Neue Runde im Geschlechterkampf

19. Oktober 2008 | Von Tomma Schröder

Sind boxende oder Fußball spielende Frauen unweiblich? Verschwindet mit ihnen die Weiblichkeit? Tomma Schröder, leidenschaftliche Freizeit-Fußballerin und Redaktionsmitglied, kann das nicht erkennen.

Tomma Schröder

"Diese Kampfsportart ist der Natur des Weibes im Wesentlichen fremd", wusste schon der Deutsche Fußball Bund (DFB), als er 1955 ein Verbot des Frauenfußballs beschloss. Sind wir gut 50 Jahre später wirklich weiter, wenn zwar niemand mehr offen für ein solches Verbot stimmen würde, viele aber immer noch genauso denken? Und - kurze Zwischenfrage - warum sind es eigentlich immer die Männer, die sich mit der Natur der Frauen so wunderbar auskennen?

Durch das nicht eben feminine Gegrätsche und Getrete bleibe die "klassische Weiblichkeit" auf der Strecke, schreibt Jan-Hendrik Dany. Und weiter: Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen, Tennis oder Eiskunstlauf "bringen das Bewegungsgefühl der Frauen wesentlich besser zum Ausdruck". Aha, das Bewegungsgefühl also. Abgesehen davon, dass mein "Bewegungsgefühl" beim Fußballspielen ein ganz prächtiges ist, wie kommt es, dass schon Anfang des Jahrhunderts viele Frauen trotz des Verbotes Fußball spielten? Dass 1972, nur zwei Jahre nach der Aufhebung des DFB-Verbotes, über 100 000 Frauen DFB-Mitglied waren? Dass heute 955 000 Frauen im Verein Fußball spielen, wie Jan-Hendrik Dany selbst so schön - aber leider falsch - recherchiert hat? Es sind mittlerweile 1 002 605! Vielleicht ja deshalb, weil es ihnen Spaß macht? Weil es ihrem "Bewegungsgefühl", was immer das genau sein mag, entspricht? Und weil sie sich unerhörte 90 Minuten lang einmal nicht darum scheren, ob die Frisur sitzt und was man(n) darüber denkt?

Ist eine Frau bei Media-Markt tatsächlich ein männliches Horror-Szenario?

Ob es um Frauenfußball oder Karriere, um Löhne oder Elternteilzeit geht - das Dilemma der Emanzipation bleibt: Rechtlich sind Frauen heute in fast allen Belangen gegenüber Männern gleichgestellt und gar nicht selten - auch das sei erwähnt - bevorteilt. Aber was nur ist in den Köpfen los, wenn man(n) sich fürchtet, dass die Partnerin demnächst vorschlagen könnte "zu 'Media-Markt' und 'nicht immer in diese ganzen Boutiquen und Schnickschnack-Läden' zu gehen". Unweiblich oder oberflächlich, technikbesessen oder mit Schnickschnack-Fimmel - warum muss dieses vereinfachende, dichotomische Denken, das "Weiber" schon früher entweder zur Hure oder zur Heiligen abgestempelt hat, immer wieder für die Beschreibung von Frauen herhalten? Ist es so schwierig, sich eine Frau vorzustellen, die sich erst bei Media-Markt ein Notebook kauft und dann ein Kleid in einer Boutique? Und zu guter Letzt: Ist eine Frau bei Media-Markt tatsächlich ein männliches Horror-Szenario? Oder vielleicht doch schlichtweg banale Realität?

Versuchen wir ernst zu bleiben: Der Postfeminismus ebne die Unterschiede der Geschlechter ein, schreibt Herr Dany. Die "Gleichmacherei" von Männlein und Weiblein im alltäglichen Leben, die im Übrigen oftmals mit der "Gleichstellung" verwechselt wird, hat es gegeben und gibt es noch immer. Sie ist das Resultat einer ganz normalen Pendelbewegung, die vom einen ins andere Extrem ausschlägt. Die konsequente Ablehnung alles Erotischen, wie sie Alice Schwarzer bis heute vertritt, ist da nur ein Beispiel.

Richtig, die "klassische Weiblichkeit" gibt es nicht mehr.

Doch eine Reise zurück in die Vergangenheit sollte doch bitte nicht die Antwort sein! Und genau hier kommt die Postmoderne beziehungsweise der Postfeminismus ins Spiel: Richtig ist, dass der Postfeminismus die Kategorien "Mann" und "Frau" als soziale Konstrukte ansieht und dekonstruiert, als Definitionsbegriffe ablehnt. Nun würde unser Alltag vermutlich aus den Fugen geraten, wenn wir die Begriffe "Mann" und "Frau" in dieser radikalen Form auflösten. Aber sind wir nicht trotzdem über den Zeitpunkt hinaus, da man Frauen und Männer danach unterschied, ob sie "Bier trinken" und "rauchen", ob sie "laut und vulgär sprechen", ob sie "klobige Schuhe" oder High-Heels anziehen?

Viele dieser Kategorien passen schlichtweg nicht mehr. Weil Frauen auf dem Fußballplatz laut und vielleicht auch vulgär reden, während sie sich im Restaurant bei ihrer Begleitung höflich für das Abnehmen der Jacke bedanken. Weil sie nachmittags mit klobigen Schuhen durch den Wald spazieren und sich abends auf Absätzen ins Nachtleben stürzen. Weil sie Box-Weltmeisterin sein können und trotzdem gern im tief ausgeschnittenen Abendkleid vor Kameras flanieren. Insofern müsste man sagen: Richtig, die "klassische Weiblichkeit" gibt es nicht mehr. Daraus zu folgern, es gäbe keine Weiblichkeit mehr, ist falsch.

Ist ein Mann mit Kinderwagen unmännlich?

Allein, es gibt keine starren Regeln mehr, an die sich Frauen und Männer halten können. Das führt zu Verunsicherungen auf beiden Seiten. Ist ein Mann mit Kinderwagen unmännlich? Eine Frau in Uniform unweiblich? Oder, wie Jan-Hendrik Dany ängstlich fragt: Lässt sich die Partnerin demnächst auch noch einen Bart wachsen?

Antworten auf diese Fragen muss sich jeder selbst suchen. Denn der Grenzbereich zwischen "männlich" und "weiblich" ist groß, spannend und schillernd. Was den Bart anbelangt, kann jedoch Entwarnung gegeben werden. Abgesehen von einigen Launen der Natur, die so tolerant ist, selbst

hier Ausnahmen zuzulassen, gilt doch für die große Mehrheit der Frauen immer noch der Satz von George Hamilton: "Die Vorliebe der Männer für Vollbärte hängt mit der Emanzipierung der Frau zusammen. Denn beim Vollbart kommt auch die emanzipierteste Frau nicht mit."


Leserkommentare

 
PETER WENDT 20.10.2008 14:09
Neue Runde im Geschlechterkrampf ( Gähn,Gähn )

Der umfangreiche Text von Frau Schröder ist ein Indiz für die ideologische Grundhaltung der Schreiberin und lässt wenig an Fakten oder Erkenntnis erwarten. Und richtig; wie üblich werden wieder ein mal Fakten/ Themen und Emotionen bunt gewürfelt, da fühlt Frau Schröder sich auch richtig wohl.

Ob Frauen Fussball spielen ist den meisten Männern wohl ziemlich egal. Das Frauen aber nicht ihren eigenen Verein gründen, sondern sich - in den von Männern gegründeten Vereinen, zickig aufführen und das Kommando übernehmen wollen, ist vielen lästig.

Das Schema ist immer das gleiche, erst Quote( wegen erwiesener Unfähigkeit) , dann vergraulen der Männer und Übernahme der Regentschaft. Dann folgt meist der Kommentar, warum machen denn die Männer nicht mehr mit ?

Witzig ist auch, dass Frau Schröder immer aus der scheinbaren Sicht der Männer schreibt und bewertet. Was diese Dame wohl kreischen würde wenn ein Mann gleiches tun würde ?

Die Frage ob weibliche Fussballbeine schön sind, oder ein Veilchen die weibliche Attraktivität steigert kann ein Mann wohl besser beurteilen als Frau Schröder, es sei denn sie ist lesbisch.

Im übrigen gibt es viel wichtigere Dinge als die Frage der weiblichen Emanzipation ( die wahrscheinlich ohnehin nur eine Erfindung der Medien ist), so lange Menschen auf diesem Planeten von Ideologinnen getötet werden, Menschen vor allem Kinder und alte Menschen verhungern.

Mein Tipp Frau Schröder, sich selber nicht so wichtig nehmen, lernen, wahrnehmen, verstehen und erst dann reden d.h. schreiben.
Sie sind noch ziemlich grün hinter den OIhren!

Mfg

Peter Wendt
Hamburg

KLARA SCHULZ 21.10.2008 17:03
Oh, armer schwarzer Kater!

Ach, Herr Wendt,
da wird frau ja ganz mitleidig, wenn sie Ihren Kommentar liest. So sehr auf den Schlips getreten hat Ihnen die Frau Schröder? Und die bösen, bösen Frauen in den Vereinen...! Sie armer unterdrückter Mann.
Da ist es doch ganz gut, wenn man sich auf die grünen Ohren der Schreiberin berufen kann, gelle? So als weiser Mann.

JOACHIM KIESS 30.08.2009 09:54
Neue Runde im Geschlechterkrampf

Ist es denn nicht ziemlich klar, warum sich Männer (zuweilen heftigst) wehren, wenn man ihnen auch noch die letzte "Bastion" der Männlichkeit (Fußball) streitig macht ?
Es ist Männern in dieser Gesellschaft faktisch nur noch möglich, ihren gesellschaftlichen Status über beruflichen oder sportlichen Erfolg zu erlangen bzw. zu dokumentieren. Frauen haben da eine wesentlich größere Auswahl an gesellschaftlich akzeptierten Entfaltungs- und Selbstdarstellungsmöglichkeiten. Es gab Zeiten, da konnte sich ein Mann allein über das Auto (oder Motorrad), das er fuhr, "in Szene setzen".
Im Übrigen: Frauen in Bau- und Technikmärkten sind doch nun wirklich stinknormale Realität geworden.
Aber wieviel kinderwagenschiebende Männer in Röcken sieht man denn im ach so egalitären abendländischen Kulturkreis (von Männern in Minrock und High-Heels mal ganz abgesehen) ?
Kann es vielleicht sein, dass viele Frauen unter Emazipation nur (noch) das verstehen, was ihnen persönlich nutzt und auch gefällt ? Alles andere ist aber "unmännlich".
Und wenn ein Mann auch nur eine Kleinigkeit dagegen sagt, dann kommen gleich so Statements wie: "... ach, Sie armer armer unterdrückter Mann."
Mit Hohn und Spott gegenüber Männern wird man im Zweifel nur erreichen, dass sie sich an ihren verbliebenen Bastionen noch viel krampfhafter festklammern, als sie es ohnehin schon tun ...



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