Pflege-Tüv
KOMMENTAR: Nicht einknicken
Der Widerstand der Heimträger gegen die Veröffentlichung der miserablen schleswig-holsteinischen Pflegenoten bestätigt alle Kritiker, die seit Jahren bedenkliche Zustände in unseren Pflegeeinrichtungen anprangern. Der Schluss liegt doch nahe: Wer sich per Anwalt gegen die Bekanntmachung der Prüfberichte im Internet wehrt, muss Dreck am Stecken, mindestens aber etwas zu verbergen haben. Natürlich gibt es wie bei jedem neu eingeführten Verfahren Anlaufschwierigkeiten. Doch das ist kein Grund, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Die Kassen haben schon früh signalisiert, im Bedarfsfalle die Prüfkataloge nachzubessern. Mit Kuschelnoten und weich gespülten Berichten des Medizinischen Dienstes ist Pflegebedürftigen und deren Angehörigen nicht geholfen. Sie brauchen klare Kriterien, an denen sie sich bei der Suche nach einem geeigneten Heim orientieren können. Sozialpolitiker und Krankenkassen sollten deshalb jetzt den Rücken gerade machen und nicht vor der jammernden Heim-Lobby einknicken. Der Pflege-Tüv ist ein Segen. Er rückt die Bedeutung kompetenter, menschenwürdiger Betreuung wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit - und löst hoffentlich auch eine neue Diskussion über eine angemessene Bezahlung der Pflegenden und über deren Arbeitsbedingungen aus.
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Der Prüfkatalog war ja vorher lange bekannt und insofern hätte jede Einrichtung die Möglichkeit gehabt, sich selbst auf mögliche Mängel zu prüfen.
Das ist vielerorts sicher auch geschehen. Es wird Zeit, dass die schlechten Ergebnisse öffentlich gemacht werden, denn nur dann ist es auch möglich, sich auf Spurensuche nach den Ursachen dafür zu machen.
Fakt ist doch, dass in der Pflege viel zu wenig Personal zur Verfügung steht, um die anfallenden Aufgaben im Dokumentationsbereich zu meistern u n d dazu auch noch menschenwürdige und bedarfsgerechte Pflege zu leisten.
Und genau da ist auch der Schwachpunkt dieses ganzen Systems. Es basiert rein auf dem Grundsatz "Was nicht geschrieben wurde, wurde auch nicht gemacht."
Wenn nicht endlich mal eine sinnvolle Entbürokratisierung der Pflege in Verbindung mit einem bedarfsgerechten Personaleinsatz eintritt, dann wird es immer weiter bergab gehen. Der Aufwand zur Führung von Pflegenachweisen ist in den letzten Jahren enorm angestiegen. Das ist Zeit, die dem Pflegebedürftigen weggenommen wird und dazu führt, dass eine Verwaltungspflege stattfindet.
Und es gibt immer mehr Pflegekräfte (mich eingeschlossen), die sich mehr als Verwaltungsfachkräfte fühlen, denn als Pflegende am Menschen.
Die Nachweisführung zählt, nur ob die Massnahmen dann auch tatsächlich durchgeführt worden sind, lässt sich im Nachhinein nur schwerlich nachweisen.
Die Konsequenz daraus ist, dass Pflege vielfach nur noch auf dem Papier existiert.
Das gesamte System gehört dringend reformiert.