FLENSBURGER TAGEBLATT
Scheersberg
Mit Spiel und Spaß Barrieren abbauen
Quern. "Hier im Zeltlager ist einfach alles möglich." So fasste Lagerleiterin Lilli Scheiermann die Grundidee zusammen, die hinter dem jährlich stattfindenden "Interkulturellen Zeltlager" Neukirchen steht, das gestern nach einer Woche in der Jugendfreizeitstätte Neukirchen zu Ende ging. 50 Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren erlebten sieben Tage voller Spannung, Spiel und Abenteuer - ganz unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben oder dem Einkommen der Eltern.
Genau darum ging es den Initiatoren vom Kreisjugendring (KJR) Schleswig-Flensburg, die das Zeltlager vor drei Jahren ins Leben riefen. KJR-Mitglied Wulf Dallmeyer: " Im Jahr 2007 war das Thema Integration in den Medien sehr präsent, weshalb auch wir uns überlegten, welchen Beitrag wir dazu leisten könnten." Aus diesem Gedanken habe sich die Idee des interkulturellen Ferienlagers entwickelt, in dem Kinder mit und ohne Migrationshintergrund gemeinsam eine unbeschwerte Zeit verbringen - und dabei jeweils einen Einblick in die verschiedenen Kulturen erhalten, wie Dallmeyer erklärte. "Auch ich selbst habe in den letzten Jahren viel gelernt und typische Vorurteile abgelegt", sagte er zum Schluss.
Das Lager finanzierte sich auch dieses Mal zum größten Teil durch Spenden und eine geringe Teilnahmegebühr. Insgesamt 14 Betreuer - ebenfalls mit und ohne Migrationshintergrund - und zwei Lagerleiter standen den Kindern und Jugendlichen dabei zur Seite. Das unkomplizierte Miteinander der Teilnehmer, das sich auch durch manche Sprachbarriere nicht stören ließ, wurde von einem bunt gestalteten Programm umrahmt. So gab es etwa einen "Harry-Potter-Tag", an dem sich jedes Kind wie ein Zauberer fühlen durfte, oder einen "Feiertags-Tag", an dem die Betreuer als Weihnachtsmann verkleidet zum Frühstück erschienen. Dazu wurde dann unter anderem thematisiert, was es für unterschiedliche Feiertagstraditionen auf der Welt gibt. Auch die übrigen Zeltzeiten, die die Teilnehmer allein oder mit ihren Betreuern verbrachten, gaben viel Raum für Gespräche oder Spiele. Lilli Scheiermann, die selbst einen Migrationshintergrund hat und Erziehungswissenschaften in Flensburg studiert, lobte am Ende die tolle Atmosphäre und die Möglichkeiten, die das Ferienlager für die Teilnehmer geboten hat: " Ich weiß, wie es ist, die Sprache nicht zu sprechen, ich kenne die Probleme dieser Kinder. Durch dieses Lager werden Barrieren und Berührungsängste abgebaut." Dies sei etwas, wovon die Kinder auf beiden Seiten lange zehrten.
Dem elfjährigen Dilsa gefiel das Zeltlager sehr gut: "Ich fand die Disco am besten, aber die gemeinsamen Spiele waren auch toll." Maya und Ayleen, elf und zehn Jahre alt, schwärmten: " Der Harry-Potter-Tag war ganz toll. Das hat richtig Spaß gemacht." Eine Tradition, die beinahe täglich zelebriert wurde, war der gemeinsame Lagertanz, den die Betreuer eigens für jedes Zeltlager im Vorfeld entwickeln. Dabei bauten die Kinder - und auch die Betreuer - überschüssige Energien ab und genossen die gemeinsame Zeit. Die 19-jährige Betreuerin Nadine Penner erklärte schließlich, wie Probleme des Alltags in dieser einen Woche in den Hintergrund traten: "Man ist fast ein bisschen in einer anderen Welt." Die kleine Maya meinte stellvertretend für alle und völlig wertfrei: "Wir sind doch alle Deutsche hier."




