Neumünster verliert ein Stück Historie

17. März 2010 | Von Rolf Ziehm

Zum Aus für den Lokschuppen Groß waren die Hoffnungen, als sich die Stadt vor einem Jahr im heillos verfahrenen Streit zwischen Eisenbahnfreunden und Deutscher Bahn um den historischen Lokschuppen als unbefangener Vermittler anbot. Die bestechende Idee: Die Stadt schlüpft in die Rolle der Bahn, mietet günstig den Lokschuppen von der Aurelis und überlässt den Eisenbahnfreunden die Nutzung. Als Zugabe winken zum symbolischen Preis, also quasi geschenkt, die Dampflok-Veteranen. Jetzt ist die Ernüchterung um so größer. Den Lokschuppen gibt es doch nicht zum Null-Tarif. Die Eisenbahnerstadt verliert nicht nur eine unvergleichliche Veranstaltungsbühne, sondern auch ein Stück Historie, das Neumünster ebenso geprägt hat wie die Leder- und Tuchindustrie. Letztere wird im Tuch + Technik dokumentiert. Ist lebendige Eisenbahngeschichte nicht 25 000 Euro (plus unbekannte Betriebskosten) wert? Die Frage stellt sich leider nicht, denn die Stadt ist pleite und kann nicht für die Bahn in die Bresche springen, die für die Pflege ihrer Historie schon lange nichts mehr übrig hat.


 

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