Wolfgang Kubicki

Mindestens 400 neue Lehrer für Turbo-Abitur

18. März 2010 | 19:06 Uhr | Von Peter Höver

Damit das Turbo-Abitur (G8) Erfolg hat, sind mindestens 400 neue Lehrer nötig, sagt FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki.

Im schwarz-gelben Koalitionsstreit um die Zukunft des Abiturs in Schleswig-Holstein ist FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki in die Offensive gegangen. Auch die Liberalen wollten, dass das von der Union favorisierte Abitur nach acht Jahren ein Erfolg werde, sagte Kubicki. Dies sei aber nur möglich, "wenn wie im Koalitionsvertrag vereinbart erhebliche zusätzliche Mittel" für die Gymnasien bereit gestellt würden. Nötig seien "mindestens 400 zusätzliche Lehrerstellen" sowie weitere finanzielle Ressourcen.

In der Art und Weise, wie das von der großen Koalition landesweit eingeführte Turbo-Abitur bisher umgesetzt werde, sei der Lernstoff in acht statt neun Jahren "unmöglich sinnvoll unterzubringen", so Kubicki. Die Klassen seien zu groß, binnendifferenzierter Unterricht nicht möglich und die Belastung der Schüler mit bis zu 35 Unterrichtsstunden in der Woche "unakzeptabel hoch". "Wenn dann noch die Hausaufgaben dazukommen, fällt jede Freizeit unter den Tisch." Gymnasien dürften nicht zum "Synonym für Dauerstress werden" und selbst normal begabte Schüler "irgendwann einen psychischen Knacks bekommen".

FDP will nicht komplett zurück zu G9

Kubicki verteidigte die Überlegungen von Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) zur Öffnung der Gymnasien für einen neunjährigen Weg (G9) zum Abitur. Die Behauptung, die FDP wolle damit flächendeckend zurück zu G9, sei "völlig daneben". Das wäre auch "komplett falsch". Vielmehr gehe es darum, auch in Regionen des Landes mit wenigen gymnasialen Angeboten beide Varianten anzubieten.

Den Hinweis, an Gemeinschaftsschulen sei das Abitur auch in Zukunft nach neun Jahren erreichbar, ließ Kubicki nicht gelten. Zum einen könnten längst nicht alle im Aufbau befindlichen Gemeinschaftsschulen eine gymnasiale Oberstufe anbieten, weil sie die nötige Größe nicht erreichten. Zum anderen wolle er kein Gymnasium, das "am Ende eine Eliteschule ist, weil nur noch die Überflieger dort ihr Abitur nach acht Jahren schaffen können und Eltern den Fehler machen, ihre Kinder in solche Bildungsgänge zu pressen". Eine solche Politik laufe allen Zielen entgegen, die Zahl der Schüler mit allgemeiner Hochschulreife in den nächsten Jahren deutlich zu steigern.

Der Koalitionsausschuss von CDU und FDP hatte sich am Montag nicht auf eine gemeinsame Lösung in dem Schulkonflikt verständigen können. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) zeigte sich dennoch zuversichtlich, einen Konsens im Koalitionslager erreichen zu können.


 

Leserkommentare

 
PETER MEIER 12.04.2010 03:27
Mehr als 74 Prozent der Bürger wollen zurück zu G9 !

Es war die FDP, die mit ihrer Presseinformation vom 31.3.2010 meldete, dass mehr als 74 Prozent der Schleswig-Holsteiner zurück zu G9 wollen. Dennoch hält Kubicki -und damit die FDP- die flächendeckende Rückkehr zu G9 für völlig daneben. Ganz nach dem Motto: Wir regieren, also bestimmen wir, egal was der Bürger denkt !" Statt dessen fordert er vollmundig öffentlich 400 neue Lehrerstellen, um das G8-Desaster an den Gymnasien zu kaschieren. Wohl wissend, dass diese Forderung beim Koalitionspartner CDU nicht durchzusetzen ist. Kubicki negiert, wie auch die CDU und die SPD weiterhin den massiven Protest gegen das G8-Desaster der vielen Elterninitiativen in ganz Schleswig-Holstein. Er zeigt sich unbeeindruckt von tausenden Unterschriften und stapelweise im Bildungsministerium eingegangenen Protestbriefen. Aber er befindet sich in guter (schlechter) Gesellschaft. Die bildungspolitische Sprfecherin der CDU-Landtagsfraktion am 26.2.2010: "Wir dürfen mit G9 nicht die Nachzügler aus "Schläfrig-Holstein" werden." Und der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Rickers am 30.3.2010: "Wir wollen keine Rolle rückwärts. Die Belastungen für die G8-Schüler sind durchaus vertretbar. G9 kann es allenfalls als ganz große Ausnahme an bestimmten Standorten geben." FDP, CDU und SPD machen Arm in Arm Front gegen die Elterninitiativen. Darauf kann es jetzt nur noch eine Antwort geben, das Bürgerbegehren und den Volksentscheid. Die Elterninitiativen in Niedersachsen haben bewiesen, dass dieser Weg zum Erfolg, also zurück zu G9 führt. Ganz gleich, wie FDP, CDU und SPD darüber denken.



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