Säuglinge getötet haben soll. Die Polizei hatte am Dienstag und Mittwoch in ihrer Wohnung zwei Kinderleichen in einer Tiefkühltruhe und auf einem Balkon gefunden. Eine Woche zuvor war der erste Leichnam in einem Koffer im Keller eines anderen Hauses entdeckt worden.





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