Datenmissbrauch
Die Spur führt nach Nordrhein-Wesfalen
Woher kommen die 17.000 Datensätze, die der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein auf CD zugespielt wurden?
Nach Angaben der "Bild"-Zeitung wurden die Daten von einer Firma in Viersen (Nordrhein-Westfalen) an andere Unternehmen verkauft. Die Firma habe sie unter anderem an ein Call-Center in Schleswig-Holstein weitergegeben, sagte der Datenschutzbeauftragte des Landes, Dr. Thilo Weichert. Die CD sei an die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach geleitet worden. Diese wollte auf Anfrage bisher nicht weiter auf den Vorfall eingehen. "Aus ermittlungstaktischen Gründen können wir dazu kein Wort sagen", sagte ein Sprecher. Eine Strafanzeige liege noch nicht vor.
Laut der Berliner Tageszeitung "taz" (Mittwochausgabe) soll die Kölner Firma LottoTeam hinter dem vermuteten Datenmissbrauch stecken. "Wir haben die Firma gestern abgemahnt", sagte ein Sprecher der Verbraucherzentrale Brandenburg der Zeitung. Auch die Verbraucherzentrale Hessen habe etliche Beschwerden über die Firma entgegengenommen. "Das hat in den letzten Wochen deutlich zugenommen", sagte Sprecherin Ute Klaus. Insgesamt hätten deutsche Verbraucherzentralen rund 500 Missbrauchsfälle registriert.
Datenschützer: "Aktueller Fall wohl nicht ungewöhnlich"
Schleswig-Holsteins Datenschützer untersuchen auch, ob die Betroffenen von der Speicherung und Nutzung wissen. "Wir gehen aber davon aus, dass dies nicht der Fall ist", sagte Weichert. "Die Datenstruktur auf dem Datenträger weist im Übrigen darauf hin, dass es sich um Kunden der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) handelt." Er vermute, dass es sich definitiv um illegale Aktionen handle und dass der Fall nicht ungewöhnlich sei. "Wir haben auch die Befürchtung, dass hinter jedem Einzelfall noch Hunderte von anderen Fällen stecken, wo die Leute sich nicht melden. Die sind genau so betroffen und werden unter Umständen genauso abgezockt", sagte Weichert.
"Das Ganze ist offensichtlich vor dem Hintergrund zu sehen, dass Kontodaten ein begehrtes Gut auf dem Schwarzmarkt sind, um per 'cold call' Verträge am Telefon unterzujubeln oder sogar ganz illegal Abbuchungen vorzunehmen", erläuterte der Datenschutzexperte. Dies geschehe möglichst mit kleinen Beträgen, damit sich die Betroffenen nicht zur Wehr setzten und nicht die Staatsanwaltschaft einschalteten. "Wir raten den Leuten, ihre Kontodaten generell nicht preiszugeben, wenn sie nicht mit vertrauenswürdigen Menschen zu tun haben, besonders nicht am Telefon oder über das Internet", sagte Weichert. Gleiches gelte für Geburtsdaten.
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Dass die Betrüger leichtes Spiel haben, liegt an zwei Ursachen:
1. Die Kunden geben ihre Kontendaten zu leichtfertig heraus.
2. Banken überprüfen nicht die Rechtmäßigkeit (z.B. Unterschrift) von Abbuchungen.