Husumer Standesamt schaut bei Vornamen genau aufs Geschlecht

Das neue "Quartalsschilda" des Nordens

05. April 2008 | 17:21 Uhr | Von Oliver Havlat und Hauke Mormann

Mit ihrem akribischen Vorgehen beim Genehmigen von Namen machen die Husumer Standesbeamten sich und ihre Stadt lächerlich, finden Oliver Havlat und Hauke Mormann.

Verstehe einer die Logik der Husumer Standesbeamten: Plötzlich legen sie alle Vorschriften auf ihre Weise aus, pochen als einzige im Land darauf, das "Internationale Handbuch der Vornamen" bei jeder Namensgebung zu Rate ziehen zu müssen, machen damit jungen Eltern das Leben schwer - und behaupten, das alles nur zu tun, um den Bürgern zu helfen. Das ist dreist.

Wenn im Handbuch der Vornamen steht, dass ein Name in Deutschland weiblich, irgendwo anders auf der Welt - egal wie klein der Flecken ist - aber auch männlich sein kann, wird er nicht zugelassen. Auf regionale Entwicklungen, auf Tradition, Bräuche und Familienkultur wird keine Rücksicht genommen. Alles soll einheitlich und international normiert werden.

Angeblich kämpfen die Husumer mit diesem feindlichen Akt gegenüber den Bürgern für mehr Bürgerfreundlichkeit: Die Bürger sollen ihre Kinder nennen können wie sie wollen, behauptet Standesamtsleiter Harald Eckholt. Doch um das durchzusetzen, verbietet er es ihnen erst einmal. Damit nämlich will er dem Gesetzgeber zeigen, wie unsinnig die Vorschrift ist, das Handbuch zu Rate zu ziehen. Nur: In anderen Standesämtern in Schleswig-Holstein hat man kein Problem damit. Weder Beamte noch Eltern. Nur in Zweifelsfällen wird das Handbuch zu Rate gezogen, bei allen Idas, Merles, Andreas und Annes denkt keiner der Beamten daran, ins Bücherregal zu greifen. Warum auch? Es sind urdeutsche Vornamen für Kinder in Deutschland.

Harald, Birthe, Kathrin und Petra, die Husumer Standesbeamten, machen sich mit ihrem vorgeblichen Feldzug gegen die eigene Bürokratie lächerlich - sich selbst, ihre Verwaltung und Husum, das fortan das "Quartalsschilda" des Nordens ist.


 

Leserkommentare

 
GÜNTHER REINTJENS 06.04.2008 11:59
Namensverbot

Sehr geehrte Damen und Herrn, vor vielen Jahren wurden unsere Kinder im Landkreis Kleve (Niederrhein) geboren. Unseren Sohn wollten wir Uwe nennen und unsere Tochter Anja. In beiden Fällen machte man uns erhebliche Schwierigkeiten und verlangte einen Zweitvornamen, weil "ein so kurzer Namen nicht reiche". Wir freuen uns noch heute, dass wir uns durchsetzen konnten mit Uwe und Anja. Unser Gedanke war, die unselige Abkürzung und Verballhornung für die Kinder zu verhindern wie z.B. aus Johannes der Hansi wird. Bei meinem eigenen Namen nervt es, immer "Günther mit H oder ohne" gefragt zu werden.
Mit freundlichen Grüßen Petra und Günther Reintjens



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