Kadettin Jenny Böken

Neue Rätsel um Tod auf der "Gorch Fock"

08. Oktober 2011 | 07:45 Uhr | Von fju

Die "Gorch Fock" kommt einfach nicht aus den Schlagzeilen: Was geschah in der Nacht auf den 4. September 2008? Foto: Marine

Wird der Fall der toten "Gorch Fock"-Kadettin Jenny Böken neu aufgerollt? Der Anwalt der Eltern hat bei der Staatsanwaltschaft eine Wiederaufnahme beantragt.

Kiel. Es gebe zahlreiche Ungereimtheiten in den Ermittlungen, kritisierte Vater Uwe Böken am Freitag gegenüber dem sh:z. Jenny Böken war im Alter von 18 Jahren am 3. September 2008 wenige Minuten vor Ende ihrer Nachtwache vor Norderney in die Nordsee gestürzt. Elf Tage später fanden Fischer die Leiche des aus Nordrhein-Westfalen stammenden Mädchens. Was Uwe Böken und seine Frau besonders stutzig macht: Der Ermittlungsbericht der Staatsanwaltschaft spricht von Tod durch Ertrinken. Dabei weist der Obduktionsbericht - so Rechtsanwalt Reiner Dietz gegenüber dem NDR-"Schleswig-Holstein-Magazin" - kein Wasser in den Lungen der Verstorbenen nach. Der Verdacht: Jenny Böken hätte demnach noch schon vor dem Versinken im Meer tot sein müssen. Die Staatsanwaltschaft geht trotzdem von einem Unfall aus.

Als in Teilen "amateurhaft" und "wohlwollend" beurteilt Dietz die Aufklärungsarbeit. Er hat Strafanzeigen wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung gestellt.

"Wir vermuten, dass Jenny eine Vergewaltigung attestieren lassen wollte"

Mutter Marlis Böken hatte bereits früher den Verdacht geäußert, ihre Tochter sei sexuell bedrängt worden und bei einer Rangelei über Bord gegangen. Die Mutter verweist auf E-Mails mit der dringenden Bitte ihrer Tochter, einen Termin beim Frauenarzt abzumachen: "Wir vermuten, dass Jenny eine Vergewaltigung attestieren lassen wollte."

Weitere Vorwürfe, die ihr Anwalt erhebt: Ihm zufolge soll die Marine vor Dienstantritt der Kadettin Zweifel an ihrer Eignung gehabt haben. Bei einer Personalkonferenz sollen Schlafstörungen und Einschlafen des Mädchens im Unterricht Thema gewesen sein.

Die Prüfung des Wiederaufnahmeantrags werde frühestens Ende kommender Woche abgeschlossen sein, sagte die Sprecherin der Kieler Staatsanwaltschaft, Birgit Heß. Bis dahin lehnt sie eine weitere Stellungnahme ab. Der Sprecher des für die "Gorch Fock" zuständigen Rostocker Marineamts, Gunnar Wolff, sieht vor einer Entscheidung der Ermittlungsbehörde "keinen Bedarf" für eine Reaktion. Grundsätzlich äußerte er Zweifel, ob die Todesursache "letztgültig feststellbar" ist - es habe schließlich keine Augenzeugen gegeben.


 

Leserkommentare

 
KOMMEN TATOR 08.10.2011 16:18
Was ist eigentlich mit den Staatsanwaltschaften los?

Langsam verliere ich den Glauben in den rechtsstaat. Bei der Staatsanwalt Lübeck verschwinden im Fall Barschel Beweismittel oder werden mit nach Hause genommen. Bei der Staatsanwaltschaft Kiel werden solche "Merkwürdigkeiten", dass jemand ohne Wasser in der Lunge ertrinken kann oder dass vermeintliche Tote im Umkehrschluss von selbst über die Reling springen können übersehen. Was für Leute sitzen da???

JØRAN-NJÅL SOLBAKKEN 08.10.2011 18:28
Interessante Aussage

"Grundsätzlich äußerte er Zweifel, ob die Todesursache "letztgültig feststellbar" ist -
es habe schließlich keine Augenzeugen gegeben."

Falsch!
Dank der Gerichtsmedizin ist eine Augenzeugin vorhanden: Jenny Böken.
Daher ist es mehr von Interesse, was die Gerichtsmedizin zu diesem Fall sagen
kann, als eine (unfähige?) Staatsanwaltschaft, die vermutlich (?) Fakten unter
dem Tisch kehrt, anstatt die Ergebnisse richtig auszuwerten.

Ich bin schon bestürzt, wie die Staatsanwaltschaften in Schleswig-Holstein
Arbeiten. Mögliche Beweismittel verschwinden oder werden einfach nach Hause
mitgenommen (Fall Lübeck) oder Fakten womöglich verdreht (Fall Kiel).
So geht das nicht!

DIETER KLAUS 08.10.2011 20:05
Chaosbude auch Staatsanwaltsschaft Flensburg :

wenn es dort nicht nach der Nase der "Führerin" geht, dann gibt es "Zickenalarm"
der "besten Güte".

PETER CARSTENS 08.10.2011 23:04
Verborgene Tötungsdelikte

Es gibt mehrere Sachbücher zum Thema, nach denen in Deutschland jeder 2.(!) Mord nicht entdeckt wird, da bei Autopsien geschlampt oder einfach gespart wird. Es werden Beispielfälle gelistet, wo Amtsärzten wortwörtlich das Messer im Rücken einer Leiche übersahen... man kann vor Unglauben nur fassungslos den Kopf schütteln. Ob dieser Fall so einer ist, mag ich nicht zu beurteilen - aber ein gesunder Zweifel an den Tätigkeiten bundesdeutscher Staatsanwaltschaften ist mit Sicherheit nicht unangebracht.

HOLGER SCHÜTT 09.10.2011 03:09
Deutschland, Deine Kinder!

Die lässt man nicht ins offene Messer laufen..., dass macht man nicht! Wie jetzt? Vergewaltigung? Ich denk sie wog 150 Kilo, war da nicht was? Es wird sowieso keine Antwort geben. Was nicht sein soll, wird nicht sein. Und den Justiz-Ort Deutschland nimmt doch wohl keiner mehr Ernst, oder? Ich glaube eher an die Jungfräulichkeit einer Hure, als an die deutsche Justiz! Noch Fragen? Immer gerne... Holgi-Der Demokrat PS: Mein Mitgefühl gilt den Eltern



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