Interview
"Ein Stück Anerkennung für Schleswig-Holstein"
Das Wattenmeer ist jetzt Unesco-Weltnaturerbe. Wie groß ist die Freude?
Riesig! Wir sind richtig stolz darauf. Das ist ein dickes Lob der Weltgemeinschaft für die jahrzehntelangen Schutzbemühungen für diesen einmaligen Lebensraum. Und es ist auch ein Stück Anerkennung für Schleswig-Holstein, insbesondere die Nordfriesen und Dithmarscher, die dafür gesorgt haben, dass das Wattenmeer heute noch ökologisch intakt ist.
Wird dadurch die bisherige Arbeit gekrönt?
Wir sind aufgestiegen auf eine Stufe mit bekannten Naturwundern wie den Galapagos-Inseln oder dem Grand Canyon. Das ist ein ganz tolles Prädikat. Die Welterbe-Anerkennung ist für mich das wichtigste Ereignis seit der Gründung des Nationalparks 1985.
Das dänische Wattenmeer bleibt außen vor, soll in diesem Jahr zunächst Nationalpark werden. Hamburg hat erst "Ja" zum Welterbe gesagt, dann mit Blick auf die geplante Hafenvertiefung "Nein" und zuletzt "Vielleicht". Ist das nicht ein Wermutstropfen?
Ja, aber wir, die Schleswig-Holsteiner, Niedersachsen und Holländer, haben den entscheidenden Schritt getan. Wir haben den weit überwiegenden Teil dieses Ökosystems in das Anmeldeverfahren gegeben, der Hamburger Teil entspricht zwei Prozent der gesamten Wattenmeerfläche. Die Dänen werden wahrscheinlich Anfang 2010 ihren Nationalpark "in trockenen Tüchern" haben. Und dann werden sie auch die Diskussion um das Welterbe beginnen. Beides zur selben Zeit hätten sie sicherlich nicht durchgehalten. Die Tür für Hamburg und Dänemark bleibt offen.
In Teilen ist der Welterbe-Zuschnitt ein fauler Kompromiss. In Schleswig-Holstein sind Gebiete ausgeklammert für die Erdölförderung, in den Niederlanden sind es militärische Übungsgebiete. Können Sie mit dieser Lösung leben?
Ich kann mit diesem Kompromiss leben. Solche Exklaven-Lösungen sind nicht so unüblich. Es gibt auch andere Welterbe-Gebiete, wo dies praktiziert worden ist. Wir haben im Anmeldeverfahren mit nichts hinterm Berg gehalten. Es hat eine sehr große Transparenz gegeben.
Warum ist die Welterbe-Diskussion im Gegensatz zur Nationalpark-Debatte vergleichsweise geräuschlos gelaufen?
Wir haben sehr früh deutlich gemacht, dass die Anerkennung als Weltnaturerbe keine neue Schutzkategorie bedeutet und keine Verschärfung der Schutzbestimmungen, sondern ein Prädikat der Weltgemeinschaft ist. Nationalpark- und Landesnaturschutzgesetz bleiben unsere Geschäftsgrundlage für das Naturschutz-Handeln. Außerdem ist 2009 nicht 1985 - der Nationalpark genießt heute eine sehr, sehr große Akzeptanz.
Eröffnen sich neue Chancen für den Naturschutz und die Tourismusbranche?
Die Ernennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe bedeutet einen außerordentlichen Imagegewinn für unsere ganze Region. Für den naturverträglichen Tourismus dürfen wir erhebliche Impulse erwarten.
Wird sich der zusätzliche Besucherdruck negativ auswirken?
Ich erwarte schon einen gewissen Effekt, aber die Touristiker, wir als Nationalparkverwaltung und die Naturschutzverbände sind gut vorbereitet. Wir haben ein professionelles System an Angeboten und Besucher-Information in der Fläche. Von daher habe ich ein gutes Gefühl.
Und was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an Meeresspiegel-Anstieg und Klimawandel denken?
Im Wattenmeer ist nichts so beständig wie der Wandel. Von daher kann das Ökosystem mit dem Klimawandel sehr gut umgehen. Tierarten wandern ins Wattenmeer ein, andere verlassen es, weil es zu warm wird. Das sehe ich relativ entspannt. Was mir Sorge macht, sind der Meeresspiegel-Anstieg und die Bedrohung der Küsten. Als Reaktion auf den Klimawandel werden verstärkt Küstenschutz-Maßnahmen und Deicherhöhungen nötig. Auch im Nationalparkgesetz ist ja klar definiert, dass der Schutz der Menschen und ihres Hab und Gutes oberste Priorität haben.




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