Lietz-Gruppe hat jetzt die Hälfte der Stimmen gegen Dahl
3991 Stimmen sind das Minimum - die laut Gemeinde-Ordnung erforderlichen 20 Prozent aller Wahlberechtigten der Stadt. "Zirka die Hälfte", sagt Lietz, hätten er und seine Mitstreiter im Friedrichsberg und in der Ladenstraße seit dem 26. November erreicht, zudem liegen Listen in rund 20 Schleswiger Geschäften aus. "Die meisten Leute sagen: Ich suche schon lange eine Liste, auf der ich unterschreiben kann", bilanziert Lietz, "neun von zehn Passanten, die wir antreffen, sind dafür".
Was sagt der Betroffene selbst zur Halbzeit-Bilanz? Auf SN-Anfrage spricht Dahl per Mail von "unzähligen Rückmeldungen" im Sinne von "Halten Sie durch!" und "Machen Sie weiter!" Dahls Meinung zum Prozedere: "Es ist ein demokratisches Verfahren."
Doch wie ist das Verhältnis zwischen Bürgermeister und dem Initiator des Abwahl-Verfahrens? Lietz berichtet von einem "Schreiben ohne Umschlag", das ihm der Schleswiger Verwaltungschef in seinen Briefkasten gesteckt habe. Inhalt: die von Karsten Lietz eigens eingerichtete Homepage, auf der Besucher das Formular zur Aktion herunterladen können. Was Dahl in seinem Brief an Lietz kritisiert, lässt er Leser seiner eigenen Internetseite wissen: "Die Vewendung meines Namens in seiner Internet-Domain verstößt aus meiner Sicht gegen Namensrechte. Ich fordere Herrn Lietz daher auf, seine Internet-Domain zu ändern." Lietz zu unserer Zeitung: "Darauf reagiere ich nicht. Ich lasse mich nicht unterkriegen", sagt der Rentner, der von Rainer Claudius, Dieter Kock, Dieter Johannsen und Widukind Allekotte unterstützt wird.
In 49 Aktions-Tagen ist das Team vereinzelt auf Widerstand gestoßen. Ein Drohbrief hat Lietz erreicht. "Was Du da vorhast, ist doch wohl nicht Dein ernst", lässt ihn ein Unbekannter wissen. Der letzte Absatz klingt weniger harmlos: "Die Folgen bekommst Du wieder zurück." Eine weitere Tat: Ein Unbekannter zerriss drei gut gefüllte Unterschriften-Zettel mit Platz für maximal 30 Namen in kleinste Stücke.
Nach diesen Erfahrungen hat die Lietz-Gruppe ein offizielles Schreiben formuliert: "Anlässlich des Erreichens der zirka halben Anzahl der geforderten Unterschriften, um das Abwahlverfahren gegen Thorsten Dahl in Gang setzen zu können, möchten wir - entgegen einiger Vorwürfe - ausdrücklich betonen: Wir sind eine Gruppe parteiloser Bürger, die ein demokratisches Verfahren in Gang setzen, um die Abwahl des Schleswiger Bürgermeisters Thorsten Dahl zu erreichen. Wie wir aus Gesprächen mit Schleswiger Bürgern erfahren haben, sind viele Schleswiger nicht mit der Arbeitsweise von Thorsten Dahl einverstanden. Wir bitten alle Gleichgesinnten, uns bei der Abwahl des Bürgermeisters durch ihre Unterschrift zu unterstützen." Bürgermeister Dahl hält dagegen: "Ich werde weiter mit vollem Antrieb für Schleswig arbeiten. Dabei werden mich Herr Lietz und seine Mitstreiter nicht bremsen."
Auch Lietz lässt sich nicht bremsen, ist dreimal wöchentlich auf den Straßen unterwegs, hat sonnabends einen kleinen Stand auf dem Wochenmarkt am Stadtfeld eingerichtet. Pikant: Angemeldet wurde dieser Stand beim Ordnungsamt der Stadt. Damit wird Lietz dieselbe Chance eingeräumt wie Parteien im Kommunalwahlkampf.
Bis Mitte März will Karsten Lietz mindestens 3991 Unterschriften sammeln, damit die Kommunalaufsicht im Innenministerium ausreichend Zeit zur Prüfung hat. Damit der Stadt keine zusätzlichen Kosten entstehen, schwebt Lietz ein Bürgerentscheid zur Dahl-Abwahl zeitgleich zur Europa-Wahl am 7. Juni vor.
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