E-Mails im Langkau-Prozess

"Richtet eine schöne Beerdigung aus"

12. Januar 2010 | 14:22 Uhr | Von Anja Werner

Das Geständnis erreichte die Onlineredaktion per E-Mail und wurde sofort an die Polizei weitergeleitet.

Der Prozess um das grausame Familiendrama von Harrislee geht in die nächste Runde: Das Landgericht Flensburg verlas am Dienstag drei E-Mails, die der Angeklagte nach der Tat geschrieben hat.

Der Doppelmord von Harrislee wird zum Marathon-Prozess. Nicht wie geplant am 15. März, sondern frühestens am 20. Mai - nach zehn zusätzlichen Verhandlungstagen - wird das Landgericht Flensburg das Urteil gegen Thomas Langkau sprechen. Nach der Feiertagspause wird dem 38-Jährigen, der am 16. Februar 2009 Frau und Kind brutal ermordet haben soll, seit gestern wieder der Prozess gemacht.

Viele Zeugen und offene Fragen, vor allem die rätselhafte Persönlichkeit des Angeklagten ziehen den Prozess über eine Tat, die ganz Deutschland erschüttert hat, in die Länge. Was ist das Motiv? Wie tickt Thomas Langkau?  Die Tränen sind zumindest echt, die dem Flensburger im Schwurgerichtssaal über die Wangen des gesenkten Kopfes rinnen. Schauspielerische Glanzleistung oder echte Trauer? Trauer worüber? Darüber, vor seinem Vater als Versager dazustehen? Über den Zusammenbruch  seiner Scheinwelt, in der  Langkau trotz großer finanzieller Schwierigkeiten das Leben im Stil eines Millionärs und  durch sexuelle Exzesse genoss? Oder über den  Verlust seiner Ehefrau Ricarda (36) und der kleinen  Marie (7)? Laut Anklage hat Thomas Langkau  seine Familie  mit 150 Messerstichen eiskalt ermordet, zur Vertuschung danach das Einfamilienhaus in Harrislee in Brand gesetzt.

In seinem Testament dankt Langkau "Mutti" und "Vati" für alles

Vor Gericht schweigt der mutmaßliche Mörder beharrlich, obwohl er seine grausame Tat  schon gestanden hat. In mehreren E-Mails, zwei Tage nach dem Verbrechen. Die erste davon ging bei der Online-Redaktion unserer Zeitung ein, mit der Bitte um Weiterleitung an die Polizei. Keine Beziehungsgründe, sondern Liebe und der Schutz seiner Familie vor massiven, von Geschäftspartnern angedrohten Misshandlungen haben Langkau demnach zum Töten getrieben.

Ähnliches steht in den ebenfalls gestern verlesenen Mails an die Eltern des Angeklagten, darunter auch Langkaus Testament. Er dankt "Mutti" und "Vati" für alles und bittet: "Richtet für Püppi (Ricarda) und Marie eine schöne Beerdigung aus, aber nicht für mich." Der angekündigte Selbstmordversuch in einem Berliner Hotel scheiterte und führte fünf Tage nach der Tat zu Langkaus Verhaftung. Nächster Prozesstermin ist der 20. Januar ab 13.30 Uhr.


 

Leserkommentare

 
HANNES KIESSLING 14.01.2010 05:28
Warum so ein langer Prozess?

Das ist doch der Hammer, jetzt gibt man doch solch einem Unmensch auch noch eine Plattform um sich zu profilieren!
Ein Prozesstag reicht doch - Mord, die besondere Schwere der Schuld - anschließende Sicherheitsverwarung!

Sonst zahlt auch noch der Steuerzahler für dieses Ar...



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