"Da wusste ich, das wird mein Rennen"

10. August 2010 | Von sh:z

Ruder-Weltmeisterin Judith Sievers in Siegerpose. Foto: sh:z

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Racice. Judith Sievers von der Rudervereinigung Kappeln im TSV Kappeln ist neue Junioren-Weltmeisterin im Einer (wir berichteten). Bei den U 19-Weltmeisterschaften in Racice (Tschechien) setzte sie sich souveräner Manier gegen die gesamte internationale Konkurrenz durch. Damit erreichte das Kappelner Ausnahmetalent den bisher größten Erfolg ihrer sportlichen Karriere.

Die Siegerehrung war dann auch ein besonders Erlebnis. Die deutschen Fans, allen voran die mitgereisten Familienangehörigen und die Kappelner Ruderer waren außer sich vor Freude. "Alle fielen mir um den Hals. Als dann die deutsche Hymne gespielt wurde, musste ich echt mit den Tränen kämpfen. Weltmeisterin zu sein, ist ein tolles Gefühl, aber ich werde einige Tage brauchen, um das alles zu verarbeiten," meinte die überglückliche Kappelnerin zu ihrem größten Coup.

Sportlicher Erfolg kann geplant werden. Doch nicht immer geht die Planung so auf, wie bei Judith Sievers. "Ich möchte in meiner Altersklasse die schnellste Einerfahrerin der Welt werden," verkündete die 17-Jährige und ließ Taten folgen. 15 bis manchmal über 20 Trainingsstunden pro Woche waren auf dieses eine Ziel ausgerichtet. Alle nationalen Ausscheidungen gewann die Ruderin von der Schlei. International trumpfte sie schon im Winterhalbjahr mit dem Europa- und dem Weltmeistertitel auf dem Ruderergometer auf. Über 3000 Trainingskilometer verbrachte Judith Sievers auf dem Wasser. Sie wurde Deutsche Meisterin und qualifizierte sich als Einerfahrerin für die Juniorenweltmeisterschaft. Es folgten fünf Wochen harten Trainingslagers in Berlin und am Wettkampfort in Racice, die intensiv zur Vorbereitung auf die WM genutzt wurden.

Nach einem Sieg im Vorlauf stand zunächst das Halbfinale an, in dem sich die 17-Jährige mit der zeitschnellsten Ruderin aus den Vorläufen, einer Griechin auseinandersetzen musste. Nachdem sie sich zunächst eine sichere Führung herausgearbeitet hatte, siegte sie gegen die stark aufkommende Griechin mit 13/100 Sekunden Vorsprung. Was einige Fachleute als Schwäche im Endspurt interpretierten, war ein bewusstes Kräftesparen für das Finale.

"Vor dem Finale war ich sehr aufgeregt. Natürlich hatte ich ein taktisches Konzept, aber ich konnte nicht wissen, ob es aufgeht." Es überraschte Sievers nicht, dass die Niederländerin Annick Taselaar nach dem Start zunächst die Führung übernahm. Auch die Kappelnerin kam gut vom Start weg und schob sich auf die zweite Position. Die Rumänin und die Lettin folgten.

Bei der ersten Zwischenzeitnahme nach 500 m lag Sievers zwar in zweiter Position, aber schon fast zwei Bootslängen hinter der Niederländerin, gegenüber der sie bei der internationalen Juniorenregatta in München die einzige Niederlage dieser Saison hinnehmen musste. Doch sie ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Schlag um Schlag schob sie sich immer dichter an die Niederländerin heran und baute gleichzeitig den Vorsprung auf die anderen Konkurrentinnen aus. Bei der 1000 m-Marke war die Führung von Annik Taselaar auf ein Minimum zusammen geschmolzen. Ihr Schlag verlor an Dynamik, offensichtlich hatte sie auf der ersten Streckenhälfte überzogen. Nach etwa 1250 m setzte sich Judith Sievers an die Spitze des Feldes.

"Als ich vorn war, wusste ich, das wird mein Rennen, das gebe ich nicht mehr aus der Hand." Das gelang. Unter dem Jubel tausender Zuschauer fuhr Sievers mit über einer Bootslänge Vorsprung auf die Rumänin und mehr als drei Längen auf die Griechin über die Ziellinie.

Viel Zeit zum Verarbeiten der Geschehnisse wird Judith Sievers nicht haben. Gerade einen Tag kann sie zu Hause verbringen, dann wartet das nächste Riesenerlebnis. Judith Sievers fliegt zu den 1. Olympischen Jugendspielen nach Singapur. Dort startet sie als Mitglied des 70-köpfigen deutschen Olympiateams aller Sommersportarten erneut im Einer.

Auch wenn die in Singapur ausgefahrenen 1000 m für die Ruderer eine ungewohnte Strecke sind, Judith Sievers nicht in ihrem Boot fahren kann, weil die Boote vom Veranstalter gestellt werden und ihr Trainer nicht vor Ort ist, zählt sie als neue Weltmeisterin ohne Zweifel zum Favoritenkreis.


 

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