"Für uns Bauern war die Gentechnik eine Katastrophe"

17. Oktober 2009 | Von rob

Sie kämpfen gegen Gentechnik: Louise und Percy Schmeiser waren gestern in Wulfsdorf, auf dem Bild oben mit Thomas Sannmann (links) und Georg Lutz. Fotos: rob/dpa

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Als Wunderwaffe gegen den Hunger in der Welt und als Lieferant für Biomasse preist die Industrie gentechnisch veränderte Pflanzen an. "Glauben sie nichts davon", ist die Botschaft, mit der Percy Schmeiser zurzeit unterwegs ist.

Ahrensburg. Die "Initiative gentechnikfreie Metropolregion Hamburg" hatte Louise und Percy Schmeiser eingeladen, der durch seinen Kampf gegen Monsanto zu einer Symbolfigur der Bewegung für gentechnikfreie Lebensmittel wurde und 2007 mit dem alternativen Nobelpreises ausgezeichnet wurde.

Der kanadische Farmer mit deutschen Wurzeln - seine Großeltern stammen aus Rosenheim - berichtete im Wulfsdorfer Institut für Saatforschung aus seiner Heimat. Auf seiner Farm in West-Kanada hat die Familie 50 Jahre selbst gezüchtet. 1996 wurden genveränderte Pflanzen zugelassen - Mais, Raps, Soja und Baumwolle.

Zwei Jahre später waren die veränderten Gene auch auf die Felder der Schmeisers übergesprungen. Dadurch waren nicht nur 50 Jahre Saatgutforschung dahin, der Monsanto-Konzern forderte auch Geld, weil die Pflanzen sein patentiertes Gen trugen.

Nach kanadischem Gesetz völlig legal. Fast neun Jahre prozessierte Percy Schmeiser mit dem Konzern, verlor in jeder Instanz, bis es vor dem obersten Gericht einen halben Freispruch gab, obwohl Monsanto mit 19 Anwälten aufgelaufen war. "Wir mussten keine Millionen zahlen, nur unsere 500 000 Dollar Gerichtskosten", so Percy Schmeiser. Grundsätzlich musste das Gericht den Rechtsanspruch von Monsanto allerdings anerkennen. Es forderte aber das kanadische Parlament auf, das Gesetz zu ändern, weil es nicht sein könne, dass man mit einem patentierten Gen Besitzrechte an Lebensformen bis hin zu den Tieren und Menschen erwirbt, die die Pflanzen verzehren.

"Für die Landwirtschaft in Kanada war die Freigabe den Gen-Pflanzen eine Katastrophe. Wenn wir damals gewusst hätten, was wir heute wissen, hätten wir es nie zugelassen," so Percy Schmeiser. Nicht nur dass die Bauern das Saatgut teuer bezahlen müssen, auch dei Erträge gingen zurück und es wurden nach offiziellen Untersuchungen drei mal s viel Chemie eingesetzt wie zuvor.

Und noch viel schlimmer: Die veränderten Gene verbreiteten sich überall. "Wir haben heute bei Raps, Mais und Soja keinen gentechnikfreien Anbau und kein gentechnikfreies Saatgut mehr in Kanada. Und die Gene sind auch in Gemüse und Wildpflanzen transferiert", widersprach Percy Schmeiser all jenen, die behaupten, es könnte ein Nebeneinander von Gentechnik und normalen Anbau geben: "Eine Koexistenz ist nicht möglich."

In Folge verlor die kanadische Landwirtschaft komplette Absatzmärkte, "selbst für Honig, weil man ja nicht weiß, von welchen Pflanzen sich die Biene ernährt hat". Vor drei Jahren brach der Flachs-Export komplett zusammen, weil veränderte Gene gefunden worden waren: Für Flachs hatte es nie eine Genehmigung gegeben, aber "ein Forscher hatte Samen für 300000 Hektar an Landwirtschaftsschulen verteilt, ohne zu sagen, um was es sich handelt. Jetzt ist alles verunreinigt."

Es ist die Kernaussage von Percy Schmeiser, dem der Schmerz über den Verlust immer noch anzumerken ist: Wenn man Gentechnik zulässt, gibt es kein Zurück mehr. In Kanada und den USA scheint man das verstanden zu haben. Nach 1996 hat es keine weiteren Zulassungen gegeben. Als vor drei Jahren Anträge für Weizen gestellt wurden, war der Widerstand der Farmer so groß, dass es keine Erlaubnis gab.

Percy Schmeiser: "Wir sind hier, um zu erzählen, was geschehen ist. In Europa haben sie noch die Wahl. Wenn die Gentechnik zugelassen wird, wird es keinen biologischen und keinen konventionellen Anbau mehr geben. Wenn man verliert, ist man verloren."

Gestern am Abend hielt Percy Schmeiser einen Vortrag in der Universität Hamburg, heute spricht er um 19 Uhr im Audimax der Uni Kiel


 

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