Bünsdorf
Missbrauch? Kirche will Klärung
Die Kirche der Gemeinde am Wittensee ist voll besetzt - wie sonst nur zu Weihnachten. Die Stimmung unter den 120 Besuchern der außerordentlichen Gemeindeversammlung in Bünsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist angespannt: Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch aus dem Jahr 1998 gegen "ihren" Pastor Thies F., seine Suspendierung aus dem Amt und der Rückzug des 48-Jährigen mit seiner Familie in ein Exil lasten auf der Versammlung. Für den Kirchenvorstand erklärt die zweite Vorsitzende Anja Fedder: "So wie in jedem anderen strafrechtlichen Ermittlungsverfahren gilt auch für unseren Pastor die Unschuldsvermutung."
Propst Sönke Funck muss sich gegen Kritik an seiner Öffentlichkeitsarbeit zur Wehr setzen - nicht weil er zu wenig, sondern weil er zu viel gesagt haben soll. Er habe die Gründe für die Ermittlungen letztlich bestätigt, weil diese öffentlich geworden seien. "Ich hätte mich sonst ins Unrecht gesetzt." Es gehe doch um die genannten Vorwürfe.
Keine Vorwürfe bei Amtsantritt
Die wichtigste Frage stellt Karl Schröder, Vorsitzender des Kirchenvorstands. Er will wissen, ob vor Thies F.s Amtsantritt 1999 in der Kirche bekannt gewesen sei, dass es Missbrauchsvorwürfe gegen den Pastor gibt. Ob Thies F. aus Hamburg weggelobt worden sei. Dazu kommt ein "ganz klares Nein" von Kirsten Voß. Die Oberkirchenrätin versichert, es habe zu dem Zeitpunkt, als der Pastor von Rahlstedt nach Bünsdorf wechselte, keine derartigen Vorwürfe gegeben.
Und so bringt der Abend, an dem der Gemeinde klar wird, dass sie sich auf eine längere Zeit ohne "ihren" Pastor einstellen muss, vor allem den Wunsch vieler, ihm den Rücken zu stärken.
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