ECKERNFÖRDER ZEITUNG
Parteiübergreifend und sachorientiert
Altenholz. Vom Büroleiter zum Bürgermeister - mit diesem Aufstieg begann für Carlo Ehrich das Jahr 2011. Wie er die ersten 100 Tage im Amt erlebt und was er sich für die kommenden Monate vorgenommen hat, das verrät er im Interview mit unserer Zeitung.
Herr Ehrich, morgen sind Sie 100 Tage im Amt.
Ich bin erstaunt, wie schnell die Zeit vergangen ist.
Wie haben Sie die zurückliegenden Wochen erlebt?
Sehr arbeitsintensiv durch die Fülle an Terminen, aber auch sehr, sehr schön und bereichernd durch die persönlichen Kontakte, die sich ergeben. Viele Menschen sind zu meinem Amtsantritt ins Rathaus gekommen, um mir zu sagen, dass sie sich mit mir freuen. Und so etwas erlebe ich auch heute noch. Man bekommt viel zurück an Freundlichkeit und Aufmerksamkeit - das ist das, was den Beruf so auszeichnet und unvergleichlich macht.
Damit verbunden ist aber auch, dass Sie mehr in der Öffentlichkeit stehen als früher.
Ja, viele Leute gucken ganz genau, was der Bürgermeister macht. Als ich kürzlich in der Reinigung war, musste ich meinen Namen angeben. Die Mitarbeiterin wusste nicht, wie sich der schreibt und fragte nach. Da sagte eine Kundin "Sie sind doch u n s e r Bürgermeister" - das war schön.
Mit CDU und FDP war der Start ins Amt nicht ganz so einfach.
Ich glaube, die haben am Wahltag eine Art Aufprall erlitten. Doch davon haben sie sich inzwischen erholt. In der Gemeindevertretung sehen Fraktionen und Verwaltung zu, dass sie sich der Sachthemen annehmen. Ich setzte die Tradition von Horst Striebich fort, parteiübergreifend Politik zu machen. Ich habe auch die CDU-Runde mit Bürgervorsteher, Kreispräsident, erstem stellvertretendem Bürgermeister, Fraktionsvorsitzendem und Ortsvereinsvorsitzendem übernommen, die einen wertvollen Austausch liefert.
Und mit der SPD?
Ich stehe in engem Kontakt zum Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Weiß und der Ortsvereinsvorsitzenden Karin Pfaff. Mitunter kommt die eigene Partei aber zu kurz, und ich hoffe, dass sie dafür Verständnis hat.
Mit dem Zusammenschluss der Volkshochschulen Altenholz, Kronshagen und Kiel haben Sie gleich ein großes Projekt angeschoben. Steht noch mehr an?
Die Förde-VHS ist ein hervorragendes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit. Unsere Leiterin, Dr. Ursula Dinse, hat engagiert daran mitgearbeitet ohne Blick auf persönliche Belange.
Als nächstes steht die Nachbesetzung von vier Altersteilzeitstellen und die Organisation der Verwaltung aus. Das ist eine Herkulesaufgabe. Auch wird uns die Trägerschaft der Awo-Kita beschäftigen. Und es gibt das ein oder andere Thema, an dem ich arbeite, wozu ich aber noch nichts sagen möchte. Die verwaltungsseitige Vorarbeit läuft, wenn die abgeschlossen ist, werden die Gemeindevertreter informiert.
Das klingt nach vielen Baustellen nebeneinander.
Ich wollte Tempo rausnehmen, aber es kommt auf einen zu, und dann muss man entgegen der guten Absicht versuchen, mehrere Dinge gleichzeitig anzuschieben. Ich bin den Kollegen dankbar, dass sie mit dem neuen Bürgermeister in der gleichen Intensität weiterarbeiten wie mit dem alten, mit dem ich mich immer gern noch mal austausche.
Hat sich der Kontakt zu den Kollegen verändert?
Ich sehe sie weniger, bin ein Stück weit isolierter. Das bringt das Amt mit sich. Die Zeit erlaubt es einfach nicht, unbegrenzt zur Verfügung zu stehen. Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, ich sei für die Kollegen nicht ansprechbar. Berufliche Zufriedenheit war für mich immer bedingt durch die Aufgabe und die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite.
Wie sieht es privat mit der Zeit aus?
Meine Lebensgefährtin und ich genießen die Zeit, die uns gemeinsam bleibt, wissen sie vielleicht sogar mehr zu schätzen als vorher.




