Vulkan-Asche über Europa
Flughäfen dicht - Reisende suchen Alternativen
Voller Hamburger Hauptbahnhof: Die Bahn setzte mehr Züge ein, um den Ansturm aufzufangen. Foto: ddp
"Das ist fast komplett leer hier", sagt Flughafensprecherin Stefanie Harder in Hamburg. "So etwas habe ich noch nie gesehen." Nachdem sich am Freitagvormittag noch zahlreiche Passagiere am Flughafen versammelt hatten, herrschte am Nachmittag ungewöhnliche Ruhe. Harder spricht von einem immensen volkswirtschaftlichen Schaden.
Während internationale Airlines hohe Einbußen wegen des Vulkanausbuchs in Island fürchten müssen, profitieren Bahn, Reedereien, Autovermieter und Mitfahrzentralen von der Einschränkung des Flugverkehrs. "Die Nachfrage nach Plätzen auf unseren Fährlinien ist um mehr als 30 Prozent gestiegen", erklärte Martin Wahl von der Stena-Line in Kiel. Auf der Line Kiel-Göteborg waren für die Passage am Freitag alle Plätze ausgebucht. Auf den Stena-Linien über den englischen Kanal und in der irischen See ist sogar bis einschließlich Montag keine Kabine mehr zu ergattern.
Bahn setzt Extra-Züge ein
Auch die Deutsche Bahn in Hamburg kann sich über einen kräftigen Nachfrageschub freuen. "Wir haben zwischen Hamburg und München Extra-Züge eingesetzt und zusätzliches Servicepersonal im Hauptbahnhof und am Flughafen im Einsatz", erklärte Egbert Meyer-Lovis von der Bahn in Hamburg. Obwohl alle Schalter ausnahmsweise besetzt waren, bildeten sich Schlangen. Und: "Wir hatten die DB Lounge über Nacht geöffnet und dort rund 130 Reisende untergebracht."
Gut zu tun haben auch die Autovermieter. Die Großen der Branche wie Sixt, Europcar und Hertz brachten freie Fahrzeuge aus Umland-Niederlassungen in die Elbmetropole, um die gestiegene Nachfrage zu decken. "Gestrandete Flugpassagiere ordern sogar in Kiel Fahrzeuge", berichtet der Autovermieter Buchbinder in der Landeshauptstadt. "Wir können die Nachfrage besonders in Hamburg nicht decken - das ist einfach zu viel", berichtet auch der Chef von Mitfahrerzentrale.de, Martin Buske. Trotzdem freut er sich darüber, dass die Menschen - ähnlich wie schon im Winter und beim Sturm Cyrill - Fahrgemeinschaften neu entdecken. Einer verzweifelten Mutter, die eine Mitfahrgelegenheit für ihre auf dem Pariser Flugplatz gestrandete 15-jährige Tochter suchte, konnte er aber leider nicht helfen.
Auch Merkel-Flieger musste ausweichen
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) musste wegen der Sperrung der Berliner Flughäfen bei ihrer Rückkehr aus den USA nach Lissabon umgeleitet werden. Die fünf in Afghanistan verwundeten Soldaten und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mussten in Istanbul einen Zwischenstopp einlegen. Die Rückverlegung nach Deutschland solle voraussichtlich am Samstag erfolgen.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer riet von unnötigen Reisen ab. "Ich empfehle auf Reisen, die nicht erforderlich sind, zu verzichten", sagte der CSU-Politiker am Freitag am Hamburger Flughafen. Dort hatte sich Ramsauer mit Experten über die Lage im Luftverkehr beraten. Aktuell sei nicht absehbar, wie lange die Beeinträchtigungen andauern.
Die Asche des isländischen Gletscher-Vulkans Eyjafjalla hatten zum Erliegen des Flugbetriebes in mehreren deutschen und europäischen Städten geführt. Die Partikel stellen eine erhebliche Gefährdung des Luftverkehrs dar. Asche kann die Triebwerke und die Außenhaut der Flugzeuge beschädigen. Außerdem behindert sie die Sicht der Piloten.





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