Campusbad: Jetzt auch Ärger um Jobs

20. November 2009 | 04:30 Uhr | Von Julia Boecker

"Rauchen Sie?", "Haben Sie Behinderungen?" - Fragen, die sich Bewerber für einen Job im Flensburger Campusbad gefallen lassen müssen. Die Stadtverwaltung ist verärgert.

30 neue Arbeitsplätze will Wolfgang Tober im Campusbad schaffen. Foto: dewanger

Ein "rundum schönes Bade- und Wohlfühlerlebnis" verspricht das Campusbad künftigen Besuchern im Internet, Jobsuchenden "circa 30 neue Arbeitsplätze". "Interessant", dachte sich auch Susanne Matthies - und bewarb sich bei der "Aqua Vital GmbH" von Wolfgang Tober, dem Betreiber des Bades. Seit August ist die Masseurin arbeitslos, die früher eine eigene Praxis betrieb, anschließend den Wellness-Bereich eines Hotels mit aufbaute. Zum Bewerbungsgespräch wurde die 48-Jährige nicht eingeladen, dafür zu einer Info-Veranstaltung für Servicekräfte. Im Container auf der Baustelle skizzierte der Chef vor 40 Jobsuchenden die Bedingungen. "Ich will im Campusbad nicht arbeiten", weiß Susanne Matthies seitdem. Sie findet Tobers Pläne "unprofessionell" und "unseriös".

Etwa den Stundenlohn von 7,50 Euro für die Servicekräfte, die neben der Reinigung während ihrer Zehn-Stunden-Schichten auch an der Kasse sowie im Sauna- und Gastronomiebereich einsetzbar sein sollen. "Ohne Zuschläge für Feiertags- oder Spätdienste", ärgert sich Matthies. Sie hatte auf einen Job im Büro gehofft - eine Hoffnung, die Tober schnell ausräumte: Er suche zwar einen "Betriebsleiter", eine Bürokraft sei für den Schwimmbadbetrieb aber nicht erforderlich. "Das ist eine Optimierung der Arbeitsabläufe", bestätigt der Badbetreiber auf Anfrage, "wenn mir jemand einen Brief schreibt, faxe ich den mit meiner handschriftlichen Antwort drauf zurück." "Unprofessionell", findet Susanne Matthies so etwas, und befürchtet: "So geht das Bad bald baden."

"Rauchen Sie?" und "Haben Sie Leiden, Behinderungen etc.?

Richtig verärgert ist sie allerdings über eine Bedingung, die Wolfgang Tober an die Einstellung seines Personals zu knüpfen scheint: "Sind Sie bereit, ein ca. vierwöchiges unbezahltes Praktikum zu absolvieren?", lautet eine Frage auf dem Bewerbungsformular, das er beim Info-Termin ausgab. Qualifikationen werden nicht abgefragt, jedoch: "Rauchen Sie?" und "Haben Sie Leiden, Behinderungen etc.? Wenn ja, welche?"

Eine Personalakquise, über die auch die Stadtverwaltung nicht begeistert ist. "Der Fragebogen lässt den Eindruck der Vorauswahl entstehen", sagt Rathaussprecher Thomas Hansen. Bürgermeister Henning Brüggemann bat den Schwimmbadchef daraufhin am Dienstag prompt zum Gespräch. Um deutlich zu machen, dass dessen Vorgehen "nicht im Sinne der Stadt" sei. "Herr Tober hat uns aber versichert, dass ein Praktikum keine Anstellungsbedingung ist", sagt Hansen. Das Praktikum solle der Qualifizierung dienen; wer bereits über die erforderlichen Kenntnisse verfüge, habe die gleichen Chancen.

"Allerdings ist mir schon lieber, wenn ich die Leute selber einarbeite", sagt Wolfgang Tober. Bei den "Praktikanten" werde es sich zudem überwiegend um Arbeitslose bzw. Mitarbeiter von Transfergesellschaften handeln, die für Qualifizierungen bezahlt würden. "Und diese Gelegenheiten nehme ich natürlich gerne mit." Ob vom Arbeitsamt entsprechende Zertifikate ausgestellt würden, müsse allerdings noch geklärt werden. Arbeitsbedingungen, die auf Susanne Matthies abschreckend wirkten - anderen Jobsuchenden hingegen attraktiv erscheinen: "Ich habe 150 Bewerbungen bekommen", sagt Tober, "und es werden immer noch mehr".

Die acht Mitarbeiter des alten Hallenbads an der Bahnhofstraße müssten sich nach Auskunft von Thomas Hansen keine Sorgen um ihre Zukunft machen. "Es ist vertraglich geregelt, dass sie zu den bisherigen Bedingungen Mitarbeiter der Stadt bleiben und lediglich an Herrn Tober `ausgeliehen` werden."


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