Der Blick für die besten Bohnen
Es ist ein besonderer Duft. Ein Geruch, bei dem man an Entspannung denkt, an Gemütlichkeit oder Sonntagsfrühstück. Es ist der Duft von Kaffee, der in der Rösterei des Sunbeam Coffee allgegenwärtig ist - jeden Tag. "Ich rieche das schon gar nicht mehr", sagt Inhaber Michael Brown. Nach 15 Jahren hat sich seine Nase an den Geruch von gemahlenen Bohnen gewöhnt. Dafür hat sich sein Blick für die Bohne geschärft. "Man muss schon ein paar Bohnen verbrennen, um zu lernen, wie man richtig röstet", sagt der gebürtige Engländer. Das passiert ihm heute nicht mehr. Der 52-Jährige versteht sein Handwerk. Gelehrt hat es ihn ein "alter Mann", an einer alten Maschine ohne Computer, der die genaue Röstzeit festlegt. "Da ist noch der Mensch gefragt." Eine solche Maschine hat er auch heute noch - das Herzstück des Betriebes. Mit ihr begann der Aufstieg der kleinen Kaffeerösterei in Wulfsmoor vor 15 Jahren, als er seine Leidenschaft zum Beruf machte. Dabei waren seine Lebensweichen eigentlich ganz anders gestellt...
Vor 30 Jahren tauschte Michael Brown seinen Lebensmittelpunkt London mit Elmshorn. Dort lebte seine Großmutter, die dem gelernten Einzelhandelskaufmann auch seinen ersten Job bei Burmeister/CocaCola vermittelte. "Zuerst musste ich meine Deutschkenntnisse aufpolieren" , erinnert er sich. Doch dann ging es beruflich aufwärts. Er arbeitete im Außendienst des "Schweppes"-Unternehmens und als Handelsvertreter, vertrieb Pommery-Champagner, Valensina-Säfte, Knabbergebäck und Kaffee, leistete nach der Wende in Ostdeutschland Supermarkt-Aufbauarbeit und arbeitete bei Heimbs-Kaffee als Verkaufsleiter für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. "1994 entschloss ich mich, mich mit dem Kaffeegeschäft selbstständig zu machen", erinnert sich Brown und nennt sein Unternehmen "Sunbeam Coffee" (Sonnenstrahl) - aus Erinnerung an seine englische Heimat und Wärme, die guter Kaffee benötigt.
In den Anfängen ließ er seine Bohnen noch in Hamburg rösten. Als der Betrieb abbrannte, machte er sich auf die Suche nach einer eigenen Anlage. Fündig wurde er in der "UG-22-Probat". "Das ist die kleinste Profiröstanlage und kann mit 22 Kilo Bohnen gefüllt werden", erzählt Brown. Die Maschine wird heute nicht mehr gabaut, ist aber nach wie vor gefragt. Laufend bekommt Brown Angebote, "aber ich verkaufe sie nicht". Seit 1995 röstet er nun schon in Wulfsmoor selber Kaffeekreationen "mit dem guten alten Stück". Das Geschäft lief und so entschloss sich der leidenschaftliche Kaffeetrinker, auf dem Bauernhof seiner Lebensgefährtin Sabine Butzlaff in Brande-Hörnerkirchen eine zusätzliche 50-Kilo-Röstmaschine anzuschaffen, die er seit 2008 betreibt. Michael Brwon verarbeitet Bohnen aus der ganzen Welt. Er erzählt von Kaffeebohnen, die auf Äquatorhöhe in tropischem Klima rund um den Erdball wachsen, von indonesischen und afrikanischen Bohnen mit viel Säure und bekömmlicheren aus Südamerika, von Sorten wie "Robusta" und "Arabica", seiner bevorzugten Bohne. "Beim Rösten verliert die Bohne durch Verdampfung 15 Prozent an Gewicht", berichtet er. Die Menge, die überbleibt, muss im "Röstbuch" vermerkt und versteuert werden. Pro Kilo müssen alle Kaffeeröstereien 2,19 Euro Kaffeesteuer zahlen. "Das ist für ein kleines Unternehmen schwer. Wir müssen deshalb vor allem über die Frische und Qualität unserer Ware werben." Michael Brown kauft seine Kaffeebohnen bei einem Hamburger Rohkaffeehändler, der alle Sorten der Welt vorrätig hat. Dort prüft er anhand eines Verschiffungsmusters die Qualität nach Farbe, Größe und Form. "Die Bohnen müssen heil sein, kein Bruch." Der Kauf ist dann ein Handschlaggeschäft. Da der Kaffeepreis stündlich schwankt und an die Börsen in New York und London gekoppelt ist, können sich schnell Preisdifferenzen ergeben.
In 70-Kilo-Jutesäcken wird die Ware dann nach Brande-Hörnerkirchen transportiert, wo Brown sie bei zehn Grad lagert. Er röstet die sortenreinen Bohnen, um sie anschließend nach streng geheimen Rezepten mit anderen Röstungen zu mischen. "Unsere Hauptmischung heißt 'alte Tradition’, weil sie wie der Kaffee zu Omas Zeiten schmeckt. " Mehr als 14 verschiedene Kaffeesorten hat Sunbeam Coffee im Angebot. Die ganz speziellen werden noch in Wulfsmoor geröstet, die anderen Sorten in Brande-Hörnerkirchen. "Wenn ich einen Espresso kreiere, brauche ich eine kräftige Sorte wie Java oder Brasil", der Rest sei dann Erfahrung und "rumspielen, bis er mir gefällt". Überhaupt sei Kaffeetrinken eine Gefühls- und Geschmackssache.
Michael Brown vertreibt seinen Kaffee hauptsächlich über das Internet und an mittelständische Unternehmen, Eiskaffees und Gastronomiebetriebe, doch der Verkauf an den Endverbraucher nimmt in letzter Zeit stark zu. "Ich liefere über DHL in ganz Deutschland, habe aber auch Kunden in Dänemark und England", erzählt er. Der Kaffee wird hauptsächlich in Brande-Hörnerkirchen frisch geröstet und dort auch verkauft, verpackt und gemahlen wird er aber in Wulfsmoor. Wie aus einer grünen Bohne eine braune wird, kann man beim Schaurösten aber in beiden Betrieben erleben.
Infos und Anmeldung zum Schaurösten unter 04822/360844 oder www.kaffee247.de und info@sunbeam-coffee.com
Öffnungszeiten in Brande-Hörnerkirchen sind montags, mittwochs und donnerstags, 14 bis 18 Uhr im kleinen Laden in der Bokelsesser Straße 3.
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