Hintergrund

Großdemos gegen die Atomkraft

24. April 2010 | 14:35 Uhr | Von dpa

Gegner der Atomenergie sind in Deutschland immer wieder für ihre Ziele auf die Straße gegangen. Dabei gab es auch Massendemonstrationen mit 100.000 und mehr Teilnehmern.

Unter dem Eindruck des Unglücks im US-Reaktor Harrisburg protestieren im März 1979 in Hannover bis zu 100.000 Menschen gegen die geplanten Atomanlagen im niedersächsischen Gorleben. Im Oktober 1979 fordern im Bonner Hofgarten bis zu 150.000 Atomkraftgegner bei der bis dahin größten Umweltdemonstration in der Geschichte der Bundesrepublik die Abschaltung aller Kernkraftwerke.

Am Bauplatz des Atomkraftwerks Brokdorf (Schleswig-Holstein) gibt es 1976 gewalttätige Zusammenstöße. Nach einer friedlichen Kundgebung liefern sich rund 400 militante Demonstranten eine Schlacht mit der Polizei. Im Februar 1981 stehen sich am Bauzaun rund 100.000 Demonstranten und mehr als 10.000 Polizisten gegenüber. Zahlreiche Menschen werden verletzt. Im Juni 1986 erreichen 40.000 Atomkraftgegner das mit einem Großaufgebot von Ordnungskräften weiträumig abgesperrte Gelände. Es gibt erneut Krawalle.

Jahrelang wird am Bauplatz der Wiederaufbereitungsanlage im bayerischen Wackersdorf demonstriert. Bei den meist friedlichen Protestzügen werden 30.000 bis 100.000 Teilnehmer gezählt. Pfingsten 1986 werden dort bei Zusammenstößen rund 400 Menschen verletzt. Im September 1986 stürzt ein Polizeihubschrauber bei der Verfolgung von Demonstranten ab, ein Beamter kommt ums Leben.

Widerstand vor allem gegen Castor-Transporte

Seit Ende der 1980er Jahre richtet sich der Widerstand der Anti- Atom-Bewegung vor allem gegen den Transport von Atommüll. Höhepunkte der Proteste sind von 1995 an mehrere Castor-Transporte nach Gorleben, die nur mit einem großen Polizeiaufgebot durchgesetzt werden können. Im November 2008 beteiligen sich rund 15.000 Menschen an Kundgebungen und Blockaden.

Unter dem Motto "Mal richtig abschalten" fordern im September 2009 zehntausende Demonstranten in Berlin die Stilllegung aller Atomanlagen. Die Polizei spricht von 36.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 50.000.


 

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