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Nach dem Datenskandal

"Die ganze Branche steht am Pranger"

18. August 2008 | 13:21 Uhr | Von Stephan Richter, Schleswig-Holstein am Sonntag

Callcenter: Die Branche fürchtet um ihren Ruf. Foto: dpa

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Nach dem Verkauf von Bankdaten Tausender Bürger ist jeder vierte Arbeitsplatz in Callcentern gefährdet. "Die ganze Branche steht am Pranger", sagt Callcenter-Unternehmer Martin Aye.

Kiel -. Martin Aye (42) ist gleich doppelt vom Datenskandal betroffen, der in dieser Woche Schlagzeilen machte. Dass als Lottogesellschaften getarnte Firmen über Callenter Tausende Verbraucher angerufen und in mehreren Fällen ohne Einzugserlaubnis Geld von deren Bankkonten abgebucht haben, brachte auch seine Unternehmen in Lübeck und Flensburg in Verruf. "Dabei arbeiten wir vor allem für Krankenkassen und Banken nur im Servicebereich und rufen ausschließlich Kunden an, die zuvor ihr Einverständnis erteilt haben", sagte Aye Schleswig-Holstein am Sonntag. Trotzdem verspürten auch seine Mitarbeiter das Misstrauen, das durch "kriminelle Machenschaften, gegen die keine Branche gefeit ist" geschürt worden sei.

Nach dem rasanten Wachstum von Callcentern in den vergangenen Jahren rechnet Aye jetzt mit einer gegenläufigen Bewegung. Bis zu 100.000 Jobs seien in Gefahr, zumal der Gesetzgeber die Hürden für Telefonwerbung immer höher hänge. Für Aye doppelt ärgerlich: Bei der Fahndung nach den Datenklauern durchsuchte die Polizei ein Callcenter in Lübeck. "Es hat nichts mit meinen Firmen zu tun. Aber schon rufen besorgte Auftraggeber an", sagt Aye.

Callcenter: Schmuddelbranche?

"Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagt Aye, der mit erfolgreichen Callcentern in Lübeck und Flensburg in den vergangenen Jahren fast 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Die Mitarbeiter von Ayes Unternehmen verkaufen keine Lottospiele und werben auch keine Abos, sondern beraten die Kunden der Auftraggeber, die zuvor in den Service eingewilligt haben müssen. Trotzdem sieht Aye sich und die ganze Callcenter-Branche unter einem "extremen Rechtfertigungsdruck."

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass Callcenter die Bankdaten Tausender Menschen missbraucht haben könnten. Es sei eine CD mit mehr als 17.000 Datensätzen aufgetaucht, teilte die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein mit. Die CD enthalte neben Namen, Geburtsdatum, Telefonnummer und Adresse auch die kompletten Bankdaten. "So ein krimineller Akt ist für uns eine mittlere Katastrophe", sagte Aye Schleswig-Holstein am Sonntag. Zwar drohe seinen Unternehmen wegen der Spezialisierung auf seriöse Kundenberatung kein Jobabbau. Doch die negativen Auswirkungen fingen schon früher an. "Es wird immer schwerer, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, weil viele Callcenter für eine Schmuddelbranche halten", sagt Aye.

Sorge hat er, dass der Gesetzgeber den Telefonservice wegen der "schwarzen Schafe in der Branche" abwürgen könnte. So wollen mehrere Länder den Gesetzentwurf zur Telefonwerbung im Bundesrat nachbessern. Sie wollen unter anderem einen Vertragsabschluss am Telefon komplett verhindern.


 

Leserkommentare

 
SANDRA T. 16.08.2008 23:21
so seriös ist Herr Aye gar nicht.

Martin Ayes Mitarbeiterinnen haben auch mich schon mehrfach zu Hause angerufen, um mir Tarife mit höheren Grundgebühren aufzuschwartzen. Diese Damen meldeten sich entweder mit "im Auftrag der Deutschen Telekom" oder mit "Telekom Kundenservice". Dabei habe ich der Telekom ausdrücklich schriftlich migeteilt, dass ich keine Telefonwerbung wünsche. Aber das scheint Herrn Aye nicht zu interessieren.

KUNDENBERATER VOR ORT 16.08.2008 23:58
Zu Callcentern kann ich auch Geschichten erzählen...

Und zwar jeden Abend. Ich arbeite in einem T-Mobile Partnershop und habe immer gut zu tun, die nicht gewünschten Option der Kunden zu kündigen. Es gibt kaum noch einen Kunden, der nicht eine untergeschobene Option drauf hat, meistens haben die Kunden keinen Plan davon. Ja, irgendwann rief mal jemand an und sagte was von sparen - wer will das nicht? Das dollste war mal 10EUR pro Monat auf zwei Jahren, somit 240 EUR. Der Kunde konnte davon nichts wirklich nutzen.

SABINE 17.08.2008 15:28
Ich bin Kunde der Sparkasse Holstein

Für die Abbuchung meiner Miete, Strom, Gas, Versicherungsbeiträgen, Steuern usw. musste ich bei den Firmen Lastschriften oder Einzugsermächtigungen unterschreiben.
Aber jedem schmuddeligen Callcenter, deren Chef ein vorbestrafter Knacki sein kann, erlaubt die Sparkasse Holstein die Abbuchung ohne Unterschrift. Welch eine Frechheit !!
Bei meiner Beschwerde und der Drohung die Bank zu wechseln, sagte man mir dort selbstbewusst: "Das machen alle Banken so."



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