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Vornamen-Verbot
Die Amtsschimmel-Reiter von Husum
Weil es die Husumer Standesbeamten ganz genau nehmen, hat Merle Sophie jetzt einen zweiten Namen. Mama Sandra Fay findet das engstirnig. Foto: sh:z
Kommt jetzt jeden Monat ein neuer Name? Anfang März überraschte das Husumer Standesamt mit dem Verbot des weiblichen Vornamens Ida. Doch das ist nicht das einzige Kapitel im Husumer "Buch der Kuriositäten": auch Merle wird nicht mehr anerkannt. Zumindest nicht ohne zweiten Vornamen.
Zur Begründung bedienen sich die Beamten aus Husum - wie schon bei Ida - aus dem "Internationalen Handbuch der Vornamen". Darin hat Merle als reiner Frauenname keinen Platz gefunden. Im englischsprachigen Raum heißen auch Männer so. Dass es dann "Mörl" ausgesprochen wird, spielt keine Rolle und auch nicht, dass schon die Mutter des Donnergottes Thor ausschließlich Merle geheißen haben soll.
In Husum sitzen Schleswig-Holsteins genaueste Standesbeamte
"Wir haben in Heide und Niebüll angerufen", sagt Sandra Fay. Sie ist die Mutter der neun Wochen alten Merle Sophie. Die Ämter dort bestätigten ihr: Klar sei Merle ein weiblicher Vorname. Daraufhin haben die jungen Eltern beim Amtsgericht Flensburg Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt. Nach langem Warten kam Post aus der Fördestadt. Man habe die Anfrage an die Gesellschaft für deutsche Sprache in Stuttgart weitergeleitet. "Bei dem Namen Merle handelt es sich um einen neutralen Vornamen, der als alleiniger Vorname für ein Mädchen nicht zulässig ist", so lautete der abschlägige Bescheid.
Für die Herkunft des Namens gibt es verschiedene Erklärungen. Es könnte von Muriel kommen, dann bedeutet er "helles, strahlendes Meer" und ist in seiner irischen Herkunftstradition weiblich. Wahrscheinlicher ist eine Ableitung von merula, das lateinische Wort für eine Amsel - Geschlecht: weiblich. Aber auch eine Herleitung von Merlin, dem Zauberer aus der Artus-Legende ist denkbar - dann hätte der Name tatsächlich eine männliche Wurzel.
Husumer Standesamt will den Gesetzgeber zum Umdenken bewegen
Für Sandra Fay und ihren Lebensgefährten Markus Koch spielt das keine Rolle: Merle ist ihnen als Mädchenname bekannt. Ihnen kommt das Ganze wie ein Ritt auf dem Amtsschimmel vor. Das Standesamt Husum aber bleibt unnachgiebig. "Früher war es gängige Praxis, dass man in das Namensbuch nur reingeguckt hat, wenn irgend etwas fremd klang", erklärt Standesbeamter Harald Eckholdt, "das wurde dann so aus dem Bauch heraus entschieden." Heute aber werde in Husum jeder Name überprüft, was er in Zeiten der Globalisierung auch richtig finde. Eine ganze Reihe anderer Namen sind davon übrigens ebenfalls betroffen. So wird es den Mädchennamen Andrea in Zukunft genauso wenig geben wie Anne, Maria, Christin und Nicola.
Insgeheim stellt auch Standesbeamter Eckholt die Regel in Frage. Denn: "Wir möchten gerne, dass der Gesetzgeber umdenkt. Dann können Eltern ihre Kinder nennen wie sie wollen."
Sandra Fay und Markus Koch haben eingelenkt, weil sie keine richtige Geburtsurkunde für das Kind bekamen und darum auch kein Eltern- oder Kindergeld beantragen konnten. Ihre Tochter heißt jetzt Merle Sophie. "Rufname wird sowieso Merle sein", sagt die junge Mutter. Hauptsache, dem Gesetz wird Genüge getan. Aber ärgern tun sie sich doch.
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- Stadt Husum
Leserkommentare
Cheyenne Savannah darf ich meine Tochter nennen (obwohl alle das für Automarken halten), aber Merle und Ida sind verboten.
Ha'm se se noch alle?????
Was bilden sich diese Beamten eigentlich ein? Das hat doch den Staat nicht zu interessieren, wie Eltern ihre Kinder nennen. Merle würde nicht darunter leiden, wenn ein paar Engländer ihr Geschlecht nicht eindeutig zuordnen können. Giovanni aus Roma darf seinen Sohn mit Sicherheit auch weiter Andrea nennen, auch wenn die Husumer Ärmelschoner sich erschrecken, wenn sie ihn eines Tages kennen lernen und er einen Bart trägt. Husumer Mütter, meldet Euch vor der Niederkunft in einer Stadt ohne Amtsschimmel an und bringt Eure Kinder anderweitig zur Welt. Die Welt lacht über Husum. Theodor Storm würde sich im Grab umdrehen.
Ich würde Schanntalleeee verbieten
Bis jetzt wusste ich nicht, dass 'Schilda' an der Nordsee liegt. Haben die Fenster im Rathaus oder tragen die das Licht noch mit Eimern 'rein?
Vom Schimmelreiter zum Amtsschimmel - wie tief ist man in Nordfriesland gesunken?! Wie lange wird die Show noch durchgezogen? Bis der Amtsleiter oder Bürgermeister wechselt - warscheinlich währe die Krokuskönigin besser für die Besetzung des Standesamtes geeignet, zumindest würde sie dem Amt zu einem menschlichen Zug verhelfen. Ich schlage vor, das die Standesamtsleitung so viel Format zeigt, sich zu einem öffentlichen "Sorry, Ihr habt Recht - es war dumm" aufrafft, als sich weiterhin für den "Goldenen Amtsschimmel" zu nominieren. Ansonsten bin ich dafür Geld zu sparen und das Husumer Standesamt komplett Rechnergesteuert zu führen. Die entscheiden auch knallhart nach Datenbankeinträgen ;-) Spart auch eine Menge Geld, das für Personal bezahlt wird, welches sich verhält wie Computer. Nebenbei bemerkt: Wer glaubt, das ein Amtsleiter ein Amt leitet glaubt auch, das ein Zitronenfalter Zitronen faltet :-)
Irgendwo las ich, dass in Husum aufgrund der Einstellung des Standesamtes häufig der Name Marie als "geschlechtsverdeutlichender" Zweitname gewählt werde. Wenn das stimmt, dann weiß das Standesamt offenbar nicht, dass "Marie" im französischen Sprachraum auch von Männern als Zweitname getragen wird... Tja, man kann nicht alles wissen. Im Ernst: Wenn beide Eltern Deutsche sind, sollte es einem deutschen Standesamt genügen, dass der Vorname hierzulande eindeutig männlich bzw. weiblich ist.
Solange wir sonst keine Sorgen haben ..... !
Merkt auf, liebe MitbürgerINNEN! Unser Husum ist in die Riege der "Global Player" aufgerückt. Unsere graue Stadt am Meer, die ja mit knapp über 20.000 Einwohnern wahrlich eine bedeutende Metropole darstellt, künftig in einem Atemzug genannt mit Rom, Paris, London und New York. Obgleich der weit überwiegende Teil der kommunalen Verwaltung eher pragmatisch denkt und handelt, wandelt unser Standesamt auf globalen Pfaden.
Es wurde auch Zeit, dass jemand das Große und Ganze erkennt, das in der Storm-Stadt schon immer schlummerte. Dem Standesbeamten Harald Eckholdt ist es zu verdanken, dass in einer, für die kulturelle Globalisierung Richtung weisenden Kommune wie Husum "neutrale" Vornamen wie Ida (so hieß übrigens das Mädchen in meinem ersten - zweifellos noch nicht globaliesiertem - Lesebuch) und Merle (so hieß die Tochter unserer Nachbarn in der namenstechnisch noch nicht ganz so weit fort entwickelten Stadt Bargteheide, die man als solche auch ohne jeden weiteren Namens-Zusatz schon in jüngsten Jahren auf den ersten Blick als Mädchen identifizieren konnte) jetzt gnadenlos verboten und damit alle Unklarheiten beseitigt werden.
Ich möchte die Leistungen jedweder öffentlicher Verwaltungen und Staatsdiener, die ihren Auftrag, nämlich für uns, das Volk Dienstleistung nach bestem Wissen und Gewissen Dienstleistungen zu erbringen, nicht in Abrede stellen. Mehr noch: Ich habe persönlich in der weit überwiegenden Zahl Beamte erlebt, die ihre Arbeit engagiert erledigt haben und ihr Bestes gaben. Und das für ein Gehalt, das keinem Vergleich mit dem in ähnlichen Positionen in der so genannten freien Wirtschaft stand hält.
Indes, in der freien Wirtschaft würden manche Beamte zu Job-Hoppern. Beamte wie Herr Eckholt, beispielsweise. Würde Herr Eckholt in einer vergleichbar verantwortungsvollen Position in der freien Wirtschaft tätigt sein und seine Arbeitszeit mit derart sinnlosen Dingen vertun, wäre sein Job wohl akut gefährdet. Lese ich dann noch, dass Herr Eckholt insgeheim diese Regel für Blödsinn hält, kommt mir die Galle hoch: Ist das nun Kadaver-Gehorsam, den wir in unserer deutsche Geschichte zur Genüge erlebt haben, begrenzter Intellekt oder einfach nur die Angst um den eigenen Arbeitsplatz?
Lieber Herr Eckhol: Was halten Sie davon, als Staatsdiener Zivilcourage zu beweisen? Wenn Sie die entsprechenden Regeln für unsinnig erachten, handeln Sie auch nach Ihren Worten. Verstoßen Sie gegen die Reglen und stehen Sie dafür Rede und Antwort vor dem Verwaltungsgericht, falls es wirklich zu einem Verfahren kommt. SIE sollen den Volk dienen, daf+r werden SIE bezahlt als Staatsdiener. Warum schicken Sie, der Sie doch so arg zweifeln an den Gesetzen, eine Mutter ins juristische Rennen?
Ich denke mir meinen Teil, schüttele den Kopf und freue mich, dass es immer noch Menschen gibt, die für einen Beamten-Job Dinge tun, die ihnen egentlich widerstreben. Man nennt das dann auch Korrumpierbarkeit!
Wer weißt mir einen lebenden Mann nach, der "Merle" oder "Ida" heißt? Belohnung: Einladung zum Essen.
Samantha -
von den Eltern meist ausgesprochen (und geschreiben) "Zementa".
oder Chantalle -
von den Eltern meist ausgesprochen (und geschreiben) "Schantall".
oder Jason -
von den Eltern meist Ausgesprochen (und geschreiben) "Jääsän".
Zitat aus dem Alltag: "Jääääsän, komm sofort von die Tante runter!"
Und alle Namen aus den Assi-TV-Produktionen wie "Big Brother", den Gewinnsendungen von Tele5 usw. sollten auf dem Index landen.
Nur dann würden vermutlich Millionen von Neugeborenen aufgrund der dann mangelnden Auswahl namenlos bleiben.
Man sollte die Beamten des Standesamtes Husum zum Mond schießen, denn eigentlich leben sie da ja schon.
Haben wir in Deutschland wirklich keine andere Sorgen? Mit was sich solche Beamten beschäftigen. Wohl gemerkt von unseren Steuergeldern! Armes Deutschland!!!
Würde das Amt Husum diesen Namen genehmigen?
Denn es gibt ihn bekanntermaßen als Mädchennamen in einem Lied:
've got a girl named:
Ramalamaramalama ding dong,
She's everything for me,
Ramalamaramalama ding dong.
Oh, I'm so happy,
because she's mine, oh mine.
Schön , das man ein internationeles Buch gefunden hat! Schade , das nicht gleich einer dabei war der lesen kann.
Gruss aus Schweden, da kann jeder heissen wie er oder sie will, sogar Michel, Ida oder Astrid Lindgren! Übrigens ist hier Inge ein Männername und Gerd ist ein Frauenname!
Geben Sie es zu :
der Artikel war für den 1.April geplant, ist aber in der Pipeline hängengeblieben
Tjah, eine solche bin ich. Ich habe sogar einen sehr seltenen Vor und Nachnamen...vielleicht sind sie heute auch verboten? Ich dachte dass globalisierung vielfalt mit sich bringt und anstatt mehrere namen zu verbieten, mehrere namen zu erlauben!? Zum satz: Aber auch eine Herleitung von Merlin, dem Zauberer aus der Artus-Legende ist denkbar - dann hätte der Name tatsächlich eine männliche Wurzel., moechte ich dazu beitragen, dass es sich hier um Myrddin handelt...diesen namen hat man durch globalisierung auch umbenannt....sowas aber auch!
Beamte und gesetzgeber dieser namenregeln: Wieso wurden die Buerger diesem Getzes nicht befragt? Es hat doch einen direkten zugriff zu den familiaeren privatleben? Kein wunder das ich auch ausgezogen bin. Denn in Grossbritanien koennen wir unsere Kinder auch alles unter der Sonne nennen....moegen die Kinder es spaeter nicht, naja, dann aendern sie es eben.
Es muss in Deutschland alles seine Ordnung haben. Wo kommen wir hin wenn wir Bürger den gesunden Menschenverstand einsetzen. Anne, Maria, Merle, Andrea und weitere teilweise sehr alte weibliche Vornamen dürfen nicht alleine im Stammbuch stehen weil es eine Dienstanweisung gibt, welche wieder am mündigen Wahlbürger vorbei in die Amtsstuben gebracht wurde. Warum schiebt der Gesetzgeber die Globalisierung als Schutzschild vor sich? Meiner Meinung nach geht es hier nur um eine weitere Bevormundung des Bürgers durch die Bürokratiekrake. Am 25. Mai sind in Schleswig-Holstein Kommunalwahlen.
Oh je, ich heiße Andrea und mein 2. Kind heißt Merle - sind wir nun Mutter und Tochter - oder Vater und Sohn????
Gerade habe ich mich gefragt, ob sich in Spanien, Holland, Italien, Scandinavien, England, Schottland un so weiter genau so Gedanken gemacht wird, wie in Husum. Hoffentlich wird das in Husum gebräuchliche Buch nicht Weltweit angewand. Dann würde nämlich alles im (Namens-) Chaos enden. Die sprichwörtliche "Deutsche Gründlichkeit" kann auch alles mögliche bis zur Unbeweglichkeit lähmen. Für die Zeit, die sich das Husumer Standesamt diesem Problem widmet, würde ich partout keine Steuern zahlen wollen. - Und wieder fordere ich das Standesamt auf, eine Statistik beizubringen, die einen prozentualen Anteil der Männer mit den beanstandeten Namen darstellt - deutschlandweit. Das würde auch Herrn Eckholdt sein Eingeständnis eines klein Fauxpasses erleichtern. Sehr geehrter Herr Eckholdt - zeigen Sie Format! Dickköpfigkeit ist ein Zeichen von Infantilität oder Senilität. Das öffentliche Eingeständnis eines Fehlers zeugt von geistiger Reife und Weitsicht.
In Berlin wiehert der Amtsschimmel auch, der hat Momme als männlichen Vornamen verboten. Wie sagte doch Klaus Wowereit: Berlin ist zwar geistig arm - aber sexy. Was zu beweisen war. Vorschlag für die Husumer: Hauke verbieten und Uwe und auch gleich Peter-Harry. Na denn!
Uninex ist unisex !
Namen wie Merle, Heike, Luca, Kai oder Sascha sind global gesehen Jungen- und Mädchennamen. Es muss ein zweiter eindeutiger Name hinzukommen.
Sind Sie sich sicher das sie Ihre Tochter Claire nennen woll Frau Grube?
Wir dürfen unser Kind auch nicht Sina nennen. Ich ärgere mich jetzt, dass ich mein Kind in der Heimat auf die Welt kommen ließ. Man hätte nach Flensburg oder Niebüll fahren sollen. Die Kinderstation im Husumer Krankenhaus war relativ leer. Das kann natürlich auch an den Umbaumaßnahmen im KKH husum liegen. Aber nicht nur. In unserem Freundeskreis kommen in den nächsten 3 Monaten 4 Kinder zur Welt und da will keiner mehr nach Husum fahren, weil keiner mit diesem Standesamt zu tun haben möchte.
Ich bin der Meinung, dass es ein Gesetz ist nachdem sich entweder alle Standesämter richten oder gar keins. Oder es sollte zum Wohle des Kindes und der Eltern entschieden werden. Das Kind wird in Nordfriesland groß und nicht in der Türkei (Problem beim Name Sina) und die Eltern wollen in Ruhe gelassen werden und sich nicht über ein kleinkariertes Standesamt ärgern, die haben mit der neuen Situation genug zu tun.
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Warum denn Anne?? Andrea, ok, ist im Italienischen männlich. Maria kennt man ja von Karl Maria von Weber oder Rainer Maria Rilke. Und was ist mit Kay/Kai und Eike? Globalisierung heißt nicht, dass man global bekloppt werden muss.