Louisenlund öffnete die Türen: Internat setzt auf Internationalität
Kleine Klassen und Ganztagsunterricht sind das A und O, das den Schulalltag im Internat Louisenlund von den allgemeinen Schulen unterscheidet. Davon überzeugten sich am Wochenende mehr als 30 Familien, die zum Tag der offenen Tür der Unterstufe von der 5. bis zur 8. Klasse auf das ehemalige Gut Louisenlund nach Güby kamen."Das Internat ist die beste Schulform", sagt Prof. Dr. Werner Esser, seit eineinhalb Jahren Leiter des Internats. "Da das nicht überall möglich ist, ist die Ganztagsschule das Modell der Zukunft", plädierte der Internatsleiter in einem Pressegespräch dafür, dass Lernen mehr ist als Unterricht. "Wir leben Schule", so Dr. Esser. "Unsere Ziele sind traditionell: Kompetenz, Engagement und Verantwortung." Ohne dabei auf Leistung zu verzichten, sollen den Kindern möglichst große Spielräume eröffnet werden. Der Internatsleiter: "Wir wollen weg vom Konzept des Frontalunterrichts." Wer den Aufbau einer privaten Montessori-Schule verfolgt hat oder vom Alltag an einer Waldorfschule weiß, erkennt den reformpädagogischen Ansatz. Dr. Esser: "Aber nicht als Selbstzweck, wir richten uns konsequent auf das aus, was nach dem Abitur kommt."
Weil Internationalität und Länder übergreifender Austausch wichtiger werden, geschieht das mit bilingualem Unterricht, beispielsweise Geschichtsunterricht und Abiturprüfungen in Englisch, und dem vor zwei Jahren eingeführtem International Baccalaureate (IB), einem weltweit anerkanntem Abitur.
Bei einem Rundgang über das Gelände und durch die Gebäude, in denen die Unterstufenschüler leben und unterrichtet werden, erhielten die Interessierten einen Einblick in das Internatsleben. Von den Zimmern sind es nur wenige Schritte bis zu den Klassenräumen, in denen nachmittags auch die Gilden stattfinden, so heißen in Louisenlund die Arbeitsgruppen.
Im Zimmer der sechsten Klasse demonstrierten die Kinder der Modellbau-Gilde, die der Elektro-Servicetechniker Matthias Bergmann aus Fleckeby leitet, fernlenkbare Flug- und Fahrzeuge. Mathematik und Physik unterrichtet in dieser Klasse Wolfgang Bahr, der seit 1976 Lehrer in Louisenlund ist."Nachmittags nach dem Unterricht bin ich weiter ansprechbar und kann individuell fördern", so der 64-jährige Lehrer aus Groß Wittensee, der den Ganztagsunterricht nicht missen möchte. "Das erfordert hohes zeitliches Engagement", erklärte Mathe-Lehrer Bahr, dessen Sohn Fabian die 6. Klasse besucht, "aber die positiven Rückmeldungen machen mich zufrieden."
Die Unterschiede zum herkömmlichen Schulalltag hob auch Unterstufenleiter Christian Helm hervor. "An einer normalen Schule habe ich in elf Klassen unterrichtet", erinnert sich Christian Helm, der lange Hausvater einer Schülergruppe war. "Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich an Elternsprechtagen manchmal nicht wusste, über welche Schüler ich gerade spreche."
Am Gymnasium und der IB World School für Jungen und Mädchen mit Internat lernen und leben insgesamt fast 360 Schüler, darunter etwa 50 Externe. Der Aufenthalt kostet für Externe rund 900 Euro monatlich plus Aufnahmegebühr, ein Schulplatz für Interne etwa 2400 Euro. Auf Antrag gewährt die Stiftung Stipendien.
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