Eindrücke werden hörbar gemacht
Milchstraße, Spiralnebel und Planeten - der Blick ins All ruft immer wieder Erstaunen hervor und fasziniert. Doch wie einem Menschen ohne Augenlicht das Weltall verständlich machen? An der Fachhochschule Kiel nahm man diese Herausforderung jetzt an. Der Film "Unser Kosmos - Heimat der Menschen" wurde im Mediendom am Mittwochabend erstmals mit einer sogenannten Autodeskription für Blinde und Sehbehinderte aufgeführt.
Es war die eine ganz reguläre Veranstaltung. Denn: "Die Menschen wollen keine Extrawurst. Sie möchten am ganz normalen sozialen Leben teilnehmen", erklärte Eduard Thomas, Leiter des Mediendoms. Über Kopfhörer und ein Empfangsgerät kommen Sehbehinderte in den Genuss von speziellen Texten. Die Herausforderung bestand mehrfach: Zum einen sind die Filme bereits betextet, so Thomas. Die Erläuterungen mussten exakt in die Sprechpausen passen. Zum anderen "sieht" jeder bei einem bestimmten Begriff - wie zum Beispiel Blau - etwas anderes.
An dieser Stelle kam der Verein "AnderSicht" zum Einsatz, der schon zahlreiche Projekte für Nicht-Sehende Menschen konzipiert hat. Hela Michaelski, zweite Vorsitzende des Vereins, hat gemeinsam mit zwei Mitstreitern den Film "gesehen" - das heißt, Rudolf Beckmann und Olaf Koop beschrieben ihr die Szenen und die blinde Frau fand dann die passenden Worte dafür. "Ich lege viel Wert auf Farben", erklärte Hela Michalski, die nicht von Geburt an blind ist. Und da nicht unendlich viel Raum für Worte vorhanden war, hat sie zudem ganz gezielt ausgewählt, was sie beschrieb.
Möglich wurde dieses ambitionierte Projekt dank vielfacher Unterstützung, betonte Udo Beer, Präsident der Fachhochschule. Zum einen förderte das Sozial-Ministerium es durch den "Fonds zur Herstellung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum", zum anderen stellte der Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein seine Guide-Port-Technik zur Verfügung. Mit dem Empfangsgerät sitzen die sehbehinderten Menschen in einer regulären Aufführung.
Neben dem "Kosmos"-Film wurde bereits eine weitere Aufführung im Repertoire des Kieler Mediendoms mit den Zusatz-Informationen ausgestattet: "Augen im All". Diese wendet sich nach Auskunft von Eduard Thomas jedoch eher an den technisch interessierten Besucher. "Unser Kosmos ist eine unserer schönsten Veranstaltungen", erklärte Thomas. Sie mache die Ästhetik und die Dimension des Alls deutlich. So lobte dann Dr. Jürgen Trinkus am Ende der Vorstellung: "Ein schönes Gesamterlebnis". Der blinde Vorsitzende des Vereins AnderSicht erläuterte, dass sie bewusst den Kosmos-Film gewählt hätten. "Pink Floyd dagegen spielt zu sehr aufs Unterbewusstsein an. Das kann man nicht in Worte fassen."
Informationen:
www.fh-kiel.de >> Mediendom
www.andersicht.net
www.bsvsh.org
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