Hoftheater
Feines Kleines mit Liebe zum Detail
Vergessen im Hoftheater die Welt um sie herum: Junge Besucher tauchen fasziniert in das Geschehen auf der Bühne ein. Foto: Smit
Kiel. Sie machen große Augen, manchmal steht der Mund offen, und nicht selten vergessen sie, an ihrer Zuckerwatte zu knabbern - die Kinder, die in einer Vorstellung im Pagodenzelt im Hiroshima Park sitzen. Und ihren erwachsenen Begleitern ergeht es kaum anders - so faszinierend und vielfältig stellt sich das Figurentheater dar, das seit 2006 das Hoftheater auf der Kieler Woche ausmacht.
Dass das beliebte Figurentheater in diesem Jahr ein kleines Jubiläum feiern kann, ist der Verdienst der Stadt. Die Mitarbeiter hätten damals für die Fläche rechts neben dem Rathaus etwas "Feines Kleines mit Liebe zum Detail" gesucht, erklärt Tillmann Voigt, im Kieler-Woche-Büro zuständig für die Organisation des Internationalen Marktes. Schnell kam man auf Andreas Schauder vom Lüdemann-Theater, der als kreativer Kopf die künstlerische Leitung übernehmen sollte. Mit der fachkundigen Beratung durch den bekannten Puppenspieler und Figurenbildner Marc Schnittger wurde eine Wunschliste an hochrangigen Puppenkünstlern erstellt, und allen Zweiflern, die befürchteten, dass Vorstellungen in einem offenen Pagodenzelt zu unruhig verlaufen könnten, wurde im Handumdrehen das Gegenteil bewiesen. Ebenfalls von Anfang an dabei sind die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Kiel, die in den Spielpausen leise Töne anstimmen.
Erwachsene leihen sich Kinder aus
Dass das Konzept aufging, wurde den Organisatoren schon im ersten Jahr klar: "Das Theater funktioniert für Kinder wie für Erwachsene gleichermaßen. Ich hab sogar schon von Erwachsenen gehört, die sich Kinder ausleihen, nur um ins Hoftheater gehen zu können", erklärt Andreas Schauder lachend. Aber nicht nur die Besucher sind mit dem Angebot hochzufrieden, auch unter den Profis des Figurentheaters hat sich die gute Atmosphäre und Akzeptanz auf der Kieler Woche rumgesprochen. Für den reibungslosen Ablauf sorgt seit fünf Jahren Schauders Mitarbeiter in diesem Projekt, Jörg Lippmann. "Die Stadt ist das Rückgrat, ich bin der Kopf und Jörg ist die Seele des Theaters", beschreibt Schauder die Zusammenarbeit. "Das ist ein Superjob", erklärt der selbstständige Web-Designer Lippmann. "Gut gelaunte Leute, zufriedene Künstler, glückliche Kinder - ich geh jeden Abend mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause", sagt er.
Der Umzug im vergangenen Jahr auf die Wiese im Hiroshima Park ist reibungslos verlaufen, die ständig wachsende Fangemeinde zog gleich mit, und die neue Gastronomie wurde sofort gut angenommen. "Die Stimmung unter den Bäumen ist noch besser, das Ambiente schöner", findet auch Tillmann Voigt. Auch in diesem Jahr gibt es etwas Neues: Zweimal fordert das Hoftheater auf zum Tanz. Gestern wurde unter fachkundiger Anleitung vom Kieler Tanzlehrer Christoph Möller Swing und Lindy Hop getanzt, morgen steht von 19 bis 24 Uhr der Tanz des Jahres - der Tango Argentino - auf dem Programm. Ob man den Schritt beherrscht oder nicht - jeder ist willkommen.
Damit ist das hochkarätige Programm, das für alle Gäste kostenfrei angeboten und komplett durch das Kieler-Woche-Büro finanziert wird, noch einmal erweitert worden. Preisgekrönte Puppenspieler, Wandelkonzerte, Jazz, hochwertige Gastronomie und Tanz - alles unter rauschenden Bäumen und abseits des ganz großen Trubels des Festivals - dass die Landeshauptstadt, Andreas Schauder und Co. hier alles richtig gemacht haben und die Zuschauer, ob Groß oder Klein, das Hoftheater als "Highlight" und "Bereicherung" empfinden, zeigt auch ein Blick in das Gästebuch: "Ein außergewöhnlicher Ort von kulturellem Hochgenuss zwischen Lärm und Kommerz. Absolut wichtig und unverzichtbar für die Kieler Woche. Hilke".





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