Leiche der vermissten Soldatin geborgen

18. September 2008 | 11:39 Uhr | Von lno

Die 18-jährige Soldatin, die Anfang September von der "Gorch Fock" in die Nordsee gestürzt war, ist tot. Die Obduktion hat ergeben, dass sie ertrunken ist.

Die junge Soldatin ist tot: Ihre Leiche wurde am Montag aus der Nordsee geborgen.

Die entsetzliche Wahrheit traf Jennys Eltern am Dienstagmorgen mit aller Brutalität: Ihr Kind ist tot. Seeleute zogen die Leiche der 18-Jährigen am Montag aus der Nordsee. Die nach eigenen Angaben gottgläubigen Eltern hatten bis zuletzt unerschütterlich gehofft und gebetet - als sie vor elf Tagen erfuhren, dass Jenny von der "Gorch Fock" ins Meer gestürzt war, als die Marine nach ihr suchte, und selbst noch, als die Suche eingestellt wurde. Am Dienstag wurde diese Hoffnung erstickt.

Die 18-Jährige ertrank nach Angaben der Kieler Staatsanwaltschaft in der Nordsee. Ein Fremdverschulden schloss die Behörde als Todesursache aus. Nach Einschätzung der Ermittler können die genauen Umstände des Unglücks möglicherweise nie restlos aufgeklärt werden.

Eltern hatten noch Hoffnung

Gerade an diesem Dienstagmorgen wollten Jennys Eltern Uwe und Marlies Böken erstmals Medienvertretern sagen, wie sehr sie an die Rückkehr ihrer Tochter glaubten. Das Lehrer-Ehepaar hatte im heimischen Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen) zu einem Pressegespräch eingeladen, sagte jedoch nach der Todesnachricht kurzfristig ab. Aber sie baten einen Marine-Vertreter, den eingeladenen Journalisten Privat-Fotos von Jenny und eine schriftlich vorbereitete kurze Ansprache des Vaters zu überreichen.

Die Bilder zeigen eine mädchenhaft und lebensfroh wirkende junge Frau mit glatten, langen Haaren - auf allen Bildern ein Schmunzeln auf den Lippen. Ein Motiv zeigt ihre "Marine-Fan-Wand" mit Postkarten und Schiffsmotiven. Darüber prangt der in Goldschrift ausgedruckte Satz auf blauem Papier "2008 wird mein Jahr!".

Jenny wollte Medizin studieren

Nur zwei Monate vor dem Unglück, am 1. Juli, hatte Jenny bei der Marine ihren ersten Arbeitstag gehabt. Sie hatte sich für 17 Jahre verpflichtet. Sie wollte Medizin in Düsseldorf studieren und Sanitätsoffizierin werden. Ihr Traumberuf. Zwei Wochen vor dem Unglück hatte sie begonnen, mit Freunden ihre Wohnung in Düsseldorf einzurichten, hieß es in dem Manuskript des Vaters.

Der wählte bei der Beschreibung seiner Tochter nicht die Vergangenheitsform. Für ihn lebte die Tochter noch, als er die Zeilen schrieb: "Jenny ist ein tierliebes Mädchen, sie "adoptiert" zugelaufene Katzen und pflegt sie gesund." Einer dieser "Stromer" sei die lebende Verbindung zur verunglückten Tochter.

Am 5. September, also einen Tag nach dem Unglück, hätte Jenny eigentlich heimkommen sollen, schrieb der Vater. Zwei Tage später wäre sie 19 Jahre alt geworden. Den Geburtstag habe sie mit der Familie feiern wollen. Wahrscheinlich waren sie alle voller Vorfreude: Jenny, die Eltern, die beiden Brüder und ihr Freund.

Ganzes Dorf gedenkt der Soldatin

Es kam anders. Stattdessen gingen die Eltern mit den Menschen in ihrem kleinen Heimatdorf bei Geilenkirchen in die Kirche und beteten. Die Dorfgemeinschaft schmückte in der Kirche den Marienaltar für die Eltern und für Jenny.

"Unsere Hoffnung ist, dass Jenny von irgendeinem Schiff an Bord genommen wurde. Vielleicht leidet unsere Tochter an Amnesie und/oder ist noch ohne Bewusstsein, wer weiß? Aufgeben werden wir sie nicht", wollte der Vater den Medien am Dienstagmorgen sagen. Die Realität holte die in den letzten elf Tagen schwer geprüften Eltern ein: Ihre Tochter wurde gefunden, tot.

Kaum jemand hatte mit dem Auffinden gerechnet, nachdem die Marine ihre Suche vergangene Woche abgebrochen hatte. Es war Montagabend und schon dunkel. Ein Boot der Fischereiaufsicht war 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland unterwegs. In der Dunkelheit nahm die Besatzung etwas im Wasser wahr. Sie holte die Leiche einer jungen Frau an Bord. Stunden später war sich die Marine sicher. Es war die Jenny, nach der sie eine Woche lang intensiv gesucht hatte. "Das war viel Glück", sagte Korvettenkapitän Jan Ströhmer.

Der Mann hatte die Eltern durch die

schlimmen Tage begleitet. Aus dem dienstlichen war auch ein persönlicher Kontakt geworden. Am Dienstag wollten er und Jennys Vorgesetzte das Ehepaar eigentlich zu dem Pressegespräch begleiten. Stattdessen wurden die beiden Männer zum Überbringer der ebenso erschütternden wie endgültigen Nachricht.


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