DER INSELBOTE

 

Eine Ratsfrau im freien Fall

31. August 2010 | 06:15 Uhr | Von Antje Walther

Punktlandung: Frank Herzig und Wilma Nissen (vorn) auf dem Weg zur Erde. Foto: inga raake

Flensburg. Diese Ratsfrau ist vom Himmel gefallen. Und sie lächelt überglücklich - vorher wie nachher. "Etwas Befreiendes" haben die 30 Sekunden freien Falls aus 2500 Metern, schwärmt Wilma Nissen. Die Kommunalpolitikerin des Südschleswigschen Wählerverbands ist Wiederholungstäterin auf dem Flugplatz Schäferhaus in Flensburg. Schon immer habe sie sich einen Tandem-Sprung mit dem Fallschirm gewünscht. Der Wunsch ging zum runden Geburtstag vor sieben Jahren in Erfüllung - jetzt mit 67 Jahren wollte Nissen den "Kick" des freien Falls erneut wagen.

Insbesondere an fliegende Frauen richtet sich der Tag am Wochenende auf dem Flugplatz, den Thomas Liebelt zum ersten Mal in Flensburg organisierte, nachdem die Premiere vor einem Jahr in Kiel bei den "Himmlischen Weibern" gut ankam. Der Vorstand vom Luftsportverein Flensburg kennt keinen Grund für die Zurückhaltung der Damen im Luftsport - mit 16 Prozent Frauenanteil. Deshalb vermitteln die Vereine im Land gezielt bislang vernachlässigten Gruppen die "Freude am Luftsport". Das Werben scheint zu fruchten: Die Stimmung unter den fliegenden Frauen, die vor allem das Segelfliegen bevorzugen, wirkt prächtig, und einige werden wiederkommen, ist Thomas Liebelt sicher.

"Allein die Vorbereitung baut schon Spannung auf", frohlockt Wilma Nissen während ihrer Verschnürung mit Anzug und Gurten, Kappe und Brille. "Das ist überhaupt nicht gefährlich", versichert sie unaufgeregt und voller Vorfreude. "So einen kurzen Gast hatte ich noch nie", kokettiert Tandem-Partner Frank Herzig mit der zierlichen Blondine und erinnert die "erfahrene Tandemspringerin" pflichtgemäß an Besonderheiten: Beine anwinkeln, beim freien Fall - mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde - nicht sprechen und nicht erschrecken, wenn er, während der fünf bis sieben Minuten am Fallschirm, die Gurtverbindung zwischen beiden Springern lockere. Die Sprung-Erfahrung des Verwaltungsfachangestellten Herzig ist vierstellig: Er beziffert die Zahl seiner Sprünge auf 3650, die der Tandem-Sprünge auf 2000. Bei letzteren liege die Frauenquote seiner Beobachtung nach bei überdurchschnittlichen 50 Prozent und mehr.

Während die Fallschirm-Paare in die Luft gehen, sind die ersten Segelflieger schon zurück vom Probeflug. "Ein abgefahrener Sport", ruft Robert Cordroch (22) aus Berlin, der, obwohl männlich, Freundin und Familie begleiten durfte. "Romantisch und ruhig" stellt sich Raissa Gröschl (21) das Gleiten vor, hat "viel weniger Angst als in einer richtigen Maschine". Als "actionreich" jedoch beschreibt Cordroch das Auf und Ab, die Links- und Rechtskurven. Gröschl ist dennoch schon vor dem Start überzeugt und will "Segelflieger werden". Christine Oehmingen, Referentin der Segelflugsparte, hat mit 14 Jahren das Segelfliegen in Niedersachsen begonnen und ist inzwischen seit 33 Jahren dabei. Ganz abgesehen von der faszinierenden Welt des Fliegens empfinde sie die Kameradschaft innerhalb der "Flieger-Familie" als besonders.

Mit einem Wohlfühl-Lächeln kehrt Fallschirmspringerin Wilma Nissen auf den Boden zurück, wenngleich sie leider in eine Wolke hineingesprungen sei. "Feucht und kalt" war das, doch habe sie "Flensburg schön gesehen", die Nord- und Ostsee. "Es war mal wieder ein Erlebnis", sagt die Ratsfrau.www.luftsportverein-flensburg.de


 

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