Mozart sorgt für glückliche Gesichter
Große Besetzung in der St. Marienkirche: Volker Linhardt leitete ein Konzert mit Orchester, Kantatenchor und Solisten. Foto: Frank
Volker Linhardt hat einen großartigen Einstand gegeben. Der neue Kirchenmusiker der Gemeinde St. Marien leitete am Sonntag zum Abschluss des Schleswig-Holstein-Tags erstmals in Rendsburg ein groß besetztes Chor- und Orchesterkonzert und feierte einen rauschenden Erfolg.
Der Kantor hatte ein reines Mozart-Programm mit beliebten Werken auf das Programm gesetzt. Zuerst erklang die Motette Exsultate, Jubilate (KV 165) mit Andrea Stadel (Sopran) als Solistin: Mit ihrer tragfähigen und geschmeidigen Stimme sowie fantastischem Orchesterzusammenspiel entstand unter der Leitung von Volker Linhardt eine spritzige Wiedergabe dieses Werks. Diese Stimme, diese Koloraturen, dieser lange Atem: Andrea Stadel hatte keine Mühe, ihren herausfordernden Part mustergültig zu gestalten. Nach diesem jubelnden Einstieg wären Bravo-Rufe nicht unpassend gewesen - aber das artige Publikum hielt sich noch zurück.
Den verdienten Beifall gab es erst nach der lebendigen Interpretation der "kleinen" g-moll-Sinfonie KV 183. "Die Mozart-Sinfonie ist mein Lieblingsstück", gestand Volker Linhardt unmittelbar nach dem Konzert. Das konnte man schon nach den ersten Takten spüren. Seit dieser fulminanten Aufführung gehört sie bei den Rendsburger Konzertbesuchern ebenfalls zu den Lieblings-Mozart-Sinfonien. Erreicht hatten Linhardt und die Mitglieder der Kieler Philharmonie das mit wachem und engagiertem Zusammenspiel.
Die vier Sätze wurden in frisch-fetzigem Tempo so mitreißend klar und präzise musiziert, dass man sie eigentlich nie wieder anders als unter Linhardts Leitung mit diesem Orchester hören will. Das gilt auch für das folgende "Laudate Dominum" aus der "Vesperae solennes de confessore" KV 339: Hier hatte der Kantatenchor St. Marien seinen ersten Einsatz, der bis dahin mustergültig hinter dem Orchester sitzend der Musik gelauscht hatte. Super-Einsatz und Klang des Chores, dazu Andrea Stadels Sopran: Unvergesslich. Eine Sternstunde der Kirchenmusik!
Zum Schluss erklang die Krönungsmesse KV 317: Ein strahlendes Werk mit kraftvollem Beginn des Orchesters, Pauken und Trompeten sowie vier Gesangssolisten: Andrea Stadel, Birgit Macziey (Alt), Julian Redlin (Bass) und Christkirchenkantor Roland Möhle (Tenor). Auch wenn sich seine Stimme in der direkten Folge nach Andrea Stadel als nicht so tragend erwies, wurde dieser Auftritt zu einem weiteren, wichtigen Zeichen künftiger Zusammenarbeit beider Kirchenmusiker. Auch hier wurde wieder die lebendig-präzise Musikauffassung Linhardts deutlich: Rasche Tempi, keine Hektik, deutliche Akzente.
Zum Schluss war das ergreifende "Agnus Dei" mit Chor und engelsgleicher Stimme Andrea Stadels zu hören: ". . . erbarme Dich unser. Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünde der Welt. Gib uns Deinen Frieden." So vorgetragen, wird diese Bitte bestimmt erhört. In der St. Marien-Kirche war es jedenfalls so: Extra Applaus gab es für den Chor, die Solisten und das Orchester. Glückliche Gesichter. Niemand schien das Ende dieses Konzerts annehmen zu wollen - aber nach dem großartigen Erlebnis der Krönungsmesse passte eine Zugabe wirklich nicht. Noch lange wurde - wie sonst nie - vor der Kirche und auf dem Weg zum Auto engagiert das Gehörte kommentiert. Darin waren sich alle einig: "Das Konzert war super, ein toller Einstand. Volker Linhardt hat etwas Neues in Gang gesetzt!"
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