Interview
"In Haithabu passt alles zusammen"
Mit den Augen eines interessierten Laien schaute sich Alexander Minx das Wikingermuseum an - und gestaltete es dann für den Besucher um. Foto: Dewanger
Herr Minx, Sie als Stuttgarter - kannten Sie Haithabu schon bevor Sie sich mit der Umgestaltung auseinandersetzten?
Nein. Aber einer meine Partner, Henning Meyer, kommt aus Flensburg. Er kannte Haithabu natürlich sehr gut.
Und was sagen Sie zu Schleswig-Holstein?
Sehr gut. Ich hatte die Chance, zu allen vier Jahreszeiten hier zu sein. Vor allem landschaftlich finde ich Schleswig-Holstein sehr schön.
Wie lange waren Sie insgesamt hier?
Oft nur einzelne Tage oder mal eine Woche am Stück. Wir haben den Wettbewerb im Herbst 2006 gewonnen und seitdem sind wir in regelmäßigen Abständen hier oben.
Aber wie bereitet man sich in Stuttgart auf einen Wettbewerb in Schleswig-Holstein vor?
(lacht)… Naja, bei den meisten Wettbewerben schauen wir uns das alte Museum vorher einmal an. Aber die gründliche Auseinandersetzung mit den Inhalten der Ausstellung - das können wir auch in Stuttgart im Büro machen.
Was haben Sie gedacht, als Sie Haithabu das erste Mal sahen?
Die alte Ausstellung war eine ganz klassische Vitrinenausstellung. Der Ansatz der neuen ist ein ganz anderer. Wir versuchen, stärker zu inszenieren, einen Spannungsbogen aufzubauen. Es geht darum, dem Besucher eine bessere Atmosphäre zu schaffen, in der er die Exponate erleben kann. Nur Vitrinen sind eintönig. Dennoch sind die Exponate darin sehr wichtig. Wir arbeiten also nicht gegen die Exponate, sondern mit ihnen und beziehen daraus unsere Gestaltungsideen.
Woher nahmen Sie neben den Exponaten Ihre Inspirationen?
Das Leitbild kam aus der vorhandenen Architektur, bei der wir nicht einen Raum hatten, sondern fünf einzelne wabenartige Räume. Das war eine sehr eigene Architektur, mit der man sich erst mal anfreunden muss. Aber der Gebäudekomplex bekommt durch die Einbettung in die schöne Landschaft seine Qualität. Ziel war es, diese Architektur zu nutzen und besser zur Geltung zu bringen. Wir wollten nicht alles konform machen, sondern jedem von diesen Räumen einen eigenen Charakter geben. Jetzt arbeiten wir mit dem Raum, mit Licht und Farbe, um einen Horizont zu schaffen. Es ist schön zu sehen, wenn durch eine klare Konzeption der Ausstellung die Architektur besser zur Geltung gebracht wird.
Wie haben Sie sich Ihr Wissen für die neue Konzeption erarbeitet?
Das Konzept ist aus der Diskussion mit den Wissenschaftlern entstanden. Dabei haben wir die meisten Erkenntnisse erhalten. Deshalb haben wir uns oft in Schleswig, aber auch bei uns in Stuttgart getroffen. Bei diesen Diskussionen nehmen wir den Blickwinkel des Besuchers ein und kommen zu jeder Ausstellung als interessierter Laie. Wir fragen viel, um zu verstehen und entwickeln in diesem Prozess Bilder für die Besucher. Wir wollten in diesem Fall dem Besucher nahebringen: Was war Haithabu? Was muss man sich darunter vorstellen? Deshalb ist die neue Ausstellung angelegt wie ein Stadtspaziergang. Der Besucher nähert sich der Stadt, betritt sie, danach lernt er unterschiedliche Aspekte und Bereiche kennen.
Wie war die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern?
Sehr gut und sehr intensiv. Wir haben viele Workshops gemacht. Von der Seite der Wissenschaftler bestand großes Interesse daran, einfach mal andere Wege zu gehen. Das hat nicht immer geklappt, aber wir haben ganz schnell als Team gearbeitet.
Trotzdem. Bisweilen mussten Sie sicher auch Federn lassen. In welchen Punkten hat es nicht geklappt, andere Wege zu gehen?
Wir hatten Diskussionen darüber, wie viele Exponate und wie viele Inhalte man bringen kann - da wollen die Wissenschaftler immer noch viel mehr und wir wollen lieber ein bisschen reduzieren. Das ist ein Annäherungsprozess, bei dem man um Details feilscht. Der Unterschied ist: Die Wissenschaftler denken sehr im Detail, von den Mosaikteilchen, die sie erforscht haben und setzen sie dann ganz zum Schluss zu einem großen Bild zusammen. Wir denken von Anfang an im großen Bild, das wir wieder in Detailinformationen aufschlüsseln wollen - so nähert man sich von zwei Seiten dem gleichen Phänomen.
Mussten Sie dabei Abstriche machen?
Im Bereich der Ausstellung gar nicht. Da ist alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Es ist gerade ein sehr schöner Moment: Die Exponate sind da, wir haben das Licht eingerichtet. Plötzlich wird die Ausstellung so wie wir sie uns alle vorgestellt haben. Im Bereich des Innenhofs, da haben wir gemeinsam Abstriche machen müssen. Dort bestand von unserer Seite der Wunsch, dass der Hof das neue Foyer wird. Das hat aber aus finanziellen Gründen nicht geklappt.
Sie sagten, Sie erleben gerade einen sehr schönen Moment, weil die Ausstellung endlich so wird, wie Sie sich das vorgestellt haben. Wie lautet Ihr Fazit nach vier Jahren Arbeit?
Ich bin sehr zufrieden. Ich habe schon viele Ausstellungen gemacht, aber bei dieser passt wirklich alles zusammen. Sie ist sehr schön. Ich habe Haithabu vor dem Wettbewerb nicht gekannt - jetzt habe ich es zu schätzen gelernt.





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