Fünffacher Mord

Mordkommission hält Mutter für "schuldunfähig"

06. Dezember 2007 | 19:00 Uhr | Von lno

Einfamilienhaus in Darry: Der Tatort bleibt auch am Donnerstag weiterhin abgesperrt. Foto: dpa

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Bereits am Mittwoch wurde es vermutet, jetzt folgte die Bestätigung durch die Ermittler: Die Mutter der getöteten fünf Kinder hat ihre Tat einem Arzt gestanden. Die Mordkommission sieht die Mutter "allerdings im Zustand der vollständigen Schuldunfähigkeit".

Die Mutter der im schleswig-holsteinischen Dorf Darry getöteten fünf Jungen hat die Tat in der psychiatrischen Klinik Neustadt im Gespräch mit einem Arzt am Mittwoch selbst gemeldet. Das sagte der Leiter der Kieler Mordkommission, Stefan Winkler, am Donnerstag in Plön. Sie habe angegeben, ihre Kinder umgebracht zu haben. Die vom Arzt informierte Polizei fand die betäubten und erstickten Kinder im Haus der Familie. Ein Sprecher der Psychiatrischen Klinik in Neustadt (Ostholstein) dementierte am Mittwochabend jedoch Spekulationen, wonach die 31-Jährige wenige Stunden vor der Tat versucht haben soll, sich in die Klinik einweisen zu lassen, dort aber abgewiesen wurde.

"Wir beschuldigen sie des fünffachen Mordes, allerdings im Zustand der vollständigen Schuldunfähigkeit" sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick. Wick hatte bereits am Donnerstagmittag das vorläufig Obduktionsergebnis mitgeteilt. Danach wurden die fünf Kinder aus Darry erstickt. "Eine Verabreichung von Schlafmitteln ist nicht auszuschließen."

Schon im August Hilferufe der Familie

Die 31-jährige Mutter wurde in der Fachklinik Neustadt vorläufig festgenommen. Sie solle dauerhaft in der Psychiatrie bleiben, sagte Wick. Der Soziale Dienst des Kreises Plön bekam erstmals im August Hinweise darauf, dass die Familie Hilfe benötigte. Dies teilte der Plöner Landrat Volkram Gebel mit. Die Initiative sei von einem der beiden Väter ausgegangen. Er habe im August dem Sozialpsychiatrischen Dienst von religiösen Fantasien der Mutter der fünf Jungen berichtet.

Das Dorf Darry steht weiter unter Schock. Der reguläre Schulunterricht im Ort fiel am Donnerstag aus. Weinende Eltern begleiteten ihre Kinder zu der kleinen Grundschule, die von 72 Schülern besucht wird. "Es findet kein Unterricht statt, vier Pastoren und Psychologen kümmern sich um die Schüler", sagte die sichtlich bewegte Schulleiterin Andrea Danker-Isemer. Ein weiterer Seelsorger sei im angrenzenden Kindergarten im Einsatz. Danker-Isemer hatte am Mittwoch von der Polizei von dem Familiendrama erfahren.

"Die Kinder machten einen ordentlichen Eindruck"

Eltern und Schüler wiesen Berichte zurück, dass die Kinder verwahrlost gewesen seien. "Sie waren offenbar nicht wohlhabend", sagte eine 33-jährige Mutter. "Das stimmt überhaupt nicht, dass sie vernachlässigt waren", sagte ein elfjähriges Mädchen aus der Nachbarschaft. Sie hat häufig die beiden älteren Jungen Justin und Jonas ein Stück auf ihrem Schulweg begleitet, sagte das Mädchen am Morgen an der Haltestelle, wo sie auf den Bus zum Gymnasium nach Lütjenburg wartete. "Einmal ging einer von ihnen in Hausschuhen zur Schule, aber nur weil er vergessen hatte, richtige Schuhe anzuziehen", berichtete die Schülerin.

Nach Angaben von Nachbarn stammte der Vater der drei jüngsten Kinder aus den USA, der andere Vater lebt demnach in Kiel. Zwei Kinder sollen unter leichten Behinderungen gelitten haben. Die Jungen spielten oft lautstark im Garten des kleinen Einfamilienhauses und seien sehr lebhaft gewesen. Die Mutter lebte den Angaben zufolge sehr zurückgezogen, sie war meistens im Haus. Vor drei Monaten war sie mit ihren Kindern nach Darry gezogen.

Die Familie sei vom Jugendamt betreut worden, sagte die Frau des Bürgermeisters von Darry, Stefanie Arnold, am Morgen. Berichte über eine Verwahrlosung der Kinder bestätigte sie unterdessen nicht. "Die Kinder machten einen ordentlichen Eindruck. Wir haben uns nie vorstellen können, dass hier so etwas passiert." Zum Schutz von Kindern vor Gewalt und Verwahrlosung hatte der schleswig- holsteinische Landtag erst am 21. November ein Kinderschutzgesetz beschlossen und damit verbindliche Vorsorgeuntersuchungen im nördlichsten Bundesland eingeführt.


 

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