Prozess in Hamburg

Mutter von Lara Mia schweigt vor Gericht

20. September 2011 | 12:27 Uhr | Von dpa

Die angeklagte Jessica R. auf der Anklagebank. Sie macht zu den Tatvorwürfen bislang keine Angaben. Foto: dpa

Der Tod der völlig abgemagerten Lara Mia beschäftigt erneut die Hamburger Justiz. Zum Prozessauftakt schwieg die angeklagte Mutter zu den Tatvorwürfen.

Beim erneuten Prozess um den Tod des Babys Lara Mia hat die angeklagte Mutter am Dienstag vor dem Hamburger Landgericht zu den Tatvorwürfen geschwiegen. "Ich möchte keine Angaben machen", sagte die zierliche 21-Jährige am ersten Verhandlungstag. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem versuchten Totschlag durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor. Laut Anklage hatte sie ihren Säugling schon wenige Wochen nach dessen Geburt nicht mehr ausreichend gefüttert. Das kleine Mädchen sei zunehmend schwächer geworden und ab Februar 2009 schon lebensbedrohlich dünn gewesen, ohne dass die Mutter etwas dagegen unternommen habe. Sie habe das Leiden des Kindes zunehmend gleichgültig in Kauf genommen, hieß es weiter. Bei seinem Tod im März 2009 wog das neun Monate alte Kind nur noch 4,8 Kilo - das Doppelte wäre normal gewesen.

Ihr sei schon aufgefallen, dass Lara Mia immer dünner wurde, soll die Angeklagte in der polizeilichen Vernehmung unmittelbar nach dem Tod des Mädchens gesagt haben. Das schilderte ein Polizeibeamter zum Prozessauftakt im Zeugenstand. Das Kind habe nicht essen wollen, es habe immer mehr getrunken als gegessen. Laut Protokoll, das vor Gericht verlesen wurde, sagte die Angeklagte: "Ich habe immer versucht, ihr was zu essen zu geben, da wurde sie wieder dicker. Kurz danach war sie aber wieder dünn." Aus Angst, man würde ihr das Kind wegnehmen, sei sie nicht zum Kinderarzt gegangen. Sie habe sich aber ihrer Betreuerin vom Jugendamt anvertraut und ihr gesagt, dass sie mal mit Lara Mia zum Arzt gehen müsse.

"Da habe ich sofort Panik bekommen"

Am Tag des Todes ihrer Tochter sei die Angeklagte noch mit dem Hund Gassi gegangen. Als sie wiederkam, habe sie ihrer Tochter über den Rücken gestreichelt und gemerkt, dass sie sich nicht mehr bewegte. "Da habe ich sofort Panik bekommen", sagte sie laut Protokoll. Ihr damaliger Freund schilderte den Beamten, dass er nach den Rufen seiner Freundin ans Bett des kleinen Mädchens gekommen sei, den neunmonatigen Säugling erst schüttelte, ihm noch die Windel auszog. Dann habe er gesehen, dass Lara Mia blau angelaufen war. Er habe versucht, das Kind mit Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben. Die genaue Todesursache blieb bislang allerdings unklar - Rechtsmediziner konnten auch einen plötzlichen Kindstod nicht ausschließen.

Eigentlich sollte sich die Mutter am Dienstag zusammen mit ihrem ehemaligen Lebensgefährten vor Gericht verantworten. Der ist aber nicht verhandlungsfähig, das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt.

Ein Urteil wird nicht vor November erwartet

Das Hamburger Landgericht hatte das ehemalige Paar im Juli 2010 bereits wegen gefährlicher Körperverletzung und Verletzung der Fürsorgepflicht zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil im Mai dieses Jahres jedoch wieder auf und verwies das Verfahren zurück nach Hamburg.

Den Antrag des Verteidigers auf Ausschluss der Öffentlichkeit wies die Kammer am Dienstag - anders als beim ersten Prozess - zurück. Für Dienstagnachmittag waren noch zwei weitere Polizeibeamte und eine Nachbarin als Zeugen geladen. Für den neuen Prozess sind zehn Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor November erwartet.


 

Leserkommentare

 
PETER CARSTENS 21.09.2011 07:56
Haftstrafe? Wohl kaum...

Wie nahezu all diese Prozesse wird es am Ende heissen, die Mutter sei durch den Tod schon gestraft genug und es endet - erneut - mit einer Bewährungsstrafe. Einem Vater wird bei solch schrecklicher Tat die geistige Nähe zum Kind abgesprochen - einer Mutter als ausreichende Bestrafung ausgelegt. Abartig!



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