Turbo-Abitur
Koalitionsdebatte geht in die Verlängerung
Sie könnten die ersten sein, die auf zwei Wegen zur gymnasialen Oberstufe und zum Abitur geleitet werden, wie in einem umgedrehten Ypsilon symbolisiert wird: 27 Viertklässler auf dem Hof einer Kieler Grundschule. Foto: rtn
Kiel. Im Verwirrspiel um die Zukunft des Abiturs in Schleswig-Holstein suchen CDU und FDP weiter nach einer gemeinsamen Lösung. Montagabend kam es in Molfsee bei Kiel im Koalitionsausschuss noch zu keinem Beschluss. Der soll aber in absehbarer Zeit gefunden werden. Immerhin ist man aber einem gemeinsamen Modell näher gekommen.
Im Koalitionsvertrag hatten sich beide Parteien auf diese Formulierung verständigt: "Wir haben ein Interesse an einem erfolgreichen Bildungsgang G8. Zugleich werden wir den Gymnasien die Wahlfreiheit zwischen verkürzter Schulzeit (G8) und einem neunjährigen gymnasialen Bildungsgang (G9) einräumen oder auch eine Kombination beider Modelle ermöglichen."
Rückkehr zu G9 scheint ausgeschlossen
Klar scheint, dass es eine flächendeckende Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren nicht geben wird. "Das wäre nur schwer vermittelbar", so Unions-Unterhändler. Die große Koalition hatte den Weg zum Turbo-Abi nach acht Jahren im Geleitzug mit anderen Bundesländern in der vergangenen Wahlperiode geöffnet. Problem ist die Umsetzung. Schüler würden mit Lernstoff und vollgepackten Stundenplänen überfordert, klagen Elterninitiativen.
Opposition, Elternbeirat, Lehrergewerkschaft und die meisten Schulleiter sehen das zwar auch, wollen aber an G8 festhalten und plädieren wie die SPD für eine Entrümpelung der Lehrpläne. Das soll Entlastung bringen.
Y-Abitur erfordert 250 neue Lehrer
Neueste Variante ist das von Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) ins Gespräch gebrachte Modell des Y-Abiturs: Danach liefen G8 und G9 parallel. Gymnasien können so ab dem Schuljahr 2011/12 wählen, ob sie ihre Schüler in acht oder neun Jahren zum Abitur führen oder beide Alternativen an einer Schule anbieten. Die Variante wäre die vermutlich teuerste, weil sie 250 zusätzliche Lehrerstellen erfordert. Die müssten angesichts der Haushaltslage an anderen Schulen wegfallen. Das Y-Modell erzwingt zudem eine Verdichtung des G8-Unterrichtsstoffes in der Mittelstufe. Nur so wäre eine Zusammenführung mit dem G9-Zug in der Oberstufe möglich.
Hinter Klugs Plänen vermuten Insider die Absicht, die Gymnasien vor einem Schüler-Aderlass zu bewahren. Eltern, die gegen das schnellere Abitur sind, könnten ihre Kinder sonst an den Gemeinschaftsschulen anmelden. Dort sind laut Schulgesetz neun Jahre bis zum Abitur Pflicht. Wird von dieser Alternative massenhaft Gebrauch gemacht, könnte das die klassischen Gymnasien schwächen.
Wie CDU und FDP die Kuh vom Eis holen, war am Abend zwar noch offen. Doch werden Kostenrechnungen der verschiedenen Modelle die angestrebte Lösung mitbestimmen.





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